Hetze, Häme, Abwertung, Verteufelung, Beschimpfung,
das alles ist mittlerweile salonfähig.
Kein noch so unwichtiges Thema,
bei dem nicht Sachen stehen,
die die sogenannte Meinungsfreiheit zum Ausdruck bringen,
indem man untergriffig, gemein, bösartig und persönlich diffamierend kommentiert.
Kritik ist wichtig und gut,
aber Schmähungen sind keine Kritik,
sondern eine schnell Hingeschmissene Verbalattacke
ohne Sinn und Verstand.
Kritik bedeutet,
das, was der andere sagt, zu durchleuchten,
sich darüber Gedanken zu machen,
sich grundsätzlich bemühen, es richtig zu verstehen,
also im Sinne des Schreibenden
und nicht von vornherein einfach das zu unterstellen,
was man meint, dass dieser gemeint haben könnte.
Meist ist es nicht schwer,
die eigentliche Intention zu begreifen,
nur noch leichter ist es,
diese zu ignorieren.
Kritik bedeutet,
sinnvolle Argumente entgegenzusetzen,
dann findet man in einen Diskurs,
der meint, ich setze mich mit dem auseinander,
was Du sagst
und Du Dich mit dem
was ich sage.
Wenn man das richtig macht,
kann man,
man möchte es schon gar nicht mehr für möglich halten,
voneinander lernen.
Doch es geht nicht darum,
voneinander zu lernen,
vielleicht auch in dem Bewusstsein auseinanderzugehen,
dass wir uns nicht einig sind,
aber selbst Uneinigkeit verstellt nicht die Möglichkeit,
respektvoll miteinander umzugehen.
Es geht auch nicht darum,
dem anderen zuzuhören,
denn schließlich hat man keine Zeit,
nur dafür,
irgendetwas hinzurotzen,
wovon man meint,
man muss es jetzt los werden,
weil das meine Freiheit ist,
obwohl es nur bedeutet,
ich habe eigentlich nichts zu sagen,
aber das lautstark.
Es geht nicht mehr darum,
sich miteinander auseinanderzusetzen,
sondern sofort auf Konfrontation zu gehen,
auf Plattformen für queere Menschen,
den Queerenhass loszuwerden,
auf Plattformen für vegan lebende Personen,
den Hass gegen Veganer*innen auszuposaunen,
auf Plattformen für Behinderte,
mit aller Überheblichkeit zur Schau zu stellen,
wie viel besser man doch selbst ist,
und sich am besten von Mithassenden
auch noch feiern zu lassen,
natürlich mit Fakeprofil und ohne Profilbild,
denn persönlich stehen wir da nicht dahinter,
nur im Schutze der Anonymität.
Es geht auch nicht mehr darum,
Menschen zu unterstützen oder zu stärken,
ihnen Mut zuzusprechen oder Trost,
auch nur versuchen sie zu verstehen,
sondern wie eine Walze drüberzufahren,
alles platt und einheitlich zu machen,
was mir angeblich im Weg steht.
sich den Quotenbrüller
und Schenkelklopfer des Tages abzuholen,
wenn man Personen sagt,
wie hässlich oder peinlich,
wie fett oder magersüchtig,
wie faltig oder botoxgespritzt,
wie schrecklich es ist, was sie anziehen,
wie peinlich es ist, was sie machen,
und dann am besten noch so,
als wäre eine Beurteilung von Äußerlichkeiten
eine fundierte Expertenmeinung.
All das geschieht mit aller Selbstverständlichkeit
und da sind wir dann ernsthaft schockiert,
dass Amokläufe passieren?
Nein, es ist keine Entschuldigung,
denn 90% schlucken all die Schmach hinunter
und wehren sich nicht dagegen,
weil man das eben aushalten muss.
Es geht ja nur um freie Meinungsäußerung,
und die ist grundsätzlich erlaubt,
aber es scheint sich niemand zu fragen,
was diese angebliche, persönliche Meinung
bei anderen anrichtet.
Warum auch?
Das ist mir doch völlig egal,
wie es anderen mit meiner Aussage geht.
Man braucht es ja nicht zu lesen oder anzuhören.
Wobei man vergisst,
um zu wissen,
ob ich etwas nicht lesen oder hören möchte,
weil es mich verletzt, attackiert, unterminiert oder abwertet,
muss ich es lesen oder hören.
Und dann ist es drinnen.
Es geht nicht mehr weg.
Aber man kann auch lassen,
so angerührt, so sensibel,
auch wahlweise zickig zu sein,
denn das sind doch ganz normale Aussagen.
Stimmt leider,
Hass und Hetze
sind normal und salonfähig,
und auch,
wenn es keine Entschuldigung ist
für einen Amoklauf,
für den es niemals eine Entschuldigung geben kann,
so sollten wir so weit sein,
uns zu fragen,
inwieweit können wir mithelfen,
dass es keine Menschen mehr gibt,
die zu solchen Mitteln greifen müssen,
um gesehen oder gehört zu werden.
Unser Hass und unsere Hetze
tragen Früchte,
bis hin zu einem Amoklauf.
Und so sehr wir uns auch die Hände in Unschuld waschen,
das Blut bleibt kleben.
Wie gut, dass die meisten schon so abgebrüht sind,
dass sie auch das nicht stört.
Denn ich lasse mir nichts verbieten,
mir nicht den Mund verbieten,
und verbreite weiter, mit Genuss,
Hass und Hetze bis zum bittren Schluss.
Und zum Schluss noch an alle,
die so gut austeilen können,
Dir zu widersprechen,
der Du so gut bist,
andere zu beschimpfen,
das ist keine Hetze,
sondern nennt sich argumentative Auseinandersetzung,
aber davon hast Du wahrscheinlich keine Ahnung.


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