Natürlich töten auch Veganer*innen Tiere. Sobald ein Lebewesen auf der Welt ist, verbraucht es Ressourcen, die es anderen wegnimmt. Je höher entwickelt und langlebiger dieses Lebewesen ist, desto mehr. D.h. alles was lebt verbraucht Ressourcen, indem es Nahrungsmittel zu sich nimmt, Junge in die Welt setzt und für sich selbst Platz zum Leben beansprucht. Selbst das Kaninchen, das die Pflanzen mümmelt, frisst schon mal eine Raupe oder ein Insekt mit. Eine Kuh, die ihren Fladen auf der Wiese fallen lässt, begräbt Insekten. Ein Löwe verursacht dies indirekt und zuletzt den Tod der Gazelle oder was immer er erjagt. Der Mensch nun macht hierin keinen Unterschied, denn er braucht Nahrungsmittel und Luft und Kleidung. Letzteres braucht allerdings nur der Mensch. Also verbraucht er bereits mehr als alle anderen Tiere, denn selbst wenn er seine Kleidung gänzlich aus Hanf bastelt, muss er diesen anbauen, Ackerfläche verbrauchen und damit die Bodenlebewesen stören, je nach Anbaumethode. Will er bei der Art des industriellen Anbaus bleiben, dann zerstört er das gesamte Leben in den Böden mit den schweren Maschinen.
Menschen brauchen also Nahrung. Mittlerweile leben ca. acht Milliarden diese Spezies auf diesem Planeten und um diese satt zu bekommen, bedarf es einer Menge Nahrung. Das wäre grundsätzlich kein Problem, wenn man die Ackerflächen besieht, die es gibt. Dennoch müssen 800.000.000 Menschen auf der Welt hungern. Ein Grund dafür ist, dass der Mensch oder die meisten Menschen sich nicht auf die Möglichkeit besinnen, sich rein pflanzlich zu ernähren, sondern er bildet sich ein, Tiere töten zu müssen.
Würde sich der Mensch rein pflanzlich ernähren, so wie es ohne weitere Probleme möglich ist, würde er weit weniger Ackerfläche verbrauchen. Acht Milliarden Menschen pflanzlich zu ernähren ist so leicht möglich, dass wir sogar über alternative Anbaumethoden nachdenken können, ohne einen Mangel leiden zu müssen. Aber ganz gleich welche Anbaumethode genutzt wird, es gibt Tote. Und das ist wohl jeder Veganerin bewusst, dass auch für sie Lebewesen sterben müssen. Dennoch ist es ein Bruchteil dessen, wieviele Lebewesen für Fleischesser bzw. Milch- und Eiervernichter*innen ihr Leben lassen müssen. Der Grundstock an Lebensmittel aus Pflanzen bleibt in etwa gleich. Pflanzen für acht Milliarden Menschen. Darüber hinaus muss aber das Essen für 80 Milliarden sog. Nutztiere angebaut werden. Ich denke, es ist offensichtlich, dass die Ackerflächen, die für den Anbau des Essens für die Tiere verwendet werden, nicht gebraucht werden würden, müssten wir nicht die Tiere, die wir essen wollen, unter widrigsten Umständen mästen. D.h. wenn wir auf Fleisch und andere tierliche Produkte verzichten würden, wären nicht nur diese Tiere in den Ställen nicht mehr unsere Opfer, sondern auch all jene, die mit dem Anbau zusammenhängen. Darüber hinaus gibt es noch einen wichtigen Punkt: Das Essen, das meist aus hochwertigen Proteinen besteht, wird an die Tiere verfüttert und steht damit nicht den Menschen zur Verfügung. Wir nehmen ihnen quasi das weg, was sie unbedingt zum Überleben brauchen, um Tiere damit zu füttern, die wir aus Gier mästen, während die Menschen verhungern, die wir genau damit satt bekommen könnten. Darüber hinaus ist die Tiermast die ineffizienteste Art der Kaloriengewinnung, denn von den Proteinen, die wir in die Tiere stopfen, werden rund 80 % dafür gebraucht, den Stoffwechsel und die anderen Körperfunktionen aufrecht zu halten. D.h. von den 100%, die wir an sie verfüttern, bleiben 20% an verwertbaren Kalorien übrig. Der Rest ist verschwendet und das angesichts der Millionen an Hungernden in der Welt. Präpotenter geht es wohl kaum noch, wenn dann als Argument kommt, es schmeckt mir eben.
Veganismus behauptet von sich nicht, dass er kein Leid verursacht, denn so lange es Leben in der Art gibt, wie es eben ist, gehört Leid dazu, aber er kann mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, dass es der Weg ist, der am wenigsten Leid hervorruft und das ist das Ziel: Nicht die Unmöglichkeit keines Leides, sondern so wenig wie möglich. Alles was davon abweicht, ist Leid das vermieden werden kann. Im Augenblick reden wir von 80.000.000.000 Landlebewesen und Billionen von Wasserlebewesen, die unnötig getötet oder ausgebeutet werden.
Veganismus ist nicht perfekt, aber er ist das Beste, was wir in einer nicht perfekten Welt für die Umwelt, die Menschen und alle anderen Mitgeschöpfe tun können und damit auch die wenigsten Opfer fordert. Es wäre vielleicht praktikabel – allen Tierleidverfechter*innen ins Stammbuch geschrieben – zunächst einmal nachzudenken, bevor man Aussagen tätigt, bei denen auf den ersten Blick erkennbar ist, dass sie Unsinn sind.

