Fr. Friedel und Fr. Fröhlich, zwei ortsansässige Eingeweihte, treffen sich beim Fleischhauer, einem der letzten in der Gegend, der natürlich alles selbst schlachtet und nur Fleisch von Tieren aus regionaler Aufzucht verwendet.
„Grüß Gott, Herr Fleischer!“, begrüßen die beiden Frauen den Herrn hinter dem Verkaufspult.
„Gott zum Gruße, meine Damen“, erwidert der Fleischer.
„Habens schon gehört?“, beginnt Frau Friedel das Gespräch, „Der Fleischer im Nebenort hat auch zugesperrt. Na da werdens jetzt alle zu Ihnen kommen.“
„Oder die sind jetzt alle veganisch und essen kein gesundes Fleisch mehr“, mutmaßt die Fr. Fröhlich, „Aber mir kommt sowas nicht ins Haus. Der Mensch, sag ich immer zu meinem Gottfried, der was mein Mann ist, aber das wissts ihr eh, jedenfalls sag ich immer zu ihm, entweder kriegen sie was Anständiges oder sie brauchen nicht kommen. Jetzt müssen Sie sich vorstellen, für uns war es immer gut genug und das soll plötzlich schlecht sein? Na, das kann mir keiner erzählen. Also, für mich vier Lammkottelets.“ Während der Fleischer das gewünschte herunterschneidet, wendet sie sich an ihre Kollegin, „Weißt, da waren die Kinder bei einem Schafbauern und haben dort die Lämmchen gesehen. So süß sind die, haben sie erzählt und wollen das jetzt nicht mehr essen.“
„Ja, aber süß sind sie schon“, wirft die Fr. Friedel schüchtern ein, „Trotzdem, dafür sind sie ja da, dass wir sie essen. Die merken das eh nicht, gerade noch am Leben und schon tot. Man muss sich das schon früher überlegen, wenn man ein Schaf wird.“
„Genau das sag ich auch“, gibt ihr die Fr. Fröhlich recht, „Na ja, habe ich mir halt gedacht, machst einen Kompromiss und nimmst Kalb. Da kann ja keiner was sagen. Die sind ja eh schon groß. Man kriegt auch mehr raus. Und weißt was Sie dann gesagt haben?“
„Na ja, da habe ich jetzt einen Bericht über die Kälber gesehen, dass die so weit transportiert werden und sie haben da auch gesagt, dass das eigentlich ganz, ganz junge Kälber sind, also noch Babies, haben sie halt da gesagt“, erwidert die Fr. Friedel schüchtern.
„Siehst, wie wir manipuliert werden“, ereifert sich die Fr. Fröhlich, „Die nennen die Babies, als wären sie Menschen. Nein, da muss man ganz klar einen Trennstrich machen, das sind Menschen, die müssen leben und die haben ein Anrecht auf gesundes Essen und das andere sind Nutztiere. Ohne den Menschen wären sie gar nicht erst auf der Welt. Da würdens aber erst schön schauen, wenn sie gar nicht erst geboren werden würden. Also bei unseren Bauern, da gibt es das auch nicht mit den Transporten. Oder, Herr Fleischer?“
„Nein, gibt es nicht“, gibt er der Kundin automatisch recht, während der fieberhaft überlegt, ob er die Lieferpapiere so verstaut hat, dass sie keiner findet. Natürlich kauft er nicht regional. Dann müsste er nämlich Preise verlangen, die keine zahlt, aber das behält er sicherheitshalber für sich, „Darfs auch was vom Kalb sein, meine Dame?“
„Ja, gebens ma zwei feine Scheiben vom Kalb“, fordert Fr. Fröhlich.
„Aber sie sagen auch, es ist wegen der Milch, ich meine mit den Babies, also den Kuhbabies, na ja, mit den Kälbern“, ergänzt Fr. Friedel, die von der Dokumentation tief betroffen scheint, „Die kommen von den Müttern weg und werden ganz weit weg gebracht ohne Milch zu bekommen.“
„Jetzt sagst Du sogar schon Mütter“, ereifert sich Fr. Fröhlich, „Das sind Kühe und keine Mütter. Schon wieder diese Vermenschlichung. Ich glaube, Dich drehen sie auch bald um, diese Möchtegern-Weltverbesserer. Kühe geben Milch und damit basta. Und die Milch ist gut für uns. Das war schon immer so und wird auch immer so sein.“‘
„Aber was, wenn es doch stimmt?“, fragt Fr. Friedel vorsichtig, „Dann haben sie auch gesagt, dass sie immer im Stall stehen müssen. Und erst die kleinen Ferkel. Die Mutter im Käfig und die Kleinen daneben, als wenn sie nicht dazu gehören.“
„Sonst würden sie die Kleinen doch erdrücken“, mischt sich der Fleischer ins Gespräch ein, „Aber was darf es denn für Sie sein?“
„Ich glaube, ich gehe zum Gemüsetandler auf Bohnen und Erdäpfel, mir tun die Viecher so leid“, erklärt die Fr. Friedel, die nur schwer die Tränen zurückhalten kann.“
„Also noch eine Abtrünnige. Und was meinst, wovon sollen die Bauern leben, wenn Du das feine Fleisch aus der Region nicht mehr kaufst?“, fragt die Fr. Fröhlich nach.
„Von dem, was ich dem Gemüsetandler abkaufe, Bohnen und Erdäpfel und Salat und Linsen und und und. Auf Wiedersehen!“, sprichts und verlässt das Geschäft. Kopfschüttelnd sehen ihr der Fleischer und die Fr. Fröhlich nach.

