Antifa verbieten

Bild: Antifa verbieten - Daniela Noitz

„Es ist ein großer Tag in der Geschichte der Demokratie in Österreich“, erklärt der Mann, der sich in Österreich zu Ober-Demokraten und Über-Schützer selbst ernannt hat, die sog. Linksextremismussprecher einer konservativen Partei, die mit Besorgnis die politische Entwicklung im Heimatland beobachtet, weg von einem dollfußhuldigenden, schweinsbratenfressenden, weintrinkenden und reichstreuen Land zu einem linksversifften, woken und klimaschützenden anarchistischen Haufen. „Ja, wir müssen dringend gegen die radikale Linke vorgehen, die unsere Gemeinschaft zerstört, indem sie die Frechheit hat, Minderheiten zu schützen, Behinderten und anderen Subjekten dieselben Lebensrechten die aufrechten reckenden Recken zuzusprechen, die Gerechtigkeit statt Willkür fordern und dazu noch gewaltlos gegen uns vorgehen, wir die Demokraten.“ Er muss kurz Luft holen, um sich zu sammeln und seine Worte wirken zu lassen. Dann fährt er fort.

„Wir müssen das Geschwür aus Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, die sich, gleich einem zähen, invasivem Unkraut ausbreitet, endlich vom Antlitz der heimatlichen Erde vertilgen. Was wir brauchen ist nicht Gleichheit, sondern Unterdrückung und Diskriminierung. Da weiß man genau, gegen wen man sein muss und hinterfragt nicht die eigene miese Lebenssituation, denn die besteht, so lange es diese Untermenschen gibt. Die Liste derer ist lang und bis die abgearbeitet ist, merkt keiner, dass wir eigentlich nichts für die Leute machen, außer sie aufzuhussen. Aber nun zum Wesentlichen: Wir werden heute, alle gemeinsam, das Horst-Wessel-Lied summend, bitte nicht singend, weil da sind diese Gutmenschen sehr empfindlich, bitte auch ohne die Symbole, die sie absurder Weise verboten haben. Ich spreche von gewissen Kreuzen, Zahlensymbolen, Flaggen etc., denn wir sind hier die Guten, was auch die Exekutive beweist, die geschlossen hinter uns steht und den linken, anarchistischen Pöbel endlich aus der Welt schaffen will. Was passiert, wenn man diesen Anfängen nicht wehrt, kann man sehr gut an den Vorkommnissen im Oktober 1917 sehen. Dann ergreifen diese linken Falotten die Macht und richten alle zugrunde.“ Fährt er fort, nur um unterbrochen zu werden.
„Und wo greifen wir die linke Brut an?“, fragt ein Sympathisant, der einen Schlagstock schwingt und dabei völlig unabsichtlich einen arglosen Passanten niederstreckt. Zumindest tut er so, als wäre er arglos. Die Wahrheit ist eine andere, denn er trägt einen orangen Pullover und eine lilane Hose, was schon fast eine Regenbogenfahne ergibt, die bekanntlich unsere Kinder allesamt schwul werden lässt.
„Wir greifen sie dort an, wo sie zu Hause ist, in der Zentrale der Antifa“, erwidert der Sprecher und Führer der gewaltbereiten Menge, „In dieser Zentrale, da werden die Mitgliesausweise gedruckt. Antifa, das heißt Antifaschistische Aktion, also eine Aktion, die dagegen ist und tatsächlich etwas gegen Faschismus hat. Zwei Organisationen, die offen mit diesen sympathisieren, das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, wobei der Name auch Programm ist, ein mit vielen Scheinen Steuergeld unterstützter Haufen von Gedächtnispupsern, die das Andenken an die Widerstandskämpfer aufrecht hält. Doch was war der Widerstand in der glorreichen Zeit? Er war Verrat, Verrat an Volk und Vaterland. Daran sieht man, wofür auch die Antifa steht, für Verrat an Menschen, Vaterland und Muttersprache. Die zweite Organisation ist das sog. Mauthausen Komitee, was auch sehr gut ins Bild passt, denn diese Menschen achten darauf, dass die ganze KZ-Lüge nicht in sich zusammenfällt und verteidigen sie, wenn es sein muss, bis aufs Blut. Diese beiden werden aber dennoch scharf bewacht und sie sind auch nur Antifa-Sympathisanten. Das eigentliche Problem ist die Organisation Antifa selbst, die bereits von Trump als eindeutig terroristische Vereinigung eingestuft wurde. Ebenso soll das in vielen anderen Ländern passieren. Es ist allerhöchste Zeit. Nachdem dies von einer der klügsten Köpfe erklärt wurde, der wiederum einem Attentat, einem sehr perfiden Rolltreppen-Attentat, entgangen ist, um Haaresbreite und sprichwörtlich im letzten Moment, jedenfalls hat er erklärt, der Terror kommt von links. Deshalb gehen wir nun zur Antifa-Zentrale und werden dort alles vernichten, bis auch der letzte gespitzte Bleistift stumpf ist. Folgt mir!“

Und damit zogen sie los, die braven Familienväter, die fleißigen Österreicher, die tapferen Hasser von allem was nicht in ihr Weltbild passt, zogen los, um die Zentrale der Antifa zu stürmen. Leider gab es eine solche nie und wird es auch nicht geben, weil jeder Mensch antifaschistisch ist, der nicht faschistisch ist. Das konnten die treuen Anhänger derer, die Angst haben, der Faschismus könnte ernsthaft Schaden nehmen, nicht verstehen und nicht glauben, was dazu führte, dass sie wie Ameisen unermüdlich im Kreis gingen auf der falschen Pheromonspur. Und wenn sie der Wirt nicht eingesammelt hat, dann marschieren sie noch heute.

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