Früher nannte man sie Gnadenhöfe. Weil die Menschen, die diese Höfe betrieben, so voller Gnade waren, so abgehoben und übermächtig, dass sie der armen, geschändeten, entrechteten Kreatur die Gnade zu teil werden ließen, sie aufzunehmen und sich um sie zu kümmern. Das gefiel aber den Betreiber*innen nicht, vor allem eines Ankunfts- und Bleibortes wie Hof Sonnenweide. Sie verleihen keine Gnade, willkürlich oder auch willfährig, sondern wir nehmen nicht-menschliche Mitgeschöpfe auf, um mit ihnen zu leben und unsere Verpflichtung, die wir übernommen haben, für sie zu sorgen, sei es mit Platz, Futter, ärztlicher Versorgung, Gesellschaft oder auch nur Ruhe, je nachdem wie das Mitgeschöpf es möchte. Es soll keine Gnade sein, keine Rettung, sondern ein Miteinander. Und genau das spürt man sofort, wenn man zum Hof kommt.
Es ist die Ruhe, die Ausgeglichenheit und die Gewissheit, bleiben zu können bis zuletzt. Nicht allein zu sein und dennoch das Leben in größtmöglicher Freiheit zu gestalten, so weit es für nicht-menschliche Geschöpfe, die in menschlicher Obhut sind, irgend möglich ist. Und auch ich kam zur Ruhe, was mir selten gelingt. Einfach da zu sein und zu schauen, in der Natur, in einer Art, in der niemand mehr will, als er hat, nicht mehr nimmt, als er braucht.
Es ist ein Ort des Miteinander, des Aufeinander-Zu. Nein, die Tiere, egal ob Schwein, Pferd, Pute, Esel, Rind, Ziege, Huhn, Ente, Gans, Taube oder Nandu – ja, all diese Spezies finden sich hier in trautem Miteinander, rund 150 Individuen – sind nicht gestresst, wenn Menschen kommen, wie z.B. zum Patentag. Denn sie sind Menschen gewohnt, haben Umgang mit ihnen und können darauf vertrauen, dass diese Angehörigen der menschlichen Spezies ihnen kein Leid antun. Und falls sie tatsächlich keinen Menschen sehen möchten, haben sie die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, wann immer sie wollen.
Es ist ein Ort, an dem das Wohlfühlen der nicht-menschlichen Mitgeschöpfe an erster Stelle steht. Deshalb ist es nicht nur legitim, sondern angeraten, sich an gewisse Umgangsformen zu halten. Schließlich ist es für uns auch selbstverständlich, oder zumindest für empathische, rücksichtsvolle Exemplare, die es sogar unter Menschen gibt, sich im Umgang miteinander respektvoll zu verhalten. Nichts anderes gilt auch im Umgang mit allen anderen Spezies. Anzunehmen, wenn das Tier auf einen zukommt, gestreichelt oder liebkost werden will, anzunehmen, dass es das nicht will. Es ist uns nichts schuldig, sondern es darf sein. So setzte ich mich auf die Wiese und war da. Die, die kommen wollten, vielleicht sogar neugierig waren, wer denn da herumsitzt, anzunehmen. Die, denen es völlig egal war, ebenso.
Natürlich besuchte ich auch mein Patenkind. Ich muss Euch ganz ehrlich sagen, sich für ein Patenkind zu entscheiden ist verdammt schwer. Alle diese Tiere haben ihre eigene Persönlichkeit und sind liebenswert. Dennoch musste ich mich entscheiden. Meine Wahl fiel auf Yoko, einer wunderschönen schwarzen Dexter Kuh. Seit 2021 ist sie am Hof und die Freundin von Bonney, einer Hochlandkuh, die ihren Gefährten im Sommer 2021 verlor. Yoko stammt aus dem Südburgenland, ist also quasi eine Einheimische, von einem Zucht- und fleischverarbeitenden Betrieb. Nachdem sie zu klein war für die Weiterzucht, wäre sie alsbald geschlachtet worden. Bonney hat sie sofort adoptiert und seitdem sind die beiden ein Team. Es ist so schön, die beiden zu beobachten.
Die Patenschaft kostet € 15,00 pro Monat. Aber schließlich können sie nicht von Luft und Liebe leben. Ganz ehrlich, gibt es etwas Unterstützenswerteres, als diesen Hof? Das ist übrigens das Paket für große Tiere. Ab € 8,80 seid ihr dabei. Von jedem Tier findet Ihr ein Bild und einen Steckbrief auf der Homepage. Das kostet weniger als eine Kinokarte. Mit jeder einzelnen Patenschaft helft Ihr mit, dass dieses tolle Projekt bestehen bleibt. Und Ihr könnt Euer Patenkind zwei Mal im Monat besuchen, denn jeden zweiten Sonntag ist Patentag. Aber das ist noch weit nicht alles, was es zu erleben gibt.
Buchen könnt Ihr auch einen geführten Hofrundgang, exklusive Tierpat*innen Esel- und Ponyspaziergänge, oder einen der vielen KUhRSE, aber macht Euch selbst ein Bild auf www.hof-sonnenweide.at. Denn da findet Ihr noch viel mehr spannende Informationen, wie Rezepte oder den ausgezeichneten Podcast „Lasst die Sau raus“, ein Gratis Hörbuch von Timmy und seinen Freunden und den Erfahrungsbericht von der Wanderung Elisabeths mit Igor.
Seit kurzem ist die Spende auch steuerlich absetzbar, was einen zusätzlichen Anreiz speziell für Unternehmen bietet.
Wenn schon Geld ausgeben, dann sinnvoll und Ihr könnt Euch immer wieder davon überzeugen, wie gut es Euren Patenkindern geht.

