Das stille Örtchen

Bild: Das stille Örtchen - Daniela Noitz

Welttoilettentag

Heute ist Welttoilettentag. Ich sehe schon, wie einige grinsen, weil das urlustig ist, ein eigener Welttag für das stille Örtchen. Andere wiederum – und das ist sicherlich die Mehrheit – werden sich mokieren, wozu denn schon wieder ein Welttag und ob wir denn keine anderen Probleme hätten. Nun, ehrlich gesagt, es gibt auch andere Probleme, aber auch bei diesem handelt es sich um ein sehr ernstes, aber das erkennt man nur, wenn man sich aus der westlichen Dekadenz wegzudenken vermag, in Länder, in denen es keine oder zu wenig Toiletten gibt. Nun gut, dann sollen die doch in den Busch gehen oder in den Wald. Das hat bei uns schließlich auch über Jahrtausende funktioniert. Nicht nur, dass diese Aussage von jemandem, der höchstens fünf Schritte zur Bedürfnisverrichtungsräumlichkeit zu gehen hat und noch dazu mit genügend Wasser zum Wegspülen der Grässlichkeit verfügt, von ungeheurer Präpotenz zeugt, so werden die Probleme von Millionen Menschen dieser Welt negiert. Aber ich bin mir sicher, es gibt auch jene, die wissen wollen, worum es geht.

Der Welttoilettentag, den es seit 2001 gibt, wurde von der Welttoilettenorganisation, einer Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Singapur, ins Leben gerufen. Diese NGO hat sich der Aufgabe verschrieben, die weltweite Sanitärversorgung zu verbessern. Seit 2013 wird dieser Tag auch von den Vereinten Nationen anerkannt und findet immer am 19. November statt.

Bei diesem Anliegen geht es einerseits um Hygiene, aber auch um Sicherheit. Offen liegende Fäkalien bergen die Gefahr übertragbarer Krankheiten und der Verseuchung des Trinkwassers, gerade in Ländern, in denen sauberes Wasser knapp ist und Wasseraufbereitung nicht möglich. Jeden Tag sterben 2.000 Kinder unter fünf Jahren, nein nicht an Hunger oder im Krieg, sondern an Durchfallerkrankungen. 2.500.000.000 Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberen Toiletten. 1.000.000.000 Menschen müssen ihre Notdurft im Freien verrichten. Wenn es an Toiletten mangelt, dann auch an sauberem Trinkwasser. Die Folge sind verheerende Krankheiten wie Cholera, Typhus, Hepatitis, Polio, Durchfallerkrankungen, Wurmbefall etc., die sich rasch verbreiten. Auch das Ebola-Virus, das durch menschliche Sekrete übertragen wird, lässt sich schwerer bekämpfen. In Indien ist fast die Hälfte der Menschen dazu gezwungen, ihre Notdurft im Freien zu verrichten. Neben dem hygienischen Problem, bedeutet es für Frauen und Mädchen auch ein Sicherheitsproblem, denn in diesen intimen Momenten kommt es zu vielen Vergewaltigungen. Außerdem ist es ein großes Problem für Menstruierende, denn wer im Freien sein Geschäft verrichten muss, hat keine Möglichkeit, sich zu waschen.

Also nein, der Welttoilettentag ist weder ein Spaßtag, noch weniger ist sein Anliegen nebensächlich, sondern vielmehr von essentieller Bedeutung. Dabei sind die Toiletten erst der Anfang für eine verbesserte Hygiene und die Verringerung ansteckender, potentiell tödlicher Krankheiten. Doch die Fäkalien müssen auch sachgemäß entsorgt werden. Propagiert werden alternative Entsorgungssysteme. Weder das in der dritten Welt oft angewandte Prinzip der Sickergruben, noch das System der zentralen Abwasseraufbereitung, wie es aus den Industrieländern bekannt ist, bieten adäquate Lösungen. Denn beim Einsatz von Sickergruben wird das Grundwasser gefährdet. Zentrale Kläranlagen benötigen unverhältnismäßig viel Frischwasser. Demgegenüber sollte auf ökologische, kreislauforientierte Sanitärsysteme gesetzt werden, die sowohl Wasser sparen als auch die in den Fäkalien enthaltenden Nährstoffe als Düngemittel verwendbar machen. Ecosan, eine Abkürzung, die für ecological sanitation steht, stellt ein solches Verfahren dar, bei dem Sanitärversorgung und Abwasserbewirtschaftung zusammengefasst sind.

Toiletten in abschließbaren Räumen können Menschenleben retten. Deshalb ist es wichtig, sich darauf zu besinnen, in welchem Luxus wir leben, aber auch, dass es viele Menschen gibt, die nicht einmal diese grundlegenden sanitären Einrichtungen haben.

Quelle: http://www.welttoilettentag.de

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