… dann kommen dabei eigentlich nur Dinge heraus, die lebensverachtend sind, Leben in Vielfalt und der ganzen Pracht der Möglichkeiten. Spannend ist, das einmal vorweggenommen, dass diesen sozialen Verwahrlosungen auch noch Raum in den sog. Qualitätsmedien eingeräumt wird. Was ich allerdings jetzt auch mache, aber es ist wichtig dies festzuhalten, damit hinterher niemand sagt, ja, das haben wir doch nicht gewusst, dass die so sind. Darüber hinaus geht es um eine dezidierte Stellungnahme gegen eine Art der Verbotskultur, die nur ein reaktionär gesinnter Mensch als plausibel ansehen kann.
Der Herr, der Aussage tätigte, er könne sich ein gesetzliches Verbot der Regenbogenparade vorstellen bekleidet immerhin den Posten des Landesparteisekretärs der FPÖ in Oberösterreich, was auch wiederum gut zusammenpasst, ist doch Oberösterreich generell nicht als weltoffen zu deklarieren, was sich eben auch im Wahlerfolg der reaktionären Kräfte abbildet. Wenig verwunderlich ist es, dass diese Art der Verhetzung gegen Minderheiten auch noch Unterstützung außerhalb der Parteigrenzen fand, nämlich von ÖVP und MFG, die sich auch nicht unbedingt durch Weltoffenheit auszeichnen, schon gar nicht durch Menschlichkeit. Ganz im Gegenteil, ist doch die ÖVP sehr stark daran interessiert, die FPÖ rechts zu überholen. Wie sich in der Zusammenarbeit in NÖ zeigt gibt es etliche Überschneidungen, Stichwort Frauenbild, Rollenklischees und Sozialabbau. Hier werden systematisch ganze Bevölkerungsgruppen unterdrückt und ihnen Lebensmuster aufs Auge gedrückt, die die genannten Weltanschauungen wohlwollend absegnen können. Dennoch bezeichnet sich die FPÖ als eine Partei, die gegen die Verbotskultur angehen möchte. Wie passt das zusammen?
Aus ihrer Logik, und das ist eine ziemlich verquere, wenn auch einfach zu durchschauende, sind die agierenden Personen doch im Allgemeinen auch sehr einfach gestrickt. So darf jeder alles sagen, das deren Ideologie entspricht. Was ein wenig davon abweicht, muss mit einem Verbot belegt werden. So wie sie mit der Eleganz eines Vorschlaghammers den Menschen die Lebensstile jenseits der heterosexuellen CIS-Norm aus den Hirnen prügeln und an ihre Stelle Stolz auf Vaterland, Autorität und Geschlechteridentität setzen wollen. Was kurz gefasst heißt: Stolz-Monat statt Pride-Month.
Aber nun zum eigentlich Gefährlichen, denn wer ein wenig Einblick in die Geschichte der Pride Parade hat, die ihren Ausgang nahm im Jahr 1969, wo sich Schwule, Lesben und Transmenschen zum ersten Mal nachhaltig gegen die entwürdigenden Razzien der Polizei zur Wehr setzten und damit einen Fortschritt in Gang setzten, der längst überfällig war, einen Fortschritt für Menschen mit alternativen Lebens- und Liebesentwürfen. Der Stonwall Aufstand im Jahr 1969, an den die Paraden erinnern, soll nicht in Vergessenheit geraten. Gerade in Zeiten, in denen es wieder salonfähig wird, homophob und transfeindlich zu sein. Es geht allerdings um ein ganz grundsätzliches Recht, das wieder mal ins Visier der reaktionären Kräfte gerät, das Recht auf Versammlungsfreiheit. Dieses darf in keiner Weise angetastet werden. Denn das Recht, seine Meinung, seinen Standpunkt und seine Lebenseinstellung laut und nachhaltig zum Ausdruck zu bringen, ist ein Menschenrecht und muss es auch bleiben. Deshalb ist es so wichtig, diesen Anfänge es untergraben zu wollen entschieden entgegenzutreten und die Sinnierereien der entsprechenden Personen ernst zu nehmen. Diese Demonstration finden nicht statt, um irgendjemanden zu gefallen, sondern zu zeigen, wir sind da, wir erheben unsere Stimme und nehmen unsere fundamentalen Rechte in Anspruch. Nicht zuletzt, um Menschen, die sich mit ihrer Art zu leben und zu lieben alleingelassen fühlen, Rückhalt zu geben und Solidarität zu zeigen.
Doch vor allem, wir lassen nicht irgendeinen Heini oder auch viele Heinis mit ihrem reaktionären Rotz durchkommen. Stellung zu beziehen gegen Unmenschlichkeit und Autoritarismus muss dann geschehen, wenn diese ihr widerliches Haupt erheben, um gegen die Menschenwürde und Freiheit aufzubegehren. Nicht irgendwann, jetzt ist die Stunde darauf zu reagieren. Egal welcher Community ich mich zugehörig fühle, es ist selbstverständlich, dass man auch für jene eintritt, denen man nicht angehört, sobald man ihre Rechte in Gefahr sieht. Wobei die Anfänge eigentlich schon verpasst wurden, denn mittlerweile steigen Übergriffe und Angriffe auf LGBTIQ-Personen wieder rasant an. Deshalb ist es nicht nur ein grundsätzliches Recht, die Pride Parade durchzuführen, sondern eine Verpflichtung, die ein wichtiges Signal ist, dass wir Gewalt gegen wen auch immer nicht hinnehmen, sondern uns in Solidarität dagegen stellen.
Und am besten wäre es, wenn manche Personen aufhörten zu sinnieren, die Politik verlassen und sich am besten nach Ungarn verziehen oder sonst wohin, wo ihre Ansichten Anklang finden, auf jeden Fall weit weg von irgendwelcher politischer Verantwortung oder Entscheidungsbefugnis.


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