Was bleibt ist der Schmerz

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Mitten in der Nacht war es. Ich ging den Weg, den ich so oft gegangen war, zum ersten Mal in dem Bewusstsein, dass mit dem letzten Abend nichts mehr so sein würde, wie es die letzten Jahre war. Als die Hoffnung noch da war und die Freude, die stille Übereinkunft einer Vertrautheit, die ich immer anders empfunden hatte wie Du. Oder doch nicht? Kann auch nicht so sein. Ich habe es mir gedacht. Du hast es nie gesagt. Ich ziehe die Jacke fester um mich, denn der Wind pfeift durch die menschenleeren Straßen. Da bin nur ich, mit dem, was bleibt, dem Schmerz, der kam, als ich mir bewusst wurde.

Vertraut ist mir der Weg, den ich während der letzten Jahre so oft gegangen bin, voller Vorfreude auf das kommende Geschehen und auf Dich, auf ein Geschehen, das immer mit Dir in Zusammenhang stand. Doch jetzt gibt es die Vorfreude nicht mehr, denn das letzte Mal ist vorbei. Ich habe mich zurückgelehnt und ihn genossen, diesen letzten Abend, nach dem nichts mehr so sein würde wie die Jahre zuvor. Ich lasse die Geschehnisse Revue passieren. Der Abend, an dem ich Dich kennenlernte und die Tage danach, die wir uns vertrauter wurden. Die Verliebtheit. Die Liebe. Eine wunderbare Zeit des Hochgefühls mich in Deinen Armen zu verkriechen, mit Dir zu reden und zu lachen. Es war so gut. Es tat so gut. So befreit und versöhnt hatte ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Und alles begann mit diesem Weg. Alles endete mit diesem Weg. Dann war die Liebe vorbei, die Intimität, die Umarmung und die Vertrautheit. Da war er auch, der Schmerz.

Doch dann geschah etwas, was ich nicht für möglich gehalten hatte, denn die Liebe, die Intimität, die Umarmung, die nicht mehr waren, eröffneten den Platz für eine intensive Freundschaft, die die Vertrautheit behielt. Der Schmerz wandelte sich in Wehmut, die mich immer begleitete, Wehmut, über das Verlorene, aber auch Freude über das, was blieb. Bis zu diesem Abend, dem letzten. Ich genoss ihn einfach. Irgendein Teil in mir war sich darüber im Klaren, aber es war noch nicht bewusst, erst als ich den Weg ging, mitten in der Nacht, alleine, ohne eine Vorfreude, ohne Ziel, nur den Raum nochmals zu betreten, an dem wir zusammenfanden, Abschied zu nehmen. Während der Wind kalt auf meinem Gesicht brannte, die Tränen zu ersetzen, die die Ernüchterung nicht zuließ, verabschiedete sich die Wehmut und der Schmerz kam, um zu bleiben.

Ich sperre zu und gehe, den Weg zurück, dorthin woher ich kam, damals und heute. Damals war es ein Aufbruch. Heute ist es ein Abschied. Mir wird zum ersten Mal bewusst, dass es nun kein Weiter mehr gibt, kein nächstes Mal, das bisher in aller Selbstverständlichkeit gegeben war. Was wird es aus uns machen, nachdem die Liebe und die die Intimität abhanden kamen und jetzt auch das gemeinsame Wirken in vertrauter Freundschaft? In dem Moment fühlt es sich an, als würde nichts bleiben, außer dem Schmerz.

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