novels4u.com

Life is too short for boring stories

Ab und an wird mir vorgeworfen, unterstellt, auch hintergeworfen oder mal kurz attestiert, dass ich lieb bin und brav und bieder und gutbürgerlich. Nun ja, Ist eben so. Keiner kann aus seiner Haut. Es stimmt natürlich insofern, als dass ich bestrebt bin zu vermitteln und all diese schrecklich tugendhaften Dinge. Ein bisschen naiv vielleicht auch. Nicht, dass ich mich umkrempeln wollte, aber ein klein wenig verwegener, das wäre schon was. Da reicht eine neue Frisur alleine nicht aus. Was konnte ich also tun? Engagement – das war es, und so ging ich auf die Straße, nicht um zum nächsten Lebensmittelladen zu gelangen, sondern zum Demonstrieren. Seit 20 Jahren die erste Demo. Ich fühlte mich sowas von kontrovers, und nach einiger Zeit kam ich drauf, bei den Demos zumindest, wo ich war, das waren doch alles ganz normale, nette Leute, die ein gemeinsames Anliegen verband. Friedlich, zuvorkommend, auch bürgerlich. War wieder nichts mit dem Extremismus.

Aber jetzt, jetzt endlich habe ich es geschafft. Ich bin Extremistin. Dabei musste ich gar nicht viel dafür tun, sondern nur eine Meinung haben. Wenn ich das gewusst hätte, echt, ich hätte das schon viel früher gemacht. Und diese Ansicht haben ich einem sehr findigen, fähigen Mann, dem Ex-Nestle-Konzernchef, Peter Brabeck-Lethmathe, zu verdanken. In einem Interview stellte er fest, dass es zwei Sichtweisen über den Umgang mit Wasser gibt:

Die extreme Anschauung von einigen NGOs, die darauf pochen, dass Wasser zu einem öffentlichen Recht erklärt wird. Als Mensch sollte man Recht haben Wasser zu haben.

Ja, und der Meinung bin ich auch. Da ist nichts mehr mit brav, lieb, bürgerlich – nein, ich bin eine Extremistin. Und jetzt schaut nicht so verstört. Ich nehme diesen Standpunkt nicht zurück. Auch wenn uns die Marktwirtschaft etwas anderes erklärt, und diesen gemäßigten Standpunkt vertritt obgenannter Herr:

Andere Seite, Wasser ist ein Lebensmittel, und sollte einen Marktwert haben.

Und so schöpft Nestle fleißig Wasser z.B. in Südafrika. Dann hat zwar die ansässige Bevölkerung kein Wasser mehr, aber das können sie sich ja kaufen. Oder 60 km von Mexiko City entfernt, in einem Gebiet, in dem seit 60 Jahren kein Brunnen mehr gegraben werden darf, weil das Wasser fehlt, doch Nestle entnimmt dort jährlich 1.000.000.000 Liter Trinkwasser. Schließlich dient der Mensch der Wirtschaft und nicht umgekehrt, und deshalb haben wir uns den Marktbedingungen zu unterwerfen. Wann werden wir das endlich kapieren?

Ich jedenfalls bin nicht mehr lieb und brav und bürgerlich, sondern extrem, so extrem, dass ich sage – Leute, kauft keine Nestle-Produkte mehr, helft mit Orang-Utans und Menschen zu schützen. Auch das, diese freie Entscheidung des Konsumenten, Herr Konzernchef, ist eine marktwirtschaftliche Entscheidung. Und ich kann euch sagen, man lebt sehr gut ohne Maggi, Wagner, Kitkat, Beneful, Nescafe uvm. (Eine Gesamtauflistung findet sich hier: http://www.nestle.de/marken/a-z) leben kann. Jeder soll sich seine Meinung selbst bilden. Aber um das zu können, schaut euch das mal an.

Und falls mir wer nicht glaubt, dass der Herr Konzernchef das sagte, hier der Beweis: https://youtu.be/wzlzV7VaqCs

6 Gedanken zu “Juhuu, endlich Extremistin

  1. abenteuer50 sagt:

    Sehr schön geschrieben 😄ich konnte herrlich lachen . Da bin ich wohl auch eine kleine Extremistin
    Liebe Grüße Mona

    Gefällt 1 Person

    1. novels4utoo sagt:

      Na dann, willkommen im Club, liebe Mona! Das freut mich sehr.

      Gefällt 1 Person

  2. Jesska sagt:

    Super 🙂 Danke für’s verbreiten 🙂

    Coca-Cola ist übrigens nicht viel besser.. Und du könntest auch zu Nestle’s Milchpulver Geschichte nachlesen..

    Die beiden Firmen vermeid ich seit 15+ Jahre, damals gab es ziemlich große Boykott-aktionen, zumindest in England, und Nestle hat behauptet, „ihr könnt gerne versuchen uns zu boykottieren, aber wir sind überall“ (iSv, ihr schafft das nicht) was nur noch mehr Leute dazu ermutigt hat, es zu probieren. Es ist wirklich sehr schwierig, vor allem weil immer neue Marken aufgekauft werden und weil sie ihrem Namen nicht drauf schreiben müssen auf Produkte von Firmen wo sie nur Anteile besitzen.. Aber ich versuche es trotzdem und habe seit Jahren nichts bewusst von denen gekauft.

    Ich finde es abartig, dass die überhaupt so was sagen und machen dürfen, ohne riesigen öffentlichen Kritik und UNO/EinzelRegierungs Verbote..

    Gefällt 1 Person

    1. novels4utoo sagt:

      Sehr gerne, und Du hast natürlich vollkommen recht. Coca-Cola schafft es ein wenig mehr aus der Schusslinie zu bleiben, seltsamer Weise, aber mir würden ad hoc auch noch Mars und Unilever, Bayer-Monsanto einfallen, und es gibt noch andere. Ich versuche auch dem so gut es geht aus dem Weg zu gehen, und es würde auch funktionieren, wenn alle Konsumenten das täten, aber sie tun es nicht, warum auch immer. Ein Grund ist, wie Du auch richtig sagst, die Verschleierungstaktik, welche Marken nun wirklich zum Konzern gehören. Danke auch für den Tipp, die Geschichte mit dem Milchpuler gerhört erzählt. Erschreckend ist, dass man es tatsächlich überall auf der Welt bekommt und es auch gekauft wird, auch wenn es für viele Menschen sehr teuer ist.
      „Poltik ist nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.“ Dieter Hildebrandt. Bei all der Lobbyarbeit und den Mitteln, die darin investiert werden, kein Wunder. Ein unerschöpfliches Thema.

      Gefällt mir

      1. Jesska sagt:

        Das schlimmste mit der Milch fand ich, dass es nicht nur schon in den Krankenhäusern und von den Hebammen als besonders toll und gesund und nötig beworben wird, sondern dass man ‚zur Probe‘ genug bekam dass die eigene Produktion zurück ging und man hinterher quasi gezwungen würde, mit dem Zeug weiter zu machen obwohl es dann nicht mehr kostenlos war und obwohl sauberes Trinkwasser nicht unbedingt zur Verfügung stand.. Ich will gar nicht wissen wie viel Schaden sie damit angerichtet haben.. 😦
        Da haben sie tatsächlich die Strategie irgendwann ändern müssen wegen Druck.. Jetzt verkaufen sie’s bloß.. Zumindest theoretisch….

        Gefällt mir

      2. novels4utoo sagt:

        Was ich weiß, waren das als Krankenschwestern verkleidete Produktvertreterinnen, die das den Leuten aufgeschwatzt hat. Und das hatte gravierende Folgen. Viele Babies sind daran gestorben, entweder, weil das Pulver zu sehr gestreckt wurde oder eben wegen dem verseuchten Wasser. Nestle hat geklagt, als NGOs mit einer Broschüre mit dem Titel „Nestle tötet Babies“ darauf hinwies, und Nestle hat den Prozess verloren (https://de.wikipedia.org/wiki/Nestl%C3%A9_t%C3%B6tet_Babys) Sie mussten die Milch-Schwestern abstellen. Jetzt gehen sie halt andere Wege.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: