Kiswahili

Kiswahili – Alle Geschichten

Welttage gibt es mittlerweile mehr, als es Tage im Jahr gibt. So gibt es welche, die sich ein Datum teilen müssen. Etliche davon sind amüsant, andere sind auf den ersten Blick verständlich und manche enthüllen ihre Bedeutung erst nach genauerer Recherche. Man kann natürlich einfach sagen, kenne ich nicht, interessiert mich nicht. Ignoranz ist eben weit verbreitet, vor allem, wenn man in der Schule nichts davon gehört hat. Aber man kann auch sich darüber informieren, was dahintersteckt, denn es ist wohl viel mehr, was wir in der Schule nicht gelernt haben, als was wir mitnahmen. So sagte mir der „Welttag des Kiswahili“ eingestandenermaßen gar nichts, als ich den Kalender der Welttage durchging und entdeckte, dass dieser am 07. Juli begangen wird. Er wurde von der UNESCO im Jahr 2021 ins Leben gerufen. Doch was ist das überhaupt, Kiswahili?

Kiswahili ist eine Sprache, die mit 200 Millionen Sprecher*innen zu den zehn am meisten gesprochenen Sprachen der Welt zählt. Spannend übrigens, dass diese in der Liste auf Wikipedia der meistgesprochenen Sprachen nicht vorkommt. Jahrhundertelang war sie die Sprache der Menschen an der ostafrikanischen Küste von Somalia, Kenia, Tansania/Sansibar, Mosambik und den Komoren, deren Bevölkerung vorwiegend aus muslimischen Bantugemeinschaften handelte und vor allem aus Fischern, Bauern, Händlern, Handwerkern und Seefahrern bestand. Im 19. Jahrhundert wurde die Kiswahili-Sprache durch Migration und Handel von der Swahili-Küste aus ins Landesinnere transportiert, vor allem ins heutige Tansania. Heute spricht man Kiswahili deshalb außerdem in folgenden Ländern Ostafrikas: Kenia, Ruanda, Uganda, Burundi, Kongo, Zentralafrikanische Republik, Mosambik und den Komoren. In Tansania ist Kiswahili National- und Amtssprache. In einem Land, das über 937.300 m2 und verschiedene ethnische Gruppen aufweist, die mehr als 124 unterschiedliche Sprachen sprechen, ist sie ein Instrument zur Förderung der nationalen Einheit. Tansanier*innen sind in der Mehrheit sowieso mehrsprachig, so dass es ihnen leichtfällt, Kiswahili neben ihrer ethnischen Sprache zu lernen. Fast alle sprechen fließend Kiswahili und fühlen sich durch diese gemeinsame Sprache verbunden.

Mit der Resolution würdigt die UNESCO also eine Sprache, die eine fundamentale Rolle spielt bei der Förderung der kulturellen Vielfalt und beim Dialog zwischen den Gesellschaften. Es wird damit auch ausgedrückt, dass Mehrsprachigkeit zu fördern notwendig ist, um eine harmonische Kommunikation zwischen den Nationen zu erreichen, wodurch die Einheit in der Vielfalt und das internationale Verständnis, die Toleranz und Dialog vorangebracht werden.

Doch warum der 7. Juli?

Der Grund liegt darin, dass am 07. Juli 1954 wurde Kiswahili durch den ersten Präsidenten Tansanias, Mwalimu Julius K. Nyerere, als verbindende Sprache für die Unabhängigkeitskämpfe angenommen wurde. Ebenfalls ein 07. Juli war es, und zwar im Jahre 2000, dass die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) neu gegründet wurde, um den Geist der Zusammenarbeit und Integration zwischen den ostafrikanischen Ländern Tansania, Kenia und Uganda, in denen Kiswahili weit verbreitet ist, neu zu beleben. Diesen Ländern folgten später Ruanda, Burundi, Südsudan und die Demokratische Republik Kongo.

Ein beeindruckendes Beispiel, das zeigt, es ist möglich, eine gemeinsame Sprache zu finden und sie auch mit Leben zu erfüllen. Wiederum gilt allerdings, man versteht sich, wenn man sich verstehen will. Es gibt Menschen, die einander verstehen, auch wenn sie die Sprache des anderen unzulänglich beherrschen, was sich allerdings im Umgang verändert. Andere wiederum sprechen die gleiche Sprache und sind weit vom Verstehen entfernt. Gerade in Afrika, von dem in Europa immer noch das Bild vorherrscht, in dem es nur Stammesfehden und Korruption, aber kein Miteinander gibt, ist es gelungen, sich auf eine Sprache zu verständigen. In Europa ist dies durch die Borniertheit, Engstirnigkeit und Nationalpräpotenz nicht notwendig. Kleiner Einschub am Rande für alle, die durch eine andere Sprache ihre Werte bedroht sehen: Was sind das für Werte, dass sie durch eine andere Sprache, ein anderes Weltbild bedroht sind? Wenn es tatsächlich so ist, dann sind die Werte wertlos. Wenn sie aber Wert haben, dann können sie nicht bedroht werden, sondern nur erweitert. Eine Sprache zu lernen, heißt sich eine neue Welt zu eröffnen, die man zuvor nicht kannte, was die vorhandene nicht negiert, sondern bereichert oder wie es die Studienleiterin von „Mission – Eine Welt“ Dorcas Parsalaw ausdrückt:

„In Sprachen verbergen sich Geschichten, Fantasien, Glauben von Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft, die diese im Wandel der Zeit bestücken, verändern und anpassen. Durch Sprachen drücken wir unsere Gefühle aus, unsere Freude, Traurigkeit und Sehnsucht.“

In eine Sprache eintauchen, und sei es nur, einmal vorsichtig, wird erleben, wie sich die Welt erweitert, denn Sprache bildet ab, was wir erleben, denken, fühlen und wollen, sie kann auch dazu genutzt werden, Verbundenheit zu finden. Allerdings auch Entzweiung. Deshalb ist es ein tolles Beispiel, die Sprache Kiswahili, denn sie zeigt, was alles möglich ist. Und deshalb schließe ich mich an und feiere den Welttag des Kiswahili.

Die angegebenen Informationen stammen von der Seite Tanzania-Network. Es würde mich freuen, wenn die eine oder andere Lust bekommt, sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen.

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