Warum ich Niko Rittenaus Bücher trotzdem behalte

Warum ich Niko Rittenaus Bücher trotzdem behalte – Alle Geschichten

Nach mehr als zehn Jahren veganem Leben und Aktivismus kann ich guten Gewissens sagen, ich kenne mich in der Community aus. Mittlerweile habe ich auch diverse Personen kommen gesehen. Und auch wieder gehen. Was mich von Anfang an ein wenig stutzig gemacht hat, waren die diversen Shooting-Stars in der Szene, wie es so schön auf Neudeutsch heißt. Einer davon war ein gewisser Niko Rittenau. Zum ersten Mal live habe ich ihn in Berlin 2018 erlebt. Er erschien mir eloquent, versiert und kompetent. Seine Sprechweise war schnell, sehr schnell. Allerdings war er für mich einen Tick zu eloquent. Aber das tat ich damals damit ab, dass es mich eben störte, dass jemand so überanimiert auftrat. Wie ein Duracel-Häschen auf Speed, dachte ich damals. Aber die positiven Seiten überwogen.

Die positiven Seiten waren, dass er seine Aussagen samt und sonders profund wissenschaftlich fundierte. Da darf er schon mal ein wenig aufdrehen, war mein Fazit. Ich muss ihm ja nicht zuhören, aber ich kaufte seine Bücher, die wirklich äußerst informativ waren. Und, vor allem, sind. „Vegan-Klischee Ade!“ war darunter. Aber auch „Vegan ist Unsinn!“, das er gemeinsam mit Patrick Schönfeld und Ed Winters verfasst hatte oder sie mit, so genau weiß ich das nicht, was letztlich keine Rolle spielt. Es ist ein Buch, das pragmatische, seriöse, wissensbasierte Antworten auf übliche Vorurteile gegenüber Veganismus geben. Ich habe beide mit Gewinn gelesen.

Das nächste Mal erlebte ich ihn, allerdings nur den Abspann seiner Show, in Wien bei der Veganmania. Da dachte ich mir schon, irgendwie scheint er nicht mehr so hochgelobt zu werden wie dereinst. Nachdem er ein Selbstdarsteller ist, keimte in mir der Verdacht, er würde sich bald schon eine andere Spielwiese suchen, wo er wieder im Mittelpunkt steht, wenn ich auch nicht zu sagen gewusst hätte, womit. Ich sollte recht behalten, doch wie er sich diese Öffentlichkeit verdiente, das wäre mir im Traum nicht eingefallen. Er meinte plötzlich, auch wissenschaftlich fundiert, wie er behauptete, dass vegane Ernährung nicht gesund ist. Mittlerweile ist er nicht nur Eierproduzent, sondern isst auch wieder Fleisch. Mehr noch, er zieht selber Hühner und schlachtet auch. Das ist im ersten Moment natürlich ein schwerer Schlag. Allerdings hat sich wieder einmal gezeigt: Wer aus irgendeinem anderen Grund, als aus Gerechtigkeit gegenüber Tieren vegan lebt, wird es nicht bleiben. Gerechtigkeit, nicht einmal Ethik kam bei ihm zentral vor. Höchstens als Randbemerkung. Er war also kein vegan lebender Mensch, sondern höchstens einer, der sich vegan ernährte. Und vor allem, der von Anfang an damit Geld verdiente. Als der Strom versiegte, war er ohne den geringsten Skrupel bereit, sich eine neue Einkommensquelle zu sichern. Und wenn er nun gegen die vegane Community wetterte, so bedeutete dies auch fette Schlagzeilen, so dass er mit seinem neuen Geschäftsmodell davon profitieren konnte.

So sehr ich die Enttäuschung vieler Menschen verstehen kann, so ist es kein Grund, seine Bücher wegzuschmeißen. Denn in diesen Büchern tritt er vehement für eine vegane Ernährung ein und seine wissenschaftliche Expertise wird deshalb nicht obsolet, weil er nun anders handelt. Die Argumente bleiben valide und nachprüfbar.

Deshalb, verwendet seine Rezepte, seine Empfehlungen für verschiedene Nahrungsmittel, gerne auch die Argumente aus „Vegan ist Unsinn!“, bei dem ich mittlerweile überzeugt bin, dass er eigentlich das Anhängsel war und die Argumente von Patrick Schönfeld und Ed Winters stammen, aber das nur nebenbei. Aber ansonsten würde ich ihm keine Beachtung mehr schenken, um ihm auch keine Bühne zu öffnen. Dass er ein Wendehals und Schmierenkomödiant ist, ein Mensch, der skrupellos alles nutzt, um sich zu bereichern, ohne irgendwelche ethischen Grundlagen, das scheint mittlerweile evident zu sein. Aber dass sein Geschäftsmodell funktioniert, verdankt er unter anderem auch der fortdauernden Auseinandersetzung mit ihm. Egal wie negativ sie sein mag.

Lasst ihn einfach still, heimlich und unerwähnt in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, denn das hat er sich redlich verdient. Dann wird sich das Problem innerhalb kürzester Zeit von selbst erledigen. Und es gibt genug andere, stabile Menschen, die wir unterstützen sollten, weil sie die vegane Bewegung tatsächlich voranbringen, authentisch und nachhaltig.

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