Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
Theresia Schmal, die jeweils einen Doktortitel der Biologie und der Physik ihr eigen nennen durfte, blickte auf die Ergebnisse ihrer letzten Versuchsanordnung und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen. Diese widersprachen fundamental ihrer Arbeitshypothese, was allerdings nur für wissenschaftsfremde Menschen als überraschend oder enttäuschend interpretiert wurde. Wissenschaftler*innen, die etwas von ihrer Tätigkeit verstanden, nahmen es zur Kenntnis und arbeiteten aufgrund dessen unverbrüchlich weiter. Dabei geht es nicht um recht oder unrecht haben, sondern um bloße Fakten. Menschen, die außerhalb standen, zeigten sich immer so emotional. Das passte hier nicht her. Wahrscheinlich passte Theresia Schmal deshalb desto besser, denn ihr waren Emotionen nicht nur fremd, sondern äußerst suspekt. Das war auch der Grund, warum sie sich hier, in ihrem Labor so gerne aufhielt, denn hier ging es nur um ihre Arbeit und um sonst nichts. Die Kolleg*innen sahen sie zwar als Person mit einigem Misstrauen an, aber ihre Tätigkeit als Wissenschaftlerin wussten sie zu würdigen. Doch Theresia Schmal war sich bewusst, dass es nicht ganz ohne andere Menschen ginge, nicht immer. Erst vor Kurzem hatte sie die Erkenntnis ereilt.
Theresia Schmal war krank geworden. Nichts Weltbewegendes oder Beängstigendes, sondern ein durchschnittlicher Infarkt hatte sie ereilt. Zunächst dachte sie, was das doch für ein zäher Genosse sein musste, da sie niemals jemandem die Hand gab oder sonst irgendwelche körperlichen Kontakte zuließ. Außerdem desinfizierte sie sich so oft wie notwendig. Dennoch hatte er es geschafft. Das nötigte ihr einigen Respekt ab, brachte es sie doch zu dem Schluss, dass es äußerst zählebige Exemplare gab, die sich ihren Weg fanden, so schwierig er auch sein mochte. Das dachte sie als Wissenschaftlerin. Als Mensch waren ihre Gedanken ganz andere, denn es gab niemanden, den sie um Hilfe hätte bitten können. Vor einem Jahr, als ihre Eltern noch gelebt hatten, gab es dieses Problem nicht, denn die hätten sich ohne Weiteres zu ihr begeben und sie unterstützt. Niemals wäre sie auf den Gedanken gekommen, dass sich daran etwas ändern würde. Doch dann war dieser Unfall, der sie beide das Leben kostete. Sozial inkompatibel würde man Theresia heute nennen. Auch ihre Eltern waren das gewesen, doch sie hatten einander gefunden, damals und waren für immer zusammen geblieben. Vielleicht war es damals leichter gewesen, also zu der Zeit, als ihre Eltern diese Verbindung eingegangen waren, denn ihre Gemeinsamkeiten basierten ausschließlich auf der Arbeit. Sie waren ebenfalls Wissenschaftler*innen gewesen. Ihr Fachbereich war die Mathematik. So hatte Theresia schon sehr früh das Glück gehabt, vor den zutiefst verwirrenden menschlichen Interaktionen fliehen zu können. So war es geblieben. Zu keinem Zeitpunkt hatte Theresia irgendetwas vermisst, denn es gab niemanden, der ihre ausgefeilten Strukturen und Abläufe durcheinander gebracht hätte. Menschen taten das und nannten es Flexibilität. Doch sie brauchte ihre Ordnung. Alles andere würde sie verzweifeln lassen. Doch jetzt dachte sie zum ersten Mal, dass es vielleicht doch nicht die schlechteste Idee wäre, wenn sie sich mit einem anderen Menschen auf die Weise zusammentun würde, wie es ihre eigenen Eltern getan hatten. Allerdings hatte sie keinen blassen Schimmer, wie das funktionieren könnte.
„Frau Dr. Schmal“, riss sie eine ihre wohlbekannte Stimme aus ihren Gedanken, „Darf ich kurz mit Ihnen sprechen?“ Theresia sah auf und in die sanften, blauen Augen ihres Kollegen, Dr. Herbert Hanzl.
„Ja, natĂĽrlich“, antwortete sie kurz, „Worum geht es?“
„Sie wissen ja, dass ich zwei Söhne habe“, hub Dr. Hanzl an.
„Tobias, drei Jahre alt, Sebastian, 14 Jahre alt“, ergänzte Theresia, um zu zeigen, dass sie es sogar sehr genau wusste.
„Stimmt“, bestätigte Herbert, „Die beiden sind das Wichtigste in meinem Leben. Sie sind auch darĂĽber informiert, dass Tobias in seiner Entwicklung genau den Verlauf zeigt, den man als normal bezeichnet, Sebastian hingegen …“
„Sebastian hingegen wurde als Autist eingestuft, aufgrund seines Verhaltens und seiner speziellen, nicht normalen, da nicht durchschnittlichen Entwicklung“, ergänzte Theresia, „Ein äuĂźerst interessanter Junge.“
„Sie sind wohl die Einzige, die ihn als ‚interessant‘ bezeichnen wĂĽrde“, sagte Herbert seufzend, „Die meisten halten ihn schlicht fĂĽr behindert. Ich allerdings meine auch, dass er ein auĂźerordentlicher Mensch ist. Wir haben uns auch bemĂĽht, ihm alles zukommen zu lassen, was er braucht, meine Frau, also seine Mutter, und ich. Nun ist meine Frau vor einem Jahr verstorben und nun stehe ich alleine da mit den beiden.“
„Ich weiĂź“, replizierte Theresia ungerĂĽhrt, „Aber was kann ich nun fĂĽr Sie tun?“
„Sie könnten meine Frau werden“, erklärte Herbert Hanzl, was nun sogar Theresia veranlasste einigermaĂźen verwundert zu sein.
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