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Life is too short for boring stories

Der erste Schluck vom Bier ist immer der beste, war er nach wie vor überzeugt. Ab und an vergaß er darauf es zu genießen. Das war jedoch nicht weiters schlimm, würden dem einen noch genügend andere folgen, wenn nicht heute dann morgen. Den einzigen Unterschied machten die Gründe für seine Unaufmerksamkeit. Diesmal war er aufmerksam. Weihnachten war überstanden. Reibungsloser als erwartet. Vielleicht wurde er mit den Jahren auch einfach milder oder anspruchsloser. So einfach ließ sich das nicht entscheiden. Oder war es ausnahmsweise einmal nicht dem Alter geschuldet, sondern etwas Anderem. Er würde sich keine weiteren Gedanken darübermachen. Er tat was er zu tun sich verpflichtet fühlte, und als er damit fertig war, ging er, weil es keinen Grund gab zu bleiben.

„Das Schönste an Weihnachten ist, es überlebt zu haben“, sinnierte Christian so vor sich hin, während sich sein Glas zusehends leerte. Da öffnete sich die Türe, was nun nicht weiters Ungewöhnlich war, denn es herrschte ein reges Kommen und Gehen, doch diesen Neuankommenden ließ er besondere Aufmerksamkeit zukommen. Martinique mit ihren Freundinnen, schnatternd und aufgeregt wie kleine Gänschen, erschienen sie ihm, als sie zielsicher durch den Raum gingen. Man konnte sie nicht nur reden hören, man sah es auch. Amüsiert beobachtete er, wie sie jede Aussage szenisch untermalten. Mädchen eben. Und er mochte Mädchen, die sich noch wie solche benahmen. Er hatte auch nie verstanden was daran schlecht sein sollte, wenn Mädchen noch wie Mädchen waren und Männer wie Männer. Die einen so, die anderen so. Nicht besser, nicht schlechter. Bloß anders. Alles andere wäre auch ziemlich langweilig gewesen. Erfreut widmete er sich diesem bunten Haufen, und ließ bisweilen seinen Blick auf Martinique ruhen. Wie unbeabsichtigt. Irgendetwas irritierte ihn an ihr. An diesem Tag. Gerade eben. Nicht, dass er sie besonders gut kannte. Mehr als ein paar Worte hatten sie bis jetzt nicht gewechselt. Immer wieder war sie gekommen und auch wieder gegangen. Wie viele andere auch. Es war so. Wenn sie kam, war sie da. Es machte ihm Spaß ein wenig mit ihr zu plaudern. Dann ging sie wieder. Und er dachte nicht mehr weiters nach. So war es bisher gewesen.

 

Christian bestellte sein zweites Bier. Er vergaß auf den ersten Schluck, nicht ihn zu trinken, sondern ihn zu würdigen. Es machte nichts, denn in dem Moment stand Martinique auf. Er sah, nicht ohne ein gewisses Wohlwollen, wie sie ihren Körper straffte und das Kleid, das ein paar Zentimeter über den Knien endete, glattstrich. Unwillkürlich fragte er sich was sie wohl darunter trug. Die hochhackigen Schuhe ließen ihre, von Nylon umhüllten, Beine länger erscheinen. Dass es sich um Nylons handelte war eindeutig, doch nicht welche Sorte. Waren es Strumpfhosen, Strümpfe oder Strapse. Er ließ seinen Blick bis zum Saum des Kleides wandern und überließ den weiteren Weg seiner Phantasie, die ihm enthüllte, was dem Auge unzugänglich blieb. Und während er sich noch mit imaginären Strumpfhaltern verbandelt sah, war sie schnurstracks zur Schank herübergegangen.

 

Kurz hielt sie inne, so dass, wer auch immer im Weg stand, zur Seite treten konnte, um ihr den Durchgang freizugeben und ihr zu ermöglichen, dass sie neben ihm zu stehen kam. Seine Gedanken hatten zurückgefunden und er sah sie an. Schön zu sehen, dass es noch Mädchen gibt, die verschämt den Blick senken, wenn sie einem Mann Aug in Aug gegenüberstehen. Vielleicht ein wenig kokett, aber nicht wirklich aufreizend. Da er nun wirklich große Lust verspürte ihr Strumpfgeheimnis zu lüften, stimmte ihn ihre Reaktion zuversichtlich, als er merkte wie sie ein klein wenig schwankte. Die Hände ballten sich zusammen, als wollten sie nach etwas greifen, um daran Halt zu finden, doch da war nichts. Zu gut kannte er diese Anzeichen einer kommenden Ohnmacht oder zumindest eines Schwindels, als dass er nicht augenblicklich bereit war sie gegebenenfalls aufzufangen. Da sank sie auch schon nieder. Routiniert im Umgang mit dem Boden zustrebenden Damen, streckte er seine Arme derart aus, dass sie darauf zu liegen kam. Warm fühlte sie sich an, aber auch schwerer als gedacht. Entschlossen war sein Griff und überlegt sein Vorgehen, zumal er es nun wusste. Die Hand, die ihren Schenkel berührte, weil das Kleid ein wenig verrutscht war, offenbarte ihm, dass sie unter dem Kleid Strümpfe mit Haltern trug. Anstandslos hatte sie sich fallen und aufheben lassen. Gekonnt gemacht, aber nicht gekonnt genug, dass sie ihn hätte täuschen können. Was sie wohl damit bezweckte, ging es ihm durch den Kopf. Egal, das Spiel begann ihm zu gefallen. So verließ er, mit ihr auf seinen Armen, das Lokal, und trug sie über die Straße zu seinem Haus, das gleich gegenüberlag. Routiniert tippte er den Code an der Eingangstüre ein, so dass er mit seiner charmanten Last das Haus betreten konnte. Kurz blieb er vor dem Spiegel stehen und betrachtete das Bild, das sich ihm bot. Regungslos lag sie in seinen Armen, die sie hielten, abhielten, auch vor den Unbilden der Welt. „Ein schönes Paar“, dachte er kurz, bevor er sie sacht aufs Bett legte.

Einsteigen mit Ohn-macht (1): Weihnachts-Kater

Fortfahren mit Ohn-macht (3): Ausgeliefert

 

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