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Life is too short for boring stories

Vom ersten Tag an sterben wir. Nicht metaphorisch, nicht allegorisch, sondern wirklich. Mit jedem Tag, der vergeht, haben wir einen Tag weniger. Jeden Tag ein kleiner Tod. Natürlich, am Anfang, da gibt es noch einen Aufbau, die Illusion eines Werdens. Wie lange? Ein paar Jahre? Eineinhalb Jahrzehnte? Und doch nur Illusion, denn mit jedem Morgen, den wir begrüßen, verabschieden wir einen Tag Leben. Was hast Du gemacht mit diesem Tag? Hast Du ihn gelebt? Hast Du zumindest einmal gelacht, einmal geweint und einen Strich mehr gemacht im Verzeichnis Deiner gelebten und ungelebten Tage? Natürlich, Du kannst ein Verzeichnis machen, in dem Du einfach für jeden Tag einen Strich machst, weil Deine Angst viel zu groß ist vor der Wahrheit. Wie würde Deine Bilanz aussehen, wenn Du auf einer Seite die gelebten und auf der anderen Seite die ungelebten Tage vermerken würdest? Wie groß wäre das Ungleichgewicht? Doch was ist ein gelebter Tag.

Ein Lachen – ein Träne – eine Verwundung – eine Heilung, das ist ein gelebter Tag.

Machen wir uns doch nichts vor, vom ersten Tag an sterben wir. Sollte es uns nicht aufrütteln, los leb, fang endlich an damit, denn morgen ist ein neuer Tag und der heutige? Was ist mit dem Heute? Immer ist irgendein Heute! Nicht besser und schlechter als irgendein anderes, an dem Du leben darfst, immer mehr und mehr, oder immer weniger und weniger. Such es Dir aus. Oder nein, such es Dir nicht aus, tu es einfach, lebe und verlass Dich nicht mehr auf das Morgen. Weißt Du denn, dass es wirklich kommt? Kannst du mit Gewissheit sagen, dass Du noch einmal die Chance bekommst? Verschwendet, verschleudert, verramscht, und von Jahr zu Jahr sieht Deine Bilanz schlechter aus.

Ein Lachen – eine Träne – eine Verwundung – eine Heilung, das ist ein gelebter Tag.

Ich wollte es mit Dir, schon immer, für immer. Weißt Du noch, die Zeit, als die Formel noch aufging, in jenem Damals, als ich mit Dir lachte, und das Leid beweinte, das uns nicht betraf, und Du mit spitzen Nadeln Wunden in mich branntest und mit süßen Küssen heiltest? All die gelebten und längst verebbten Tage. Für jeden habe ich mir einen Strich in den Arm geritzt. Sieh nur! Narbe an Narbe reiht sich, doch sie sind längst verheilt die Wunden. Ganz eng habe ich sie gesetzt, damit der Platz ausreicht, doch er wird schon längst nicht mehr benötigt.

Ein Lachen – eine Träne – eine Verwundung – eine Heilung, das ist ein gelebter Tag.

Zuerst verschwand das Lachen, und nur die Tränen blieben, doch es war nicht mehr das Leid der anderen, sondern das eigene, das ich beweinte. Mit offenen Händen stand ich vor Dir. Lass uns doch einfach Leben, aber wir fanden die Worte nicht mehr. So sehr wir es versuchten, es war nicht mehr dieselbe Sprache, die wir sprachen. So viel Fremdheit, so viel Zweideutigkeit! Was ist passiert? Mit stumpfen Nadeln branntest Du Wunden in mein Herz, doch die heilende Berührung blieb aus. Und Deine Küsse waren bitter geworden. 

Ein Lachen – eine Träne – eine Verwundung – eine Heilung, das ist ein gelebter Tag.

Für Dich schnitt ich mir die Brust auf, legte es frei, mein pulsierendes, trotz allem schlagendes Herz. Das Leben trotzt allem, widersetzt sich dem Nicht-Wollen mit aller Vehemenz. Du solltest es sehen, die blutigen Tränen, die es weinte, wie Du es verletztest, Tag für Tag und die Heilung währtest. Es wäre so einfach gewesen. Es wäre unmöglich gewesen. Mit offenen Händen bot ich mich Dir dar. Hast Du es denn überhaupt gesehen? Du hast Dich abgewandt, verhärtet.

Kein Lachen – nur Tränen – viele Verwundungen – keine Heilung, das ist ein ungelebter Tag.

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