Vergessen (1)

Bild von NOVELS4U | Daniela Noitz | vegan | Offizielle Webseite | novels4u.com - Daniela Noitz Vergessen
🎬 Start der Serie!

Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!

Früher, als sie jung und hübsch war, haben sie die Menschen beachtet. Männer haben hinter ihr her gepfiffen, was sie allerdings als eher unangenehm empfand. Eines Tages sprach sie einen von ihnen darauf an, in ihrer sanften, verbindenden Art: „Ich würde Sie bitten, das zu lassen“, hatte sie nur gesagt, doch auf diesen Mann wirkte ihre höfliche Bitte weder sanft noch verbindend. Vielmehr war er in seiner Ehre gekränkt. „Hör mal, Du kleines Flitscherl, ihr Frauen putzt Euch ja nur so raus, um uns Männern zu gefallen. Deshalb haben wir auch das Recht, das zu beurteilen. Also führ Dich nicht auf wie ein Rühr-mich-nicht-an, sonst zeig ich Dir, worum Du bitten kannst.“ Sie sah automatisch an sich herunter und wusste nicht, wovon er sprach, denn sie trug bloß ihre ganz normale Alltagskleidung, grau und nichtssagend, aber schmutzabweisend und leicht waschbar. Nicht einmal geschminkt hatte sie sich. Und das ließ die Idee in ihr reifen, dass es ihre Schuld war, egal, was sie machte, ihre Schuld eine Frau zu sein. Deshalb versuchte sie sich noch unscheinbarer, nichtssagender zu machen, indem sie sich unter einem Kopftuch verbarg. Aber es nützte nichts. Dann heiratete sie. Da war jemand da, der sich beschützte vor dem Gesehen-werden. Er war ein guter Mann, auch sein Schutz.

Innerhalb von drei Jahren gebar sie ihm drei Kinder. Da war nicht mehr daran zu denken, arbeiten zu gehen. „Ich verdiene genug und außerdem bin ich ein Mann. Es ist meine Aufgabe für meine Familie zu sorgen“, erklärte er ihr. Und das tat sie auch. Ihre ganze Zeit widmete sie den Kindern, dem Haushalt und ihrem Mann. Sie versuchte allen Aufgaben 100prozentig gerecht zu werden, doch es gelang ihr nicht. Ja, das mit dem Haushalt, die Fürsorge für die Kinder, das war kein Problem. Es machte ihr sogar Spaß, denn die Kinder liebten sie und hingen an ihr, hatten Vertrauen ins Leben und sich selbst gefasst und sich gut entwickelt. Da hatte sie vielleicht doch ein bisschen was richtig gemacht.

Leider konnte sie das von ihrer Ehe nicht behaupten. Die ständige Müdigkeit führte dazu, dass sie sich nicht mehr so für ihren Mann interessierte, wie er das wohl gerne gehabt hätte. „Eigentlich sollte ich Deine erste Priorität sein“, meinte er, „Aber Du interessierst Dich ja nur für die Gschroppn. Und vor allem, schau Dich mal an. Du warst so hübsch, als ich Dich heiratete, und jetzt, jetzt bist Du fett und verquollen und überhaupt schaust Du überhaupt nicht auf Dich.“ Er hatte recht. Die vier Geburten, so knapp hintereinander, hatten deutliche Spuren hinterlassen. Vielleicht hätte sie darauf bestehen sollen, dass sie zumindest so lange Zeit bekam, bis sich ihr Körper gänzlich erholt hatte. Aber davon wollte er nichts wissen. Und jetzt hatte sie es zu tragen, er zu ertragen, auch ihren Anblick, geschweige denn sie anzufassen.

Immer mehr distanzierte er sich von ihr. „Mit Dir kann ich mich doch nirgends anschauen lassen“, meinte er und ging immer öfter alleine weg. Außerdem erhöhte er auch sein Arbeitspensum, so dass er sehr selten zu Hause war. „Mama, wo ist denn der Papa“, fragten die Kinder immer öfter. Sie beschwichtigte die Kleinen. Viel Arbeit habe der Papa. Oder er müsse auch mal was für sich machen. Das waren die Standardsätze, mit denen sie ihn in Schutz nahm. Auch wenn sie es besser wusste. Wissen wäre zu viel gesagt, sie hatte eine Ahnung. Doch die Ahnung wurde nur allzu schnell zur Gewissheit, denn er machte bald kein Hehl mehr aus seinen Liebschaften. Wenn sie sich dagegen zur Wehr setzte, dann meinte er nur lapidar, sie könne ja gehen, mit den Gschroppn. Dann müsste sie aber sehen, wo sie bliebe. Deshalb blieb sie, auch als er begann sie zu schlagen. Sie nahm es hin, wegen der Kinder. Alles nahm sie hin, bis die Kinder groß genug waren, um ihre eigenen Wege zu gehen. Sie blieb alleine zurück. Dann kam der Tag, vor dem sie sich gefürchtet hatte, auch wenn sie genau wusste, dass er unumgänglich war, der Tag der Scheidung. Wo sollte sie nur hin? Was sollte sie noch machen?

Dich interessiert wie es weitergeht? Am Mittwoch, den 13. Mai erscheint der zweite Teil. Abonniere die Seite, dann wirst Du automatisch informiert, wenn eine neue Geschichte erscheint.

Kommentar verfassen

| Ende 🎬

Noch mehr Lesestoff:

Kommentar verfassen