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Life is too short for boring stories

Der kühle Abendwind verriet Martinique, dass Christian sie nicht nur auf seinen Armen hielt, sondern mit ihr das Lokal verlassen hatte. Es schaukelte leicht, wenn er sie trug, bei jedem Schritt. Dann öffnete sich eine andere Türe und schloss sich hinter ihnen. Ein Raum im Dämmerlicht. Kurz hielt er inne. Sie konnte sich nicht erklären, was er machte. Endlich legte er sie ab. Es fühlte sich an, als hätte er sie auf ein Bett gelegt. Sie wagte nicht die Augen zu öffnen. Auch wenn es kalt um sie wurde, da seine Wärme nicht mehr da war. Seine Arme, sein Körper. Er hatte sie festgehalten, als wollte er sie davor bewahren Schaden zu nehmen. Jetzt war er nicht mehr da, entzog ihr den Halt und die Wärme. Wo er sie wohl hingebracht hatte?

Stille umgab sie, so dass sie davon ausging, dass sie alleine waren, irgendwo, wo ein Bett stand und die Dämmerung Einzug gehalten hatte, mit der ersten Kühle des hervorkeimenden Abends. Ganz allein waren sie, er und sie, so dass sie ihm ausgeliefert war, auf Gedeih und Verderb. Ausgeliefert, wie all jene, die sich nicht wehren können, weil es jemanden gibt, der stärker oder mächtiger ist. Ausgeliefert. Eigentlich konnte er alles mit ihr machen. Hatte sie sich das wirklich gut überlegt? Aber da waren seine Arme, die sie gehalten hatten, die Art, wie er sie getragen hatte. Fürsorge und Achtsamkeit hatte sie gespürt. Konnte sie sich so irren? Gab es etwas wahrhaftigeres als eine Berührung? Irgendetwas sagte ihr, dass ihr nichts passieren konnte, dass sie gut aufgehoben war, dort wo sie war, in diesem Ausgeliefert-sein, bei ihm.

 

Martinique lag still da und lauschte in die Dämmerung. Schritte näherten sich. Sie hörte Atemzüge. Vorsichtig setzte er sich neben sie. Seine Hand legte sich auf ihren Hals. Es bestand kein Zweifel, es war seine Hand, die sie sanft streichelte. Wäre es nun an der Zeit die Augen wieder zu öffnen, zu sich zu kommen? Sie beschloss noch ein wenig damit zu warten. Sie wollte nicht, dass er aufhörte sie zu streicheln, ihren Hals, ihre Schultern, die Arme, bis er endlich ihre Hand in die seine nahm. Schließlich hatte er gerade erst damit begonnen es zu tun, so wie es es zu genießen.

 

Und das Ausgeliefert-sein war ein Anvertrauen, ein Vertrauen-setzen in ihn. Es war einer von jenen Momenten, von denen man wünschte, sie würden nie zu Ende gehen, in denen man sich umfassend gehalten und geborgen fühlt. Und wenn sie vorüber sind, dann nimmt man sie mit. Weil es auch so sein kann, weil es schützt, wenn man sich den Herausforderungen stellt, und auch der Kälte, wie schirmender, wärmender Mantel, wie eine Behausung inmitten einer Welt, die auf Heimat vergessen hat. Es ist nicht wichtig ob es wieder sein wird, was sein wird, sondern nur, dass es ist und, in weiterer Folge, war. Nichts weiter. Es gibt so viele Spielarten und Facetten des Umgangs miteinander, auch darin einander Gutes zu tun. Hände können so zärtlich und fürsorglich sein.

 

War es denn tatsächlich so schwer zu verstehen? Musste es denn immer unnötig kompliziert gemacht werden? Würde es denn nicht reichen den Moment zu leben, den man geschenkt bekommt, einfach so? Den Moment, diesen, als den einzigen, den man leben kann, in dem man sich aufeinander einlassen kann?

 

Zeit zu nehmen, wenn man will, sich vertraut zu machen, sich kennen zu lernen und erkennen zu geben. Ausliefern in die Ungewissheit einer neuen Begegnung. Mit offenen Händen. Ausgeliefert und eingefunden. Es ist immer so. Zu Anfang. Ohne diesen Anfang gäbe es kein Später. Es gilt den Sprung zu wagen, hinein in eine Ungewissheit. In der alles sein kann. Auch Du. Aber wenn man ihn nicht wagt, dann kann nichts werden.

 

Sanft waren seine Hände auf ihrer Haut, die sie doch zuvor noch so kräftig gehalten hatten. Was Hände alles vermögen. Unvermittelt nahm er seine Hand weg, um sie auf ihre Fessel zu legen, von dort aus über die Strümpfe nach oben zu gleiten, bis zum Abschluss, wobei er ihr Kleid ein wenig hinaufschob. Es kitzelte, und sie musste sich sehr zusammenreißen, dass sie nicht loslachte. Er bemerkte es nicht, da er sich auf ihre Schenkel konzentrierte, die ihm ausnehmend gut gefielen, so dass er weiter strich, über den Rand der Strümpfe hinaus, nackte Haut unter den Fingern. Sacht, und dennoch so intensiv, dass sie aufstöhnte und ihr nun wirklich die Sinne schwanden.

Einsteigen mit Ohn-macht (1): Weihnachts-Kater

Fortfahren mit Ohn-macht (4): Anvertraut

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