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Life is too short for boring stories

Versonnen trank er von seinem Bier, während er ihr zuhörte. Und das sollte die Frau sein, von der ein Freund behauptet hatte, sie müsse mal raus, sonst versumpfe sie total zu Hause. Automatisch hatte er daran gedacht, dass sie eine von jenen war, die sich gerade von irgendeinem Kerl getrennt hatte und jetzt alleine zu Hause saß und vor Gram und Jammer über den Verflossenen nicht mehr hinausging. Das passte weder mit dem Bild zusammen, das sie hier bot, noch mit dem, das er bisher von ihr bekommen hatte. Es stimmte schon, sie waren sich bis jetzt nur ein, zwei Mal begegnet und das nur flüchtig. Ein paar Worte gewechselt, irgendwie nebenbei, aber die genügten um ihm eher den Eindruck einer selbständigen, starken Frau zu vermitteln, als das einer, die sich wegen eines Mannes in eine Depression, mit allen damit zusammenhängenden Folgen, reiten ließ. Aber gut, das hatte auch schon ganz andere erwischt.

Eigentlich, so befand er, war er froh, dass sie da war. Ganz gegen alle Erwartung brachte sie Stimmung und Lebensfreude mit, wie sie da so stand, in ihren High Heels, den schwarzen Strümpfen mit der Naht und dem schwarzen, anliegenden Kleid. Immer wieder wanderte sein Blick wie zufällig über ihre Silhouette, bis zu ihren Füßen. Auf ungefähr zehn Zentimeter schätzte er die Bleistiftabsätze. Dennoch reichte sie ihm gerade mal bis zur Nase, wie er bei der Begrüßung feststellen konnte. Schlank, ja fast zart wirkte sie, und dennoch erfüllt von einer unglaublichen Energie. Es war ihm, als müsste sie sich bezähmen. Und ihr Lächeln ließ ihr Gesicht strahlen, vor allem, wenn sie etwas erzählte, was sie begeisterte. Als würde eine ungezähmte Leidenschaft in ihr brennen. „Ob sie die auch beim Sex an den Tag legte?“, fragte er sich unwillkürlich, während er sich vorstellte, dass die Strümpfe mit der Naht, die sie trug, wirklich noch richtige Strümpfe waren, die sie mit einem spitzenbesetzten Strumpfbandgürtel kombiniert hatte. Wahrscheinlich war es anders. Fast sicher war es anders. Bei den Frauen heutzutage musste es schnell gehen. Und praktisch musste es sein. Er stand nicht an zuzugeben, das Strümpfe mit Halter weder schnell zum Anziehen, noch praktisch waren. Sie waren schlicht und ergreifend feminin und erotisch. Und was, zum Teufel noch mal, sollte so schlimm daran sein als Frau feminin und erotisch zu wirken. Es musste ja nicht immer sein. Bei der Arbeit und beim Sport, da konnte er es verstehen. Gerade beim Sport, da sollte es praktisch sein, aber bei anderen Gelegenheiten, da sprach doch nichts dagegen sich einmal anders zu präsentieren. Er war überzeugt davon, dass Frauen, die richtige Strümpfe trugen anders auftraten, sich entsprechend bewegten. Das nährte seine Hoffnung, es könnte tatsächlich so sein.

 

„Wir werden uns verabschieden“, wurde er unvermittelt aus seinen Gedanken gerissen und zurück in die Wirklichkeit. Ein paar Freunde nur hatte er eingeladen, bloß um mal wieder zusammenzukommen. Es passierte leider immer seltener. Zu viel gab es zu tun. Und man wird träge mit dem Alter. Dennoch war es ihm gelungen sie heraus- und herzulocken. Automatisch sah er auf die Uhr. Knapp vor Mitternacht war es. Eigentlich noch relativ früh für einen Samstagabend. Dann wandte er sich wieder ihr zu, die aufmerksam zuhörte, während ihr gemeinsamer Freund nun erzählte. Wahrscheinlich hatte sie ihn ermutigt, denn dieser war sonst nicht gerade redselig. Dabei stellte er fest, dass sie auch zuhören konnte. Und dass sein Bier leer war. Er wollte sich gerade anschicken zum Kühlschrank zu gehen um sich ein neues zu holen, als er sie nochmals ansah. Irgendetwas stimmte nicht, merkte er sofort. Ihre Augenlider flatterten, die Pupillen waren verdreht. Es blieb ihm gerade noch genügend Zeit, einen Schritt nach vorne zu machen um sie aufzufangen, als sie ohnmächtig wurde. Die Flasche zerschellte am Boden. Es spielte keine Rolle. Vorsichtig hatte er sie auf seine Arme genommen, einen unter ihrem Rücken, den anderen knapp oberhalb der Knie platziert, so dass er sie sicher halten konnte. Das Kleid war ein wenig hochgerutscht, so dass seine Hand auf ihren nackten Schenkeln zu liegen kam. Warm und weich fühlte sich ihre Haut an, und ja, sie trug tatsächlich richtige Strümpfe.

2 Antworten auf „Männer sind eben so (Teil 1)

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