Positionierung

Bild: Positionierung - Daniela Noitz

Als ich begann, mit meinem Aktivismus, für die Tiere, da dachte ich mir, es wäre eine recht einfache Sache. Alle lieben Tiere. Sagen sie zumindest. Oder fast alle. Es sind mir nur wenige Menschen begegnet, die Tiere gar nicht mögen. Eher noch stehen sie ihnen gleichgültig gegenüber. Es stand für mich fest, es ist ein Einsatz, der unspektakulär ist. Und wenn wir eine Gesellschaft haben, die sich tatsächlich so offensichtlich für Tiere interessiert, ihnen zugesteht, dass sie sich ein gutes Leben verdient haben, dann kann nicht viel sein. Bürgerlicher Aktivismus eben. Unpolitischer Aktivismus, wie ich mir dachte.

Dieser naive Blick blieb nicht lange. Bald schon erkannte ich, es gibt wenige, die tatsächlich ein besseres Leben für Tiere wünschen. Grundsätzlich schon, aber sie nicht mehr essen oder gar nicht mehr einsperren, das kam nun nicht in Frage. Es ging vordergründig um den eigenen Genuss, dem ein Tier zu opfern, nicht schlimm ist. Doch letztlich, wenn es doch nicht notwendig ist, nicht wegen dem Überleben, schon gar nicht für ein gutes Leben für alle und schon gar nicht für die Gemeinschaft, dann kann die Forderung nur lauten: Beendigung aller Tierausnutzung.

Doch selbst wenn alle Menschen dafür wären, so gibt es starke gesellschaftliche Kräfte, die jeden kleinen Fortschritt in diese Richtung sofort zu unterbinden wissen. Dabei handelt es sich um jene, die gut daran verdienen, an der Ausbeutung, der Unterdrückung und der Versklavung. Zumindest der Tiere. Auch der Tiere. Es ist die Industrie, das Kapital, das sich mit allen Mitteln gegen Freiheit und Glück wehrt. Bei Tieren. So erschien es mir. Und so blieb ich dabei, beim Aktivismus für die Tiere. Politisch wollte ich mich offen halten. Wer weiß, wo sich Bündnisse finden.

Doch dann kam die nächste Erkenntnis, dass die, die an der Ausbeutung, der Unterdrückung und der Versklavung der nicht-menschlichen Tiere gut verdienen, es mit den menschlichen Tieren genauso halten. Und auch der Natur. Es sind die mit dem vielen Geld, die Mächtigen, die Einflussreichen. Man kann sie nicht überreden, nicht überzeugen, denn niemand gibt die Vorherrschaft freiwillig auf.

Aktivismus zu betreiben und sich nicht politisch zu positionieren, ist ebenso sinnlos, wie das Meer mit einem Löffel ausschöpfen zu wollen. Es kann nur ein Miteinander geben, bei dem man sich mit Gleichgesinnten findet und gemeinsam für die Befreiung aus Ausbeutung, Unterdrückung und Versklavung kämpft. Eine klare politische Positionierung ist ein notwendiger Schritt, den ich nun getan habe, denn ohne Positionierung bleibt man bloß beliebig.

Sich einzureihen in eine Gruppe von Menschen, die das gleiche Ziel verfolgen, die dieselbe Ausrichtung haben, ist wichtig, um nicht verloren zu gehen, nicht in der Vereinzelung und nicht in den eigenen Illusionen. Eine bessere Welt für viele zu erreichen, auch wenn es nicht in absehbarer Zeit geschieht, kann nur sein, wenn man dies gemeinsam tut und andere dafür gewinnt. Der Gegner ist stark, aber eine geeinte Mehrheit kann auch durch den stärksten Einzelgegner nicht erschüttert werden. An einem Punkt, an dem ich so verunsichert war, dass ich schon aufgeben wollte, fand ich eine politische Heimat. Ich öffnete die Türe und wurde eingelassen, auf- und angenommen. So unterschiedlich die Menschen innerhalb dieser Gemeinschaft auch sind, das Ziel ist dasselbe und wir gehen den Weg, der uns dorthin führt, gemeinsam. Es ist diese Eindeutigkeit, die auch andere Menschen dazu bringen kann, mitzugehen und sich anzuschließen, ebenso die geöffnete Türe zu finden und einzutreten. Es ist ein Angebot und ein Weckruf zugleich.

Aktivismus, der sich nicht positioniert, vergeht in der Bedeutungslosigkeit.
Aktivismus, der sich positioniert und andere mitreißt, kann echte Veränderung bringen.
Und wann positionierst Du Dich?

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2 Kommentare

  1. Gerne, immer wieder.
    Vegan, Stadttauben-Nothilfe, etc.
    Danke! Es tut gut zu wissen, dass noch ein paar mehr Menschen ähnlich denken und handeln!

    1. Das stimmt! Das ist es, was mir Hoffnung schenkt. Menschen, die über Jahre, trotz aller Rückschläge und des immer stärker werdenden Gegenwindes, aufrecht bleiben. Danke!

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