„Na dann sprechen Sie, mein Junge“, forderte ein großer, korpulenter Herr mit weißem Haar Jona auf, „Was haben Sie uns zu sagen.“ Jona holte tief Luft, und dann stieß er hervor:
„Sie müssen jetzt sofort und auf der Stelle aufhören, die Welt zu ruinieren, das Wasser, die Meere, die Erde und die Luft zu vergiften, die Ressourcen zu verschwenden und Tiere auszubeuten.“
„Ich denke, wir sind uns einig, dass wir das sofort in Angriff nehmen werden“, erwiderte jener Herr, woraufhin er einen fragenden Blick in die Runde warf, „Wer ist dafür?“ Sofort schnellten alle Arme in die Höhe.
„Sie sehen, wir sind einstimmig dafür“, erklärte Jona jener Herr, woraufhin ihm sämtliche Anwesenden vortrugen, was sie zu ändern gedachten. Es klang überzeugend.
„Also schön, dann gehe ich jetzt wieder“, meinte der, der im Auftrag eines Gottes gekommen war, an den er nicht glaubte.
Jona ging weg und in die nächstbeste Kneipe, in der er einen Whiskey nach dem anderen bestellte, so frustriert war er vom Leben.
„Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“, sagte er zum Barkeeper, „Jetzt haben die sich so mir nichts Dir nichts bereit erklärt alles zu ändern und dann geht die Welt einfach nicht unter oder nein, die Welt geht eh nicht unter, sondern eben die Menschheit überlebt. Das ist doch eigentlich furchtbar ungerecht. Da haben sie fast 200 Jahre so gewirtschaftet, als gäbe es kein Morgen, haben alles ausgebeutet und zerstört und vernichtet und dann komme ich daher, erzähle ihnen, sie sollen es anders machen. Und was passiert? Sie machen es einfach. Das ist doch zum Haare ausraufen. Tun so, als könnten sie alles wieder gut machen, all die Verbrechen. Man stelle sich vor, der Chef von Monsanto meinte, sie stellen jetzt nur mehr Biodünger her und überlassen die Samen denen, die sie brauchen. Sie wollen nicht nur keinen Regenwald mehr abholzen, sondern schützen. Statt Fleisch gibt es nun – für die Ewig-Gestrigen – dieses Laborfleisch und kein anderes mehr. Die Tiere dürfen ihren Lebensabend in Ruhe und Freude verbringen, werden nicht mehr nachgezüchtet und sterben einfach aus, damit wieder Platz ist für die wilden Arten. Und die von den bisherigen Erdölfirmen, die stellen samt und sonders um auf nachhaltige Energien, regionale Produktionen werden forciert und was weiß ich noch alles. Und das einfach so. Weißt Du, wie ich mir vorkomme? Wie der größte Depp. Da sagt man ihnen, dass sie bis jetzt die größten Zerstörer waren, einfach so ins Gesicht und anstatt, dass sie mit der ihnen eigenen Präpotenz einfach weitermachen wie bisher, ändern sie alles. Alles. Das ist so ungerecht, dass jetzt alles wieder gut wird. Und zum Schluss sagen sie etwa noch, ja, das haben wir sowieso schon längst machen wollen. Klimawandel? Ja, das war halt doch nur ein Fake.“
„Und das ist es, was Dich ärgert, dass die Zerstörung nicht stattfindet? Damit ist doch alles gutgegangen und alle sind gerettet. Ist das nicht wunderbar?“, fragte der Barkeeper. Endlich sah Jona sich diesen genauer an. Er sah aus wie der Mann, der ihn aus dem Walmaul herausgeholt hatte, nur dass er nun keinen Monteursoverall mit passender Kappe, sondern schwarze Hose, weißes Hemd und die obligatorische Schürze trug.
„Echt jetzt? Du schon wieder?“, sagte Jona bloß, „Kannst Du mich nicht endlich in Ruhe lassen.“ Damit trank er seinen Whiskey aus, zahlte und ging, nicht nur bei der Türe hinaus, sondern hinauf auf den Berg vor der Stadt. Da setzte er sich unter einen Baum. Es war brennend heiß und er genoss den Schatten, doch da verdorrte der Baum und er war der sengenden Sonne ausgesetzt. „Ist schon gut, ich habe verstanden“, meinte Jona in Gedanken, da er sich an den Ausgang der Originalgeschichte erinnerte, „Du kannst Bäume blühen und verdorren lassen. Aber Du möchtest eigentlich das Leben und deshalb findest Du diese Rettung sehr cool. Und eigentlich, muss ich zugeben, betrifft es mich auch.“ Damit kehrte er um, zurück in sein zu Hause und sein altes Leben. Viele Jahre später, als ihn die anderen schon für wunderlich hielten, erzählte er die Geschichte. Alle amüsierten sich über ihn, denn sie glaubten der offiziellen Geschichtsschreibung. Aber letztlich war es doch wirklich egal. Hauptsache war doch, dass alle gerettet wurden. Und vielleicht gibt es doch jemanden, der ihm glaubt und diese Geschichte wieder erzählt, wenn es notwendig ist, um daraus zu lernen und das Richtige zu tun.

