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Life is too short for boring stories

Diese wunderschönen grünen Augen, dieses einschmeichelnde Lächeln. Ich spürte, wie ich versank, in diesen Augen, in diesem Lächeln, und die Welt um mich nicht mehr zu existieren schien.

„Bleib da“, warnte ich mich selbst, „Das ist doch nichts weiter als ein Job.“ Aber schon während ich das dachte wusste ich, dass es bereits zu spät war, dass die Grenzen bereits überschritten waren. Das Schwierigste war nicht zu vergessen, dass es doch nichts weiter als eine Puppe war, aber ach, was für eine perfekte. Das Leben hätte so eine Perfektion niemals hervorbringen können. Noch dazu hatte ich Zeit, Zeit ihn in Ruhe anzusehen, ohne, dass irgendetwas geschehen musste, Zeit den nächsten Schritt vorzubereiten. Auch dieser war in der Anleitung genau beschrieben. Die nächsten Minuten wurden nun darauf verwendet, dass ich ihm meine Geschichte erzählte und ich ihm die Eckdaten seiner Geschichte schenkte. Dann begann er zu erzählen, als hätte er sein Inneres diese zusammengebastelt. Aus wenigen Stichworten, die mir wichtig waren, verwob er, quasi wie von selbst, eine ganze Lebensgeschichte, die nicht unbedingt außergewöhnlich war, aber es war seine, und wieder rutschte ich ein wenig tiefer in ihn, der nun nicht nur äußerliche, sondern auch innerliche Konturen erhielt, und doch er war nur eine Puppe, und wieder wurde es ein wenig schwerer, nicht zu vergessen, was Fiktion und was Realität war.

Während ich ihm meine Geschichte erzählt hatte, hatte er aufmerksam zugehört, so aufmerksam, wie ich es wohl noch nie erlebt hatte. Er stand nicht auf um irgendetwas anderes zu machen, ja er blickte nicht einmal weg. Er war ganz da und bei mir, wie man es sich bei jedem Menschen wünschen würde. Er tat es. Immer wieder schenkte er mir ein Nicken oder ein Lächeln, das sein Mir-Zugewandt-Sein nochmals unterstrich. Jedes Wort, das ich sagte, sog er in sich ein wie ein Schwamm, speicherte es ab, und er vergaß es nicht. Wie sollte es einem unter solchen Umständen gelingen, nicht zu vergessen, dass der, der mir so gut tat, allein durch seine Anwesenheit, nicht echt war.

 

Münze um Münze wanderte so in seinen Schlitz, wobei wir nichts anderes taten als zu reden, die ganze Nacht lang bis zum nächsten Morgen. Dann besann ich mich meines Auftrages und notierte meine Eindrücke so genau wie möglich. Es nahm nicht sehr viel Zeit in Anspruch, doch es erschien mir wie eine Ewigkeit, denn ich wollte weiterreden, immerzu so weiterreden, aber ich entschied mich dann doch dafür schlafen zu gehen, während ich ihn auf die Couch legte. So intim waren wir schließlich noch nicht miteinander. Und was sollte er nur von mir denken, wenn ich ihn gleich in der ersten Nacht in mein Bett holte. Es war mittlerweile offenbar unmöglich, nicht zu vergessen, dass er kein Mensch war.

 

Als ich im Bett lag und wartete, dass mich der Schlaf in seine Arme nahm, wünschte ich mich in die Arme dessen, der nun friedlich und ruhig auf meiner Couch lag, wünschte ich mir dessen Berührung, ein Streicheln, vielleicht einen Kuss, vielleicht, und ein Seufzer, ein kleiner, einsamer Seufzer entrang sich meiner Brust, doch ich war nicht einsam, denn dort draußen, dort lag der Mann meiner Träume, ein Mann wie aus dem Bilderbuch, nur ohne weißes Pferd, aber für das hätte ich sowieso keine Verwendung gehabt, und es war beinahe unmöglich nicht zu vergessen, dass er kein Mann war, keiner wie es sie eben so landläufig gibt.

 

Und als ich am nächsten Morgen aufwachte, da führte mich mein erster Weg zu ihm. Ich weckte ihn sanft mit einer Münze und einem Kuss auf die Wange. Ich setzte mich mit meiner Kaffeetasse neben ihn auf die Couch diesmal. Nur eine Münze, hatte ich mir vorgenommen, und dann wurden es doch drei, bevor ich ihn wieder die Augen schließen ließ, nachdem ich mich von ihm verabschiedet hatte um zur Arbeit zu gehen. Ich hatte die Gewissheit, dass er da sein würde, wenn ich wiederkäme, dass er auf mich wartete, und ich legte mittlerweile keinen Wert mehr darauf nicht zu vergessen … Ja, worauf eigentlich?

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