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Life is too short for boring stories

So tönt Claus Hipp in der Werbung. Und das ist ausnahmsweise ein Satz, den ich einfach nur abnicken kann. Die Natur hat sich was gedacht bei dem was sie tut. Die Muttermilch ist genau auf die Bedürfnisse der Säuglinge abgestimmt, je nach Entwicklungsstand. Sie ist immer verfügbar und sogar gleich richtig temperiert. Dazu kommt noch die besonders enge Bindung zwischen Mutter und Kind. Ich habe diese Zeit sehr genossen, denn ich konnte mit meinem Kind unternehmen was ich wollte, ich brauchte mir über das Essen keine Sorgen zu machen. Natürlich, praktisch, gut, ausgewogen, eigentlich ideal. Stillen ist darüber hinaus der effektivste Weg die Gesundheit des Säuglings zu stärken. Würden alle Mütter, die stillen könnten, das auch tun, wäre das ein kostenloser Beitrag zur Stärkung des Gesundheitssystems. So wunderbar das alles klingt, so gibt es doch jemanden, der ein Problem damit hat, und das ist die Industrie, die Muttermilch“ersatzprodukte“ herstellt.

Erste Umsatzeinbußen waren bereits in den 60er Jahren zu verzeichnen, da die Geburten in Europa zurückgingen Es war an der Zeit, neue Märkte zu entdecken, und man entdeckte sie in den Entwicklungsländern. Hier zeichnete sich Nestle wieder aus, indem Frauen in die Geburtsklinken geschickt wurden, die wie Krankenschwestern gekleidet waren und auch wie solche agierten, aber nichts weiter als Verkaufsgehilfinnen waren. Die Mütter wurden animiert abzustillen und stattdessen auf die Milchersatznahrung umzusteigen. Viele taten es. Waren doch die ersten Proben umsonst. Doch das böse Erwachen folgte. Nicht nur, dass die Ersatzprodukte sehr teuer sind, sie sind auch noch mit Wasser anzurühren. Sauberes Wasser zu bekommen ist aber gerade in vielen dieser Regionen nicht möglich. In der Folge starben Tausende Babys an Infektionen durch das unsaubere Wasser. „Nestle tötet Babys“ war damals eine Kampagne – und auch wenn Nestle klagte, mussten sie doch ihre unsauberen Methoden einstellen. Auch die WHO reagierte und verfasste einen „Kodex zur Vermarktung“ von Muttermilchersatzprodukten“ (1981), der Werbung und Werbegeschenke für Muttermilchersatzprodukte und Gratisproben verbietet.

 

Auch wenn die großen Konzerne den Kodex annahmen, wird munter weitergemacht. Und um gleich zur „Ehrenrettung“ der Fa. Nestle beizutragen, sie sind nicht die einzigen im schmutzigen Geschäft um die Unterernährung. Immer noch sterben jährlich rd. 1. Mio. Babys an den Folgen der Fütterung mittels Ersatznahrung. So ist z.B. die Stillrate auf den Philippinen bei 36% und Nestle Ersatzprodukte sind allgegenwärtig. Immerhin geht es um einen Umsatz von rd. € 1 Mrd.

 

Vielleicht gibt es keinen direkten Kolonialismus mehr, aber auf jeden Fall einen indirekten, bei dem eines ausgenutzt wird: Der Wille für sein Kind das Beste zu tun. Dabei gehen Eltern bis an die Grenzen der Belastbarkeit, auch der finanziellen, denn die Babynahrung verschlingt bis zu 50% des monatlichen Einkommens. Auch wenn sich die Konzerne an den Kodex halten – von Kopfprämien ist davon keine Rede. Und die werden munter bezahlt, an medizinisches Personal, für jede Mutter, die sich bereit erklärt abzustillen. Es ist natürlich unglaublich perfide, aber kein Verstoß. Und wer will schon die Frage endgültig beantworten, wo die Information aufhört und Werbung beginnt. Und Informationen wird man wohl noch weitergeben dürfen. Natürlich, vor allem zu einem der natürlichsten Themen der Welt, von der Mütter ohne Aufklärung keine Ahnung hätten, oder Großmütter, oder überhaupt irgendwer. Da stellt sich doch die Frage, wie konnte die Menschheit so lange überleben?

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