Gute Menschen tun gute Dinge. Deshalb sind sie gute Menschen. Das ist so einfach und lapidar, dass man gar nicht darüber reden braucht, eigentlich. Gute Menschen tun dieselben guten Dinge, die alle anderen guten Menschen tun. Deshalb können sie auch sicher sein, dass sie gute Menschen sind, weil sie dieselben guten Dinge tun, die alle anderen tun. Schließlich ist der Mensch ein Herdentier, auch wenn er meint, über allen anderen Tieren zu stehen. Was auch schon wieder falsch ist, denn wenn ich schreibe, der Mensch steht über allen anderen Tieren, dann impliziert dies, dass der Mensch auch ein Tier ist, was nicht richtig ist, er ist mehr als jedes Tier. Er ist eben ein Mensch. Und was schert uns die Biologie.
Der Mensch ist schon deshalb was Besonderes und kann nicht ein Tier unter allen anderen sein, weil er nicht dem Kreislauf des Lebens unterworfen ist. Durch all seine tollen Erfindungen nahm er sich heraus und machte sich zum Herrscher über alles, was da kreucht und fleucht, wächst und gedeiht und sagte, das ist alles meins. Damit das auch so richtig fundiert ist, schrieb er es in ein Buch und propagierte es als die absolute Wahrheit, die dann verbreitet wurde und alle, die nicht einverstanden waren, wurden kurzerhand einen Kopf kürzer gemacht. So einfach war das damals. Dann blieben nur mehr die übrig, die es glaubten oder zum größten Teil, denn die, die skeptisch blieben, wagten nicht mehr es zu sagen. Und weil das dort steht, der Mensch das auch kann, bleibt es unwidersprochen, bis auf ein paar Spinner, die aber eine Minderheit bleiben, denn die Mehrheit der guten Menschen können sich durchsetzen. Sie werden zu Politiker*innen, Unternehmer*innen ohne Skrupel und Verantwortungsbewusstsein, Richter*innen, mit einem Wort, sie nehmen die Plätze ein, die die Macht bündeln. Da ist es nicht schwer, die hegemoniale Meinung zu machen. Und all jene, die sich versprechen, dass sie dafür belohnt, werden von den Reichen und Mächtigen, die reden ihnen nach dem Mund, bis sie es selbst glauben. Es gibt also zwei Kategorien von guten Menschen. Diejenigen, die durch ihre Position vorgeben, was gut ist und das ist das, was für sie und ihre Klasse das Beste ist. Und diejenigen, die meinen, wenn sie es nachplappern und ansonsten brav ruhig sind, egal wie falsch das ist, was geschieht, dann werden sie auch eines Tages reich und mächtig sein. Das ist die private Reservearmee derer, die den Reichtum und die Macht haben. Sie brauchen nichts dafür zu zahlen, nur in Aussicht stellen. Diese Reservearmee ist gerne bereit, sich für die Obrigkeiten und Autoritäten in die Bresche zu werfen. Es geschieht also ganz von selbst. Dann wird ihnen ein Brosamen zugeworfen und bestätigt, man ist ein guter Mensch.
Dabei ist der Mensch, indem er sich aus dem natürlichen Kreislauf herausgenommen hat, nicht der Herrscher, sondern das einzige Lebewesen, das weder Platz noch Funktion hat. Das wäre grundsätzlich auch kein Problem, denn das Leben an sich ist wertvoll. Grundsätzlich, wenn der Mensch sich nicht selbst so überheben würde, dass er entscheidet, welche Lebewesen er wie behandelt. Er, der nicht nur für nichts gut ist, ganz im Gegenteil, alles zerstört, was ihm unterkommt, hat die Dreistigkeit, anderen Nutzen oder Nutzlosigkeit zuzuschreiben. Das Kriterium ist seine Sicht der Dinge, sein Nutzen. So hat er keine Skrupel, manche unserer Mitgeschöpfe zu seinem Eigentum zu machen, mit dem er tun und lassen kann, was er will. Künstlich fortpflanzen, einpferchen, schlagen, treten, misshandeln, ausbeuten und massakrieren. Die nennt der dann „Nutztiere“ und deshalb dürfen sie leben, weil er gnädig ist. Und ein guter Mensch tut gute Dinge. Wie wir wissen. Und weil ihm alles gehört, meint er auch, andere Lebewesen töten zu dürfen, weil sie ihn stören oder weil es nett ist, sie zu töten. Ja, ich rede von jenen, die im grünen Loden mit der Büchse unsere heimischen Wälder und Felder unsicher machen. Sie dürfen das, weil es sich zumeist um Menschen handelt, die über die entsprechende Macht verfügen. Womit sich der Kreis wieder schließt, der Kreis, den sich der Mensch für sich selbst konstruiert hat.
Und die, die sagen, dass Leben nicht angetastet, nicht als Eigentum gesehen werden darf, die sind nicht gut, weil sie nicht die meisten sind. Deshalb darf man sie auch ausgrenzen. Denn das widerspricht der Meinung der meisten, die doch gute Menschen sind.

