novels4u.com

Life is too short for boring stories

Menschen kommen. Menschen gehen. Das ist so im Leben. So oft musste sie es miterleben. So oft würde sie es noch miterleben. Mittlerweile hatte sie gelernt damit umzugehen. Auch für ihren eigenen Schutz. Man begegnet sich. Man trennt sich. Doch niemals darf man zurücksehen. Was vorbei ist, ist vorbei. Es hat keinen Sinn sich weiter daran zu hängen, sonst kann man nicht mehr weitermachen. Vergeudung von Lebenszeit. Es macht nichts besser, aber vieles schlechter, manches sogar unmöglich. So wie sich den An- und Aufforderungen des Lebens zu stellen, die auch danach kommen. Die Welt geht nicht unter. Nicht einmal ein klitzekleiner Teil davon.

All das sagte sie sich immer wieder vor, während sie – gemäß ihrer eigenen Vorgabe – nicht zurückschaute, nachdem sie sich von ihm verabschiedet hatte. Mit einem Lächeln und den besten Wünschen. Das war nicht so dahin gesagt. Das war tatsächlich so gemeint. Natürlich hatten sie sich schon oft voneinander verabschiedet, doch diesmal war es anders. Es war einer für immer. Niemand hatte es angesprochen. Zunächst hatte sie es nur geahnt. Und als sie ihm in die Augen sah, da wusste sie, dass es tatsächlich so war. Es gab keinen Zweifel. Man musste nicht auch noch darüber reden. So war sie gegangen, wobei sie es sich angelegen sein ließ ihren Gang so beschwingt wie möglich wirken zu lassen, so weit es notwendig war. Dann schien alle Kraft von ihr zu weichen. Wie ferngesteuert ging sie nach Hause. Es gab viel zu tun. Es gibt immer viel zu tun. Automatisch lief es ab. Es tat gut sich zu bewegen, doch es war ihr, als würde sie sich nicht mehr spüren. So sehr sie es sich auch vorgenommen hatte, dass sie sich nie mehr von einem Menschen so tief berühren ließ, so schief war es gegangen. Als wenn man sich solche Dinge vornehmen könnte. Sie versuchte sich ob ihrer Inkonsequenz zu rügen, gar zu schelten, es nützte alles nichts, es war ihr, als wäre ein Teil ihrer Selbst einfach weggegangen und da, wo dieser Teil fehlte, da war eine offene Wunde, die schmerzte. Während sie in ihrer Küche stand und wegräumte. Und dabei war noch alles so präsent. Sein Duft. Seine Stimme.

 

„Hey!“, sagte seine Stimme, in ihrem Kopf, und für einen Moment schloss sie die Augen, die Stimme in ihrem Kopf nachklingen zu lassen und seinen Geruch auf sich wirken zu lassen, doch als sie sich unvermittelt umdrehte, da war der Duft und die Stimme und der ganze Rest von ihm, und sie musste die Hand auf seine Wange legen, dass sie glaubte, und da schwanden ihr die Sinne, vor Freude. Gekonnt fing er sie auf und trug sie auf seinen starken Armen aufs Bett, setzte sich neben sie und wartete geduldig bis sie wieder zu sich kam. Er hatte nicht vergessen, dass sie ständig vergaß die Wohnungstüre abzuschließen.

 

Als sie die Augen aufschlug, da war er da. Es war kein Traum, sondern Realität. Unwillkürlich umschlang sie ihn mit ihren Armen und zog ihn an sich, so dass sie die Nase in die Grube neben seinem Hals vergraben konnte. Er roch so gut.

„Was war denn jetzt eigentlich los?“, fragte er sanft und mit dem ihm eigenen anteilnehmendem Interesse, während er versuchte sie sacht ein wenig von sich wegzuschieben, um sie ansehen zu können, wenn er mit ihr sprach. Doch sie hielt sich so fest, dass es ihm nicht gelang, und sie wagte es auch nicht ihn anzusehen.

„Ich dachte, Du kämst nie wieder“, gestand sie ein.

„Wie kommst Du denn auf sowas?“, fragte er, halb irritiert, halb belustigt.

„Ich wusste es einfach, weil ich das schon erlebt habe …“, versuchte sie zu erklären, und merkte im selben Moment, dass es eigentlich Unsinn war, was sie sagte.

„Meinst Du, ich hätte es tatsächlich fertiggebracht wegzugehen, ohne ein Wort zu sagen?“, fragte er.

„Ich weiß es nicht. Warum nicht?“, entgegnete sie, aus purem Trotz.

„Aber wäre es Dir tatsächlich so nahe gegangen?“, fuhr er unbeirrt fort. Da endlich setzte sie sich auf.

„Natürlich nicht!“, behauptete sie, auch wenn sie wusste, wie wenig überzeugend es klang, „Es war ja nur deshalb, weil ich dann alles, was ich für uns gekocht habe, alleine hätte essen müssen.“

„Natürlich“, wiederholte er, und zog sie an sich, sie zu küssen. Und vielleicht auch ein wenig um zu verhindern, dass sie sich in noch mehr Unsinn hineinredete. Es gab nun mal Dinge, die sie niemals zugeben würde, aber wozu auch. Er wusste es auch ohne, dass sie es sagte, so wie sie ihn umarmte und küsste, so wie sie vor Freude ohnmächtig werden konnte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: