Das Leben findet immer seinen Weg. Egal, wie sehr wir unseren Planeten zerstören, wie sehr wir ihn ausbeuten und Kollateralschäden diesen Pfad säumen, das Leben wird sich neu etablieren. Deshalb sehe ich dem Untergang der Menschheit gelassen entgegen. Jede Spezies hat ihre Halbwärtszeit und deshalb musste es den Menschen auch einmal betreffen. Er ist wohl das einzige Lebewesen auf diesem schönen Planeten, dass sich aus dem Kreislauf herausgenommen und deshalb seine Funktion verloren hat. Um sich nicht selbst eingestehen zu müssen, dass er nichts weiter ist, als ein Schmarotzer und Parasit, der sich selbst die Lebensgrundlagen abgräbt, behauptet er von sich selbst, er wäre die Krone der Schöpfung. Wenn man als Maßstab Dummheit und Ignoranz heranzieht, ist das sicherlich richtig. Er hat keinen Platz, an den er gehört, war immer ein Ausgestoßener und wenn man die Reaktion der Aneignung betrachtet, hat man den Verdacht, das wäre die Rache gewesen, dass er zu präpotent war sich einzugliedern, geschweige denn, sich einzubringen.
Also nein, wenn die Menschheit ausstirbt, kann es für die Erde nur gut sein. Die Natur kann aufatmen, sich erholen und dann ohne diese unnötige Belastung weitermachen. Doch der Mensch tritt nicht einfach so ab, er zieht so viele mit ins Verderben, Unschuldige und Unwissende. Also mit einem Wort, er verursacht unablässig Kollateralschäden mit seinem Tun.
Andererseits, wenn die Erde danach wieder in Ruhe und ohne weitere größere Zwischenfälle existieren kann, dann muss man auch das in Kauf nehmen. und hoffen, es geht so schnell wie möglich. Egal was der Mensch anrichtet, egal wie viel er zerstört, immer wird sich die Kraft des Lebens durchsetzen.
Letztens ging ich durch den Wald und entdeckte eine große Fläche. auf der wieder einmal ein Kahlschlag durchgeführt worden war. Es tat mir weh, diese vielen Baumstümpfe zu sehen. denn sie bedeuteten nicht nur tote Bäume, sondern auch den Verlust von Lebensraum von tausenden Tieren und anderen Pflanzen. Doch wenn ich dann genauer hinsehe, dann merke ich, dass aus diesen Stümpfen, aus der Zerstörung sich wieder Leben entwickelt. Ganz zart erheben sich die Triebe aus dem, was eigentlich nicht mehr leben dürfte. Doch nicht nur bei Pflanzen ist es so. Auch bei Valentin geschah es. Sein Immer-noch Leben kam einem Wunder gleich. Valentin war ein kleines Schweinchen, das auf einem Ferkeltransport war und es schaffte, von diesem Transporter aus hoher Höhe herauszuspringen. Man muss sich vorstellen, wie viel Angst, wie viel Verzweiflung dieses kleine Tier angetrieben haben muss, damit es diese große Gefahr auf sich genommen hat. Es landete auf der Straße und brach sich dabei einige Knochen. So blieb es liegen. Und wenn nicht gerade eine Autofahrerin gekommen wäre, die sehr aufmerksam war, wäre es wahrscheinlich noch zusätzlich überfahren worden. Doch diese Autofahrerin blieb stehen, ohne sich darum zu kümmern, was um sie geschah, wie viele Leute hinter ihr tobten, sie wollte nur dieses Tier retten. Sie packte das kleine, quietschende, vor Angst schlotternde Schweinchen ein und brachte es zum Tierarzt. Natürlich wurde es im Wartezimmer schief angesehen. Warum rettet man ein Schwein? Hauts ihm doch einfach den Schädel ein und ab damit auf dem nächsten Griller. Die, die das sagten konnten der Lacher der anderen gewiss sein oder zumindest deren Zustimmung. Das ist doch völlig unsinnig und unnötig. dafür Ressourcen zu verschwenden, Medikamente, Geld und Zeit. Aber die Frau, die es gerettet hat, sagte einfach nur, das ist nur mein Problem. Schließlich zahle ich dafür. Wenn ihr nichts anderes könnt, als Leben zu vernichten, ich werde da nicht mitspielen und ein kleines Geschöpf, ein Baby noch, das das ganze Leben noch vor sich hat, einfach krepieren lassen, nur weil ihr herzlos seid. Es stand schlecht um das kleine Wesen. Neben den Brüchen hatte es auch weitere Verletzungen von dem Sturz davongetragen. Aber es kämpfte. Es kämpfte mit allem, was es hatte, so wie das Leben für sich einsteht und für sich kämpft. Und letztendlich hat das Leben in diesem Falle den Tod besiegt. Und Valentin, das kleine Schweinchen, lebt immer noch auf dem Hof der Frau, die es gerettet hat. Nur, dass es jetzt nicht mehr klein, sondern ein ausgewachsener, quietschfideler Eber ist.
Also ganz gleich, was der Mensch auf diesem Planeten aufführt. Das Leben wird sich immer durchsetzen. Und viel einfacher wird es sein, wenn es den Menschen nicht mehr gibt.

