Im Nachhinein, da erscheint es so selbstverständlich, als hätte es keine andere Möglichkeit gegeben, aber wenn man in der Situation ist, dann weiß man noch nichts von ihrer Tragweite, so unspektakulär es erscheint. Da warst Du, damals, vor einigen Jahren. Ich weiß nicht, wie viele es sind. Es spielt auch keine Rolle. Es hat sich ergeben. Man entscheidet sich – das in seiner Allgemeingültigkeit, das eine zu tun und alles andere zu lassen. Man begibt sich an einen Ort, weil man es sich so vorgenommen hat. Es ergeben sich Begegnungen. Weil Menschen dort sind, wo man sich hinbegibt. Die meisten haben keine weiteren Auswirkungen, gehen vorbei, unbemerkt, bleibend in einem Strom des Einerlei. Aber dann gibt es diese wenigen, die nicht vergehen, bleiben. Nur in diesem Moment, da weiß man es nicht, ja vermutet es nicht einmal, auch wenn man versucht das eine oder andere zu erkennen, später, was man in der Situation nicht sah. Man sollte es nicht tun, denn es ist doch jedes Mal ein wenig anders, unvergleichlich, einmalig und einzigartig. Eine Begegnung, die bleibt, die sich fortsetzt und wächst.
Ich versuche mich in dieses Damals hineinzuversetzen. Wir reichten uns die Hände, nehme ich an, sollten wir getan haben, weil es die Gepflogenheit ist, wenn man sich vorstellt und begrüßt. Dann haben wir geplaudert. Es war nichts Außergewöhnliches. Ein Gespräch, wie sie wohl tausende andere auch geführt wurden und doch, begann es spannend zu werden. Es sind diese kleinen, wohl lapidaren und doch so speziellen Eigenheiten. Vielleicht eine Antwort, die man nicht erwartet, eine Frage, die einem zeigt, dass das Interesse am anderen echt ist, auch wenn man sich nicht kennt, aber das beidseitige, das macht es schon ein wenig anders zu vielem, was man sonst so erlebt hat. Man hat gelernt, Vorsicht walten zu lassen. Weil man sich angreifbar macht, wenn man sich öffnet. Wir kannten uns schließlich nicht, aber es gab Hinweise, dass es sein könnte, das Verstehen. Es ist gut, wenn man von Mal zu Mal erlebt, dass man sich nicht geirrt hat. Es passiert wohl immer wieder, aber in diesem Fall nicht. Das ist lange her.
Zu den verschiedensten Gelegenheiten haben wir uns seither gesehen. Egal wie viel oder wenig Zeit zwischen diesen einzelnen Begegnungen vergangen ist, es war so, als könnten wir nahtlos anknüpfen an das vorige Mal, als gäbe es keine Unterbrechung im Austausch, der sich doch fortsetzt, festsetzt und weiterbringt, ein Austausch, der getragen ist von echtem Interesse und Anteilnahme, teilnehmend an dem, was Dich bewegt und was Du bist.
Wir reden und schweigen, einvernehmlich, lachen und trauern, verstehend und Du magst mich, nicht weil, sondern obwohl Du mich kennst. Du hast mich froh und verärgert, emotional und pragmatisch erlebt. Trotzdem bleibst Du mir zugewandt, über die Entfernung und die Zeit hinweg. Und ich bin glücklich, dass es passierte, damals, in aller Unscheinbarkeit, so wie das Samenkorn in die Erde fällt und dann ein großer, starker Baum daraus wächst, den irgendwann, nachdem wir das zarte Pflänzchen gehegt und gepflegt haben, kaum mehr etwas erschüttern kann.
Danke, dass ich Dir begegnen durfte!

