„Das sind doch bloß Nutztiere“, muss ich immer wieder hören, wenn ich auf das Leid der Tiere in der Tierausnutzungsindustrie aufmerksam mache, es ins Bewusstsein bringe, wenn sie denn überhaupt hinschauen. Meist werfen sie einen kurzen Blick darauf, um sich angewidert abzuwenden. „Das sind doch bloß Nutztiere“, meinen sie, als wäre es die Schuld dieser Lebewesen. Es bedeutet nichts anderes, als „hätten sie sich doch was anderes ausgesucht“. Als wenn sie je eine Wahl gehabt hätten, als wenn sie es gewollt hätten, in die Kategorie „Nutztiere“ gepackt zu werden. Wie willkürlich diese Einteilung ist, zeigt sich daran, dass in den verschiedenen Kulturen andere Spezies als solche bewertet werden. Da regen wir uns dann schon mal gern auf, wenn in anderen Kulturen Hunde auf eine Art misshandelt werden, wie es bei uns bei Schweinen selbstverständlich ist. „Nutztier“ ist keine biologische Kategorie, sondern eine willkürliche Zuteilung, um anzuzeigen, ich als Mensch nehme mir das Recht heraus, diese Lebewesen als meine Produktionsmittel zu betrachten, wie die Maschine, die mir Profit verschafft. Dabei ist es dem profitorientierten Denken ganz egal, ob die Maschine leblos ist oder wie eine Kuh lebendig. Die eine erzeugt Zahnpaste, die andere Milch. Es besteht kein Unterschied.
„Das sind doch bloß Nutztiere, so habe ich es gelernt und so war es immer und so wird es immer bleiben“, verkünden jene, deren historischer Horizont über die eigene Nasenspitze nicht hinausgeht. Ja, der Mensch hat gejagt, um zu überleben. Das war tatsächlich schon immer so. Dann wurde er sesshaft und domestizierte Tiere. Allerdings diese Art der kollektiven Misshandlung gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten, als es möglich war, Hochleistungsrassen zu züchten, sie mit Turbofutter zu mästen und sie am Fließband zu ermorden. Misshandlung, Ausbeutung und Morden am laufenden Band, das gibt es erst seit der Industrialisierung, der in der Landwirtschaft, in der Erzeugung und des Transports. Damit wurde das Leid auf die Spitze getrieben und dennoch, meinen die meisten, das ist schon in Ordnung so. Ja, vielleicht ein bisschen mehr Tierwohl, aber ansonsten gehört es so gemacht. Es wird uns eingeredet, von den Nutznießern der der sog. Nutztiere. Nein, nicht weil die Fleischindustrie uns etwas Gutes tun will, die Milchindustrie auf unsere Gesundheit bedacht ist oder die Eierindustrie uns mit hochwertigen „Lebensmitteln“ versorgen möchte, gibt es diese, sondern allein aus einem einzigen Grund, das einige, wenige sehr gut an diesem Leid verdienen und wir uns immer mehr krank essen. Da freut sich die Pharmaindustrie und die Chemieindustrie, weil die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes immer mehr chemische Mittel benötigt, damit überhaupt noch irgendetwas wachsen kann, während Insekten, Vögel und Säugetiere in der freien Wildbahn dahinsterben, als gäbe es gerade die größte Seuche, die es je gab. Und eigentlich ist es auch so, denn die Gifte, die wir seit Jahrzehnten ausbringen, die Umwandlung fruchtbaren Ackerlandes in sterile Monokulturen, der Raub an wiederverwendbaren Sämereien und der große Flächenbedarf für unsere „Nutztiere“ mordet unzählige wilde Arten jeden Tag. Aber dafür dürfen unsere sog. „Nutztiere“ leben, die doch dankbar sein müssen, dass sie überhaupt am Leben sein dürfen. Was für ein Geschenk! Das ganze Leben in einem engen Stall zu vegetieren, das ist wohl des Dankes wert. Dabei werden sie bloß ins Leben gesetzt, um bereits im Kindesalter wieder ermordet zu werden. Da kennt die Freude keine Grenzen.
Und während ich Ferdinand, den umtriebigen Eber, der in der Mast überflüssig war, weil er nicht so richtig wachsen wollte, nicht so schnell, wie er musste, den Bauch kraule und er sich wohlig ausstreckt, denke ich, wie schön es doch wäre, wenn er nicht als sog. „Nutztier“, sondern als ein freilebendes Wildschwein geboren worden wäre, das gemeinsam mit seinen Geschwistern mit der Mama kuscheln darf, innerhalb der sozialen Gruppe heranwächst und nach Schweineart durch die Wälder und über die Flure streift. Das wäre ein Leben, das Dankbarkeit verdient, aber gerade die Wildtiere bringen dies zum Ausdruck, indem sie einfach leben, ganz anders als diese komische Spezies Mensch, die es als natürlich ansieht, andere Lebewesen auszunutzen, zu versklaven, zu unterdrücken und zu ermorden, wie es ihr beliebt.
Wer bei der Meinung bleibt „Das sind doch bloß Nutztiere“ hat sich einerseits zum willenlosen Werkzeug einer erdumspannenden Industrie machen lassen, unter der Milliarden leiden, menschliche wie nichtmenschliche Tiere und andererseits zum Mittäter an einer Art des Massenmordes gemacht, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hatte, in seiner Perfidität und Herzlosigkeit.

