Am verregneten 29. März 2025 versammeln sich Vertreter*innen der PdA (Partei der Arbeit), der Jugendfront und des KZ Verbandes Burgenland bei einem relativ unscheinbaren Gedenkstein im burgenländischen Klostermarienberg. Die Inschrift lautet „Klostermarienberg. 29. März 1945. Beginn der Widererstehung Österreichs“. Was ist an diesem Tag vor 80 Jahren geschehen und warum ist es so wichtig, dieser Geschehen zu gedenken, 80 Jahre später?
Sowjetische Verbände der 2. und 3. Ukrainischen Front unter Marschall Fjodor Tolbuchin und Marschall Rodion Malinowski befreiten in wenigen Tagen das gesamte Gebiet des Burgenlandes. Diese Befreiung des Burgenlandes und anschließend Wiens begann mit dem Grenzübertritt der Roten Armee bei Klostermarienberg. Am 01. April 1945 nahm die Rote Armee Eisenstadt ein. Dann richtete sich die Marschrichtung auf Wien. Am 05. April 1945 nahm die „Schlacht um Wien“ ihren Anfang und dauerte bis zum 13. April an. Nach schweren, verlustreichen Kämpfen war auch die Bundeshauptstadt befreit worden. Es war also die Rote Armee, die Österreich von der Terrorherrschaft der Nazis befreiten und den höchsten Blutzoll leisteten. Es gilt hervorzuheben, dass die Sowjetunion maßgeblich dafür eintrat, dass Österreich wieder errichtet wurde, als eine unabhängige, demokratische und antifaschistische Republik. Ebenso war es der Sowjetunion zu danken, dass das Burgenland wieder ein eigenständiges Bundesland wurde. Staatskanzler Karl Renner von der SPÖ hatte sich mit seinen Plänen, das Burgenland zwischen Niederösterreich und der Steiermark aufgeteilt zu lassen, gegenüber Stalin nicht durchsetzen können.
Ausschlaggebend für die erfolgreiche Offensive bildete der Sieg der Roten Armee bei Stalingrad über die deutsche 6. Armee, denn damit war auch der Mythos der Unbesiegbarkeit der Faschisten gestorben. Der Beitrag der Sowjetunion im Kampf gegen die Nazis war der größte unter den Alliierten, ebenso wie der Preis, den das sowjetische Volk zu zahlen hatte. Über 26 Millionen Menschen aus der Sowjetunion starben im Laufe des Krieges gegen die faschistischen Verbrecher. Millionen von Rotarmisten, die in Gefangenschaft gerieten, wurden hingerichtet. Die, die am Leben gelassen wurden, mussten Hunger, Kälte, Krankheiten und Zwangsarbeit ertragen.
Während sich die Westalliierten noch weiterten, eine zweite Front im Westen zu eröffnen, konnten antifaschistische Widerstandsbewegungen, motiviert durch den Sieg bei Stalingrad, in ganz Europa neue Hoffnung schöpfen. Auch in Österreich gab es organisierten Widerstand gegen die deutschen Faschisten. Die Kommunist*innen leisteten unter allen Gruppen den Großteil dieses Widerstandes.
Die faschistische Propaganda arbeitete bis zum letzten Moment auf Hochtouren, die die Ängste vor „den Russen“ schürte. Dieser trat Marschall Fjodor Tolbuchin entschieden entgegen. So war auf Plakaten und Flugschriften zu lesen: „Die Rote Armee kommt nicht als Eroberungsarmee nach Österreich, sondern als Befreiungsarmee!“
Völlig anders vierhielten sich die deutsch-faschistischen Okkupanten, die noch bis zuletzt im Burgenland und der Steiermark unfassbare Verbrechen verübten. So ermordeten Nazis beispielsweise in der Nähe des Schlosses Rechnitz im Bezirk Oberwart rd. 200 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter*innen. Weitere sogenannte Endphaseverbrechen geschahen im Burgenland in Deutsch-Schützen, Bezirk Oberwart, Bad Deutsch-Altenburg, Bezirk Bruck an der Leitha und in St. Margarethen, Bezirk Eisenstadt-Umgebung. An diese Verbrechen wird kaum mehr erinnert, könnten doch eigene Familienmitglieder darin involviert sein.
Es war und bleibt das historische Verdienst der Roten Armee, der Völker und der politischen Führung der Sowjetunion, dass das nördliche Burgenland, Wien und ein Großteil Österreichs befreit wurden. Mit dieser heroischen Tat endete die faschistische Terrorherrschaft, der Krieg, die Verfolgung, der Massenmord durch die Nazis. Man darf nicht vergessen, wie es so gerne geschieht, dass Österreicher*innen nicht nur Opfer, sondern auch Täter*innen oder zumindest Kollaborateure waren. Allerdings waren auch viele im Widerstand. Herausragend darin waren die Kommunist*innen, die den größten Blutzoll leisteten.
Am 29. März 2025 wurden vor dem Gedenkstein symbolisch rote Nelken niedergelegt, ein Dank an die Befreier: „Spasibo, tovarishchi!“ (Danke, Genossen).
Und während dies im burgenländischen Klostermarienberg geschieht, feiert jene Partei, die nach wie vor einen Faschisten verehrt in Wr. Neustadt ihren 41. Bundesparteitag. 1945 geschah die Befreiung vom Faschismus. 1945 wurde eben jede dollfußtreue Partei gegründet. Der Faschismus hat niemals Abschied von Österreich genommen, nur ein wenig versteckt. Deshalb ist es wichtig, zu gedenken, um dem Widererstarken des Faschismus aufrecht und kraftvoll von der ersten Minute an entgegenzutreten.


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