Christliche Werte?

Christliche Werte? – Alle Geschichten

Der Stephansdom in Wien, Wahrzeichen, Pilgerstätte unzähliger Tourist*innen und ab und an auch mal als das genutzt, was er sein soll, eine Kirche, in der religiöse Riten vollzogen werden, in dem speziellen Fall, katholische. Natürlich neben dem Shop, in dem man religiöses Zeug gegen Monetäres erstehen und mit nach Hause nehmen kann. Was hat nochmals Jesus mit den Händlern im Tempel gemacht? Er hat sie rausgeschmissen? Nein, das kann man nicht vergleichen, denn die Händler kamen ja nicht vom Tempel. Das waren quasi Auswärtige. Wenn aber die Kirche in der Kirche schachert, dann ist das in Ordnung, nicht zuletzt, weil die Kirche kein Geld hat und all die armen Menschen, die in diese involviert sind, quasi von der Hand in den Mund leben. Deshalb muss jede Möglichkeit wahrgenommen werden, um Geld zu verdienen.

Eine dieser Möglichkeiten besteht darin, dass man den KFC, wir kennen ihn alle, den Verband „Kein Funken Christlichkeit“, der aber über viel Geld verdient und die Schöpfung, die angeblich geschützt werden soll, nachhaltig ruiniert. Abgesehen vom Tierleid. Doch wie sehr müssten denn die Tiere erst leiden, wenn es keine Christen und vor allem keine Kirchen gäbe. Grundsätzlich würde sich an der Situation für die Hühner nur ändern, dass es keine Menschen mehr gäbe, denen mit Hilfe der Bibel eingebläut würde, sie müssten die Schöpfung doch beherrschen, die gottlose Kreatur unterwerfen und so viele von ihnen fressen wie nur möglich. Aber nein, das sagen wir nicht laut. Wir sagen lieber, ihr Wiener und Wienerinnen, was wäre doch die schöne Stadt ohne Stephansdom, Votivkirche, Karlskirche und wie sie alle heißen. Diese zu erhalten kostet ein Vermögen und das wird der armen katholischen Kirche, die nicht einmal mehr Einfluss auf den Staat nehmen darf, zumindest nicht offiziell, auf die schmalen Schultern gehievt. Natürlich gibt es nach wie vor gute Beziehungen zu Obrigkeit und Obrigstkeit, mit denen der gute Dompfarrer des Stephansdomes die gepflegte Jagd pflegt. Also den geplanten, unreflektierten, selbstverständlich religiös sanktionierten Mord an unschuldigen Tieren. Zum Vergnügen. Deshalb können wir uns auch guten Gewissens die Hühnerflügel bei KFC reinhauen, weil die hat ja nicht der liebe Gott geschaffen, sondern der Mensch in der dekadenten Ausformung eines Vogels, der so schnell wächst, dass der eigene Körper von seinem eigenen Wachstum erdrückt wird. Was auch nicht weiters schlimm ist, weil bevor dieses Hühnchen auch unter diesen widerwärtigen Umständen den letzten Schnaufer tun kann, wird es bereits geköpft. Lange vorher. Mindestens 14 Tage vorher. Oder so. Den Rest der Schöpfung achten wir schon. Zumal, indem wir unseren Auftrag ernst nehmen, macht Euch die Erde untertan. Ach im Original steht nicht untertan, sondern behüten? Gott vertraute uns nach dieser komischen Version die Erde an, um sie nicht zu zerstören. Also ehrlich, wen interessiert das schon. Wir haben schließlich unsere eigene Übersetzung, die sich der Lebenswirklichkeit eines guten Christen besser anpasst, als diese alte, überholte Version. Wir haben die Einheizübersetzung. Und wer sich an Gottes vielfältigen Tierpark verlustieren möchte, der besuche doch den nächsten Zoo, in dem Tiere natürlich nicht leiden und nicht gequält werden und nicht eingesperrt werden. Nein, das wird alles ganz falsch gesehen. Die armen Tierchen, die alle innerhalb und außerhalb der Zoos so lieben, werden dem brutalen Kampf in der Freiheit enthoben, werden gefüttert und haben überhaupt ein Leben wie Gott in Frankreich, also kurz vor der Guillotinierung, aber das nehmen wir nicht so genau. Und wenn dann schon mal eines oder zwei oder hundert, ganz egal, getötet werden müssen, dann geschieht das sauber, ordentlich und gewaltfrei. Ja, ihr werdet es nicht glauben, töten ist gewaltfrei nötig. Es kommt nur darauf an, wie es geschieht. So eine kleine Todesspritze, das ist doch gewaltfrei. Nur ein Pickser, aber selbst wenn nicht, seht nur in die Natur, wie grausam die ist. Wir schützen die Tiere vor den Grauen der Freiheit. Wir schützen die Menschen vor dem Grauen des eigenen Denkens. Wir schützen die Kirche vor dem monetären Zusammenbruch, indem wir mit Unternehmen zusammenarbeiten, die die Schöpfung in ihrem Tun genauso achten wie die Kirche. Wir schützen die Natur, indem wir uns mordend einmischen. Also, wenn das keine christlichen Werte sind, dann gibt es keine mehr.

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