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Life is too short for boring stories

Walda und Waldo, die beiden Kleinsten der Wolpertingerfamilie, sprangen voller Lebensfreude auf ihren Betten herum. Schließlich sind Wolpertingerkinder auch nicht anders als Menschenkinder, sie sehen höchstens ein wenig anders aus. Oma Waldburg kam in ihre Höhle und sah sich das Schauspiel eine Zeitlang an, denn sie hatte Freude zu sehen, wie übermütig und froh ihre Enkelkinder waren. Endlich gab sie sich einen Ruck und ging zu ihnen hinüber. Schließlich hatte sie eine Aufgabe zu erfüllen, die leider miteinschloss, die beiden Hüpfer dazu zu bewegen, mit ihrem Spiel aufzuhören und sich ins Bett zu begeben.

„Walda, Waldo“, sagte die Oma und versuchte ihre Stimme so ernst wie möglich klingen zu lassen, „Ihr wisst, es ist Zeit für Euch ins Bett zu gehen.“ „Noch ein paar Minuten, bitte Oma“, flehte Walda. „Es ist doch noch so früh“, schloss sich Waldo seiner Schwester an, aber die Oma ließ sich nicht erweichen, machte ihnen aber einen Vorschlag. „Wenn Ihr jetzt brav und artig unter die Decke schlüpft, dann bin ich vielleicht dazu bereit, Euch eine Geschichte zu erzählen. „Eine Geschichte!“, echoten die beiden Kinder, „Ja, bitte!“ Sofort lagen sie unter der Decke und harrten der Dinge, die da kommen mochten. „Gibt es eine Geschichte, die ihr besonders gerne hören würdet?“, fragte die Oma, nachdem sie sich zu ihnen gesetzt hatte. „Die Geschichte, wie wir in diesen wunderschönen Wald kamen, in dem wir nie mehr Angst haben müssen“, bat Walda. „Ja, und wo wir immer ein zu Hause haben“, pflichtete Waldo seiner Schwester bei. „Diese Geschichte erzähle ich besonders gerne“, meinte Oma Waldburg, „Denn wer weiß was passiert wäre, wäre es anders gekommen. Aber es ist so gekommen. Davon werde ich Euch jetzt erzählen.

Vor vielen, vielen Jahren wohnten wir in unterirdischen Höhlen, so wie diesen hier, allerdings in einem viel kleinerem Wald, der ganz nahe bei einem schmucken Ort lag, in dem Menschen wohnten. Zuerst hatten die Menschen und die Wolpertinger ein gutes Einvernehmen miteinander, denn die Menschen wussten, solange wir in dem Wald wohnten, würde kein Unglück geschehen. Es waren arme, aber gute Menschen, die sich die Früchte des Waldes holten, aber immer nur so viele, wie sie brauchten, so dass für die Tiere, die darin lebten, auch noch genug blieb. Es war ein gutes, angenehmes Miteinander. Und wir dachten, dass es immer so bleiben würde. Doch eines Tages kam ein Adeliger, also ein Mensch, der viel mehr durfte als andere Menschen. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, aber dieser wollte unbedingt einen von uns jagen und dann ausgestopft neben seinen Kamin stellen. Diese schlimme Botschaft brachte einer von uns in den Bau, nachdem er sie vernommen hatte. Es wurde lange darüber beraten, wie vorzugehen wäre. Wir wollten nicht weg, aber natürlich auch nicht sterben. Deshalb wurde beschlossen, zwar den Wald nicht zu verlassen, aber von nun an, jeglichen menschlichen Kontakt zu meiden. Nachdem es diesem Menschen, der sich adelig nannte, nicht gelang, einen von uns zu fangen, zog er weiter und machte wohl woanders die Gegend unsicher. Wir waren auf jeden Fall sehr erleichtert, aber ganz trauten wir den Menschen nicht mehr, auch wenn wir sie immer beobachtetet, brachen wir jeden Kontakt ab. Doch eines Tages geschah es, dass ein Mädchen auf der Suche nach Beeren durch den Wald streifte. Es gab in diesem Jahr so viele, dass sie beim Sammeln und Naschen die Zeit vergaß und plötzlich erkennen musste, dass es stockfinster geworden war. Ängstlich tastete sie sich vorwärts, bis sie über eine Wurzel stolperte und sich den Knöchel verstauchte, so dass sie nicht mehr weitergehen konnte. Es war bereits sehr kalt in dieser Nacht, so dass wir uns kurzerhand entschlossen, sie bis zum nächsten Haus zu bringen. Alle packten mit an und tatsächlich gelang es uns, das Mädchen bis vor die Türe eines der Häuser im Ort zu tragen. Dann klopften wir noch an, denn es war mittlerweile sehr spät. Erst als wir sahen, dass das Licht anging, versteckten wir uns hinter einem Strauch. Von dort aus beobachteten wir, wie das Mädchen in das Haus gebracht wurde. Sie war in Sicherheit und wir konnten getrost wieder nach Hause gehen.“ „Aber was hat das Mädchen erzählt, ich meine, wer sie gerettet hat?“, fragte Walda ihre Oma. „Ich denke, sie hat die Wahrheit erzählt, aber niemand wird ihr geglaubt haben.“ „Und was hat das jetzt mit unserer Rettung zu tun?“, meinte nun Waldo. „Geduld, Du wirst es gleich erfahren“, antwortete Oma Waldburg, um dann fortzufahren.

Lesestoff für Liebhaber*innen von Mystischem und Skurrilem

Schattenraben

Anonym

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