An einem Tag unter all den anderen hast Du mich gefunden. Am Wegesrand saß ich, in mich vergraben, wie weggeworfen. Nein, da hätte jemand werfen müssen. Wie vergessen. Ein Vorübergehen, als wäre ich nicht da. Als wäre ich nicht. Du hast innegehalten und hast mich gesehen. Der erste. Vielleicht auch der letzte. Irgendetwas dazwischen. Es gab schon vor Dir jemanden, möglicherweise, der es nicht wagte auf mich zuzugehen, aus Angst in die Verlorenheit gezogen zu werden. Es ist so unaussprechlich kalt in dieser Verlorenheit. Doch Du hast es gewagt. Ein Wagnis, das Rettung sein kann. Oder Untergang.
Du hast sie gehen lassen, all die anderen. Ein Blick um Dich, aber sie nahmen nichts wahr, außer den Fleck, auf den sie den Fuß als nächstes setzen würden. Du bist ausgeschert aus dem ewigen Strom. Es hat gestört. Es hat Dir nichts ausgemacht, denn Du wolltest zu mir. Dann hast Du Dich zu mir gesetzt, dort, außerhalb von allem und gewartet. Geduld hattest Du mitgebracht, weil Du wusstest, es dauert, bis ich mich hervorgegraben haben würde. Dann saßt Du da, ein Lächeln. Ich erwiderte es. Du wartetest. Das Lächeln verging und die Tränen kamen, aus der Wehmut und der Trauer, zunächst. Du hast auch das vergehen lassen. Das Weinen nicht zu unterbrechen, das alles aus mir herauswusch, bis Trauer und Wehmut sich in Freude wandelten, denn Du hast mich nicht unterbrochen, auch nicht mein Weinen. Dann war es still, als die Tränen weggeflossen waren. Du trocknetest meine Wangen. Ganz sanft und vorsichtig, bevor Du aufstandst und mir die Hand reichtest. Sollte ich sie ergreifen? Konnte ich mich einlassen? War das eigentlich noch eine Frage, nachdem Du Dich bereits erwiesen hattest, als jemand, der die Tränen nicht unterbricht, sondern zulässt, die Tränen und damit mich? Wo Du mich einfach ließt, wie es gerade war, da am Straßenrand, verloren und vergraben.
Weil es so war, stand ich auch auf und fasste Deine Hand. Wolltest Du Dich mit mir dem Strom entgegenstellen? Nein, das versuchtest Du erst gar nicht, sondern Du nahmst einen anderen Weg, einen, den ich bisher nicht bemerkt hatte. Oder war er noch gar nicht dagewesen? Du hieltst meine Hand, fest und nachdrücklich, während wir schweigend den Weg gingen, der offenbar unserer war. Mich herauszuholen aus dem Lärm und dem Chaos, aufatmen zu lassen und Ruhe finden. Es war der Moment, da Du mich umarmtest und ich mich nicht wehrte, weil es sich zum ersten Mal nicht nach Vereinnahmung anfühlte. Nur Behutsamkeit und Schutz und Vertrautheit, noch bevor ich Deinen Namen kannte. Es war auch nicht notwendig. Du warst der Mensch, der erste und vielleicht letzte, der mich meine Tränen weinen ließ, der mein Schweigen nicht unterbrach, der mir seine Hand reichte und mich in den Schutz seiner Umarmung holte. Mehr musste ich nicht wissen. Es gab auch nichts weiter zu wissen.
Ich habe einfach Du zu Dir gesagt, wie Du zu mir. Du und Du. Bis wir so weit waren, uns der Welt zu stellen. Miteinander, Hand in Hand, behütet und bewusst, dass nichts passieren konnte. Jetzt. So viele Kämpfe galt es auszufechten. So viel Uneinsichtigkeit zu überwinden. So viel Hass zu enttarnen und zu tilgen. Für Dich ist für alle, die sich aufeinander einlassen können, die Tränen zulassen und das Lächeln, die Stärke eines Hand in Hand und den Trotz gegen eine Welt, die anderes geplant hat. Du, als der Mensch, der mich fand und uns andere finden ließ. Miteinander, das das Gegeneinander vergisst, weil es nicht mehr notwendig ist. So bauen wir uns eine neue Welt, eine die die Gier nicht kennt und den Neid, die Habsucht und die Ausgrenzung, in einer Überschaubarkeit, die aufsehen lässt. Da gibt es nichts zu fürchten und die Tränen sind die der Freude. Das scheins Unmögliche in eine Realität zu wandeln. Und letztlich ist es ein Für Dich, immer Für Dich, Für immer und Dich.

