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Life is too short for boring stories

Bevor sich Nana und Anima zurückzogen, gingen sie durch die Hintertüre hinaus zum Stall, um nach Darcy und Donal zu sehen. Die beiden Esel standen bereits friedlich auf dem Stroh. Nana sah, dass sie mit allem versorgt waren, was sie brauchten. Deshalb sagte sie ihnen gute Nacht, sah zu, wie Anima das gleiche tat. Nein, nicht mit Worten, aber indem sie zuerst zu Darcy ging, sie mit der Nase anzustupsen, so dass sich die Eselin zu ihr beugte und sie kurz Nase an Nase standen, dann zu Donal, um das gleiche zu tun. Nana spürte diesen wunderbaren Einklang zwischen diesen, doch so verschiedenen Tieren. Dann gingen sie ins Haus. Nachdem sie gegessen hatten, kuschelten sie sich, erwärmt durch ein Feuer im Kamin, zusammen. Nana griff nach dem Buch, das sie gerade las, doch ihre Gedanken schweiften immer wieder ab.

War er es denn gewesen? Konnte er es gewesen sein? Würde er tatsächlich so weit gehen, dass er ihr bis hierher nachreiste? Und woher sollte er wissen, wo sie sich aufhielt? Ein Jahr war mittlerweile vergangen, seit sie sich von ihm getrennt hatte. Nana hatte befürchtet, dass er es nicht so einfach hinnehmen würde, auch wenn sie definitiv vereinbart hatten, eine lockere Beziehung zu führen. Bo, der Sesshafte, was sehr gut zu ihm passte, streng konservativ und der Meinung, dass alles bleiben müsste, wie es war, so lange er nicht den Drang verspürte, es zu ändern. Vielleicht, so dachte sie nun, hätte sie sich nie darauf einlassen sollen. Aber damals hatte sie nicht ahnen können, wie sehr er sie verfolgen und diffamieren würde, wo der doch so stark, unabhängig und selbstbewusst gewirkt hatte. Und Nana? Er hatte sie zu einer Zeit erwischt, da sie sehr verletzlich war. Trotz aller Unbilden, die das Leben für sie bereitgehalten hatte, musste sie stark bleiben. Da war er plötzlich da und hatte sie in die Arme genommen. Endlich, nach langem, innerem Ringen, ließ sie es zu, auch den Kopf an seine Schulter zu legen, die Augen zu schließen und sich einfach halten zu lassen. Es tat so unheimlich gut, endlich nicht mehr alles alleine tragen zu müssen. Es war ein Moment, der sie gestärkt hatte, doch alles im Leben hat seinen Preis, denn er hatte begonnen sich einzumischen, ihr unverhohlen zu sagen, was sie zu tun und vor allem zu lassen hatte, mehr noch, wie sie es zu tun hatte. Er war nicht in der Lage, sie zu lassen, sein zu lassen. Lange Zeit hatte sie es hingenommen, für diesen einen Moment des Gehalten-werdens, in dem sie alles andere rundherum vergaß. Doch irgendwann konnte sie es nicht mehr beiseiteschieben. Es wurde immer unerträglicher. Bis sie nichts mehr erzählen wollte, weil es doch nur negiert wurde. Ein Moment des Gehalten-werdens erkaufte sie mit vielen Momenten der Frustration. Natürlich ist der Blick oftmals emotional verstellt, doch jetzt, da sie ernüchtert war, fragte sie sich schon, wie sie so blind sein hatte können, gegenüber seiner Intoleranz und seiner Präpotenz. War es das wert gewesen, dieser eine Moment des Glücks? Ungefähr vor einem Jahr war es dann, dass sie es nicht mehr aushielt. In ihr verkrampfte sich alles, allein bei dem Gedanken daran, ihn sehen zu müssen. Deshalb nahm sie sich das Recht heraus, ihre Beziehung zu beenden. Natürlich hatte sie ihm so gut wie möglich erklärt, warum sie diesen Schritt tat. Doch egal was sie sagte, welche Argumente sie vorbrachte, er erkannte sie nicht an. Ganz im Gegenteil, er warf ihr Herzlosigkeit, Egoismus und emotionale Verkommenheit vor. Deshalb gab sie es irgendwann auf, brach den Kontakt ab. Es machte keinen Sinn. Was man nicht verstehen will, das versteht man nicht. Immer wieder versuchte er erneut sie herauszufordern, doch sie ließ sich nicht mehr darauf ein. Jedes weitere Wort war Verschwendung. Zunächst hatte sie die E-Mails noch gelesen, doch nun beförderte sie diese nur mehr in den Papierkorb. Es war es nicht wert, immer dieselben Vorwürfe und Vorhaltungen, ohne tatsächlich gehört zu werden. Doch jetzt, konnte es sein, dass er es gewesen war?

Die nächsten zwei Wochen waren geprägt von einer tiefen Unruhe. Immer wieder sah sie sich verstohlen um, ob er nicht doch irgendwo auftauchen würde. Doch es passierte nicht. Endlich fand sie zurück zur Ruhe und vergaß auf den vermeintlichen Vorfall, wie auf einen bösen Traum.

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