„Lieber Herr Kollege, ich denke, ich brauche noch weitere Informationen, um eine entsprechende Antwort geben zu können“, erwiderte Frau DDr. Theresia Schmal, die einen Anflug von Hoffnung hegte, dass sich ihr Problem womöglich in diesem Moment zu lösen schien, doch war es noch zu unsicher, ob tatsächlich Hypothesen aufstellen zu können.
„Nun Frau Doktor, ich weiß nicht genau, wie ich anfangen soll“, zeigte sich Herr Dr. Herbert Hanzl ein wenig hilflos, um dann fortzusetzen, „Aber Sie sind eine sehr intelligente Frau, ich denke, Sie werden mich verstehen. Meine Burschen hängen sehr an ihrer Mutter, wie sie sich vorstellen können und für mich war sie die Liebe meines Lebens, so richtig romantisch und was einem auch immer dazu einfallen soll. Damals, als wir uns kennenlernten, spielte das für mich die größte Rolle und wir wurden recht bald ein glückliches Paar und uns wurden diese zwei wunderbaren Jungen geschenkt. Die Burschen haben ihre Mutter, ich meine Frau verloren. Das lässt sich natürlich nicht ungeschehen machen und ersetzen lässt sie sich auch nicht.“
„Eben, deshalb verstehe ich nicht …“, unterbrach Theresia.
„Gemach, ich komme schon zu diesem Punkt“, bat Herbert, „Aber nachdem speziell mein großer Sohn außergewöhnliche Bedürfnisse hat und intensive Betreuung benötigt, die ich alleine nicht schaffe, dachte ich an einen Menschen, der mich dabei unterstützen könnte. Wie ich weiß, sind Sie eine der Wenigen, die einen Draht zu Sebastian gefunden haben. Im Gegenzug könnte ich Ihnen anbieten, für Sie da zu sein, wenn es notwendig ist.“
„Nun, das klingt sehr verlockend“, resümierte Theresia, „In der Tat kommt mir dieses Angebot sehr gelegen. Aber wozu heiraten? Würde es nicht genügen, wenn ich bei Ihnen einziehe und wir dies quasi als Wohngemeinschaft sehen?“
„Nein, das geht nicht, denn wenn ich vielleicht nicht da bin und meine Söhne brauchen eine Erlaubnis oder etwas anderes, dann darf das nur der Erziehungsberechtigte entscheiden“, erklärte Herbert, „Außerdem möchte ich damit zum Ausdruck bringen, wie ernst es mir ist.“
„Und was ist, wenn Sie sich verlieben und dann hängen Sie in dieser Ehe fest, die eigentlich keine ist, also so weit ich das verstanden habe und ich verstehe nicht viel von solchen Dingen“, meinte Theresia.
„Ich weiß, dass ich mich nie wieder verlieben werde. Wie gesagt, meine Frau war die Liebe meines Lebens. Es kann keine nach ihr mehr geben“, erklärte Herbert aus tiefer Überzeugung, „Und ich setze nun andere Prioritäten, wie ich bereits erwähnte. Das Wohl meiner Kinder ist mir das Wichtigste.“
„Ich mache es“, erklärte Theresia unvermittelt.
Einige Tage später trafen sich Herbert und Theresia, die sich inzwischen darauf verständigt hatten, sich zu Duzen, was in der vorliegenden Situation auch durchaus angebracht war, auf dem Standesamt, um sich das Ja-Wort zu geben. Dann zog Theresia zu Herbert, Tobias und Sebastian. Tobias beäugte die Frau misstrauisch.
„Du bist aber nicht meine neue Mama!“, erklärte er resolut.
„Nein, die bin ich nicht“, bestätigte Theresia, „Es kann nur eine Mama geben, die Euch leider zu früh verlassen hat, aber ich möchte Euch helfen. Dafür bin ich da. Dann ist Dein Papa nicht ganz alleine.“
„Dann ist es gut“, befand Tobias und lief zurück zu seinen Spielen. Sebastian war, aufgrund seines Krankheitsbildes, lange Zeit sehr durcheinander, denn er konnte mit Veränderung schwer umgehen. Deshalb war eine der ersten Dinge, die Theresia in ihrem neuen Leben machte, aufzuschreiben, wie die tägliche Routine für Sebastian aussah. Dabei stellte sie fest, dass es gar nicht so schwer war, diese aufrechtzuerhalten.
„Letztlich“, so erklärte sie dem sensiblen, äußerst intelligenten Jungen, „ist dies eine Anordnung, die gleich bleiben kann. Das Einzige, was ausgetauscht wird, ist die agierende Person, zumindest eine von den Vieren.“ Sebastian nickte zustimmend und es gelang mit der Zeit und viel Geduld, dass er auch diese Veränderung akzeptierte.
„Alles läuft reibungslos und so, wie wir uns das vorgestellt haben“, stellte Theresia eines Abends, als sie mit Herbert in der Küche bei einer Tasse Tee saß. Die Kinder waren im Bett und sie konnten in Ruhe reden.
„Ich bin wirklich sehr froh, wie positiv sich alles entwickelt hat“, meinte Herbert fest, „Eigentlich hatte ich es mir so vorgestellt, aber wenn Menschen im Spiel sind, weiß man nie, ob es sich dann auch tatsächlich so umsetzen lässt.“
„Ja, ja, der menschliche Faktor, der ist immer so unberechenbar“, stimmte Theresia zu, „Das macht es auch in Beziehungen für mich so schwierig. Aber hier gibt es keine Verwicklungen, nur rationale Abmachungen. Das behagt mir sehr.“
So vergingen die Jahre. In Ruhe kümmerte sich Theresia um ihre Arbeit und die Familie, die ihr das Schicksal zugeschoben hatte, ohne tiefere emotionale Verwicklungen. Herbert und sie waren Freunde, nichts weiter und das war auch gut so. Doch dann kam jener Abend, der dieses wohlgeordnete Leben völlig auf den Kopf stellte.
Du möchtest wissen, wie es weitergeht? Du erfährst es am M0., 24.02. auf diesem Blog. Wenn Du diesen Blog abonnierst, wirst Du es nicht versäumen.

