Mein Nachbar, ein ambitionierter Wildbiologe, war bei mir, um mir, wie er meinte, eine haarsträubende Geschichte zu erzählen, was durchaus nicht übertrieben war. Es begann damit, dass Justus, sein zahmer Rabe, den er aufgezogen hatte, nicht mehr nach Hause zurückkehrte.
„Das kam mir bereits merkwürdig vor, denn er kommt immer zurück oder besser, kam immer zurück, bloß an diesem Abend nicht“, meinte Stefan, sein menschlicher Kamerad, „Gut, dachte ich, das kann schon mal vorkommen. Trotzdem hatte ich ein komisches Gefühl. Nachdem mir das keine Ruhe ließ, ging ich ihn suchen.“
„Ich wüsste gar nicht, wo ich zum Suchen anfangen sollte“, warf ich ein.
„Das war, offen gestanden, auch mein Problem, aber ich ging los, auf gut Glück, damit ich irgendetwas tat“, antwortete mein Gegenüber.
„Und Du hast ihn nicht gefunden?“, mutmaßte ich.
„Doch, ich habe ihn gefunden“, erklärte Stefan, „Aber wie, das war das Schlimme. Ich fand eine Lebendfalle, mitten im Wald. Darin saß Justus. Offenbar hatte er dem Leckerbissen, der darin versteckt war, nicht widerstehen können. Er krächzte zum Steinerweichen traurig und dann erfreut, als er meiner ansichtig wurde. Doch das war noch gar nicht das Schlimmste, denn außer Justus waren noch drei andere Vögel in die Falle gegangen, drei Elstern. Eine war bereits tot, die anderen wirkten erschöpft. Also gab ich ihnen Wasser und ließ sie frei.“
„Ist ja unfassbar!“, erwiderte ich, „Ich dachte, das ist in Österreich längst verboten?“
„Nein, ist es leider nicht“, erklärte mir Stefan, „Zwar behaupten die Jäger*innen, dies geschieht nur unter großen Auflagen und ständiger Beobachtung, aber wie kann das dann sein, dass eine tote Elster darin liegt. Offenbar hat sich kein Mensch gekümmert darum. Außerdem handelte es sich um streng geschützte Vögel, die sofort wieder freigelassen werden müssten.“
„Dass Du da so einfach zuschauen konntest!“, echauffierte ich mich, „Ich glaube, ich hätte die Falle zerstört, erlaubt hin oder her. Das macht mich so wütend, dass man in unserem Land einfach Tiere töten darf, aus Jux und Tollerei und dazu noch so hinterlistig.“
„Genau das habe ich getan“, sagte Stefan lächelnd, „Aber da war der Jäger, dem die Fallen gehörte, ganz schnell da. Am nächsten Tag stand er, eskortiert von Polizeibeamten, zwei an der Zahl, vor meiner Tür. Er klagte mich der Zerstörung der Fallen an. Ich gab es auch zu und meinte noch, ich würde es immer wieder tun. Dann fügte ich noch hinzu, dass es nicht sein kann, dass in so einer Falle Tiere elend zugrunde gehen und sich niemand drum schert, auch nicht die Polizei, aber sobald es um Sachbeschädigung geht, stehen sie auf der Matte.“
„Völlig richtig, töten ist ok in Österreich, aber Sachbeschädigung geht gar nicht. Was für eine verkehrte Welt!“, warf ich ein, „Aber was ist dann passiert?“
„Der eine Polizist meine, das könne schon sein und ich könne mich gerne an Brüssel wenden von wegen den Schädlingen. Damit meinte er die Elstern. Woraufhin ich ihm schon erklären musste, dass das keine Schädlinge, sondern Singvögel wären“, erzählte Stefan, „Und da sagte der doch glatt, er sei Jäger und er wisse, wovon er redet. Woraufhin ich ihm schon klar legen musste, dass ich Wildbiologe sei und sicher mehr Ahnung habe als er mit seinem grünen Abitur. Das kam gar nicht gut an bei ihm. Jedenfalls wurde ich bestraft und musste Schadenersatz zahlen, während der Jäger genauso weitermachen darf wie bisher. Ich befürchte, dass er die Fallen jetzt einfach noch besser versteckt.“
„Aber das kann man doch nicht einfach so stehen lassen!“, sagte ich, „Kann man denn da gar nichts dagegen tun? Ich meine, es ist schon schlimm genug, wie bei uns gejagt wird, Baujagd, Treibjagd, Jagd auf bestimmte Tierarten ohne Schonzeiten usw., aber diese Fallenjagd gehört mit zu dem Widerlichsten, was mir je untergekommen ist.“
„Das stimmt auf jeden Fall“, gab mir Stefan recht, „Das Einzige, was Du im Augenblick tun kannst, und natürlich auch alle anderen, die dem Leid der Wildtiere ein Ende machen will, ist, das Volksbegehren für ein Bundesjagdgesetz zu unterschreiben. Es wäre ein großer Schritt nach vorne, würde die Jagdgesetzgebung endlich beim Bund liege und nicht mehr bei den Ländern. Außerdem sind das genau die Forderungen, die Du aufgezählt hast und noch einige mehr.“
„Gut, dann werde ich das tun!“, erwiderte ich, froh darüber, überhaupt irgendetwas tun zu können, „Aber wo kann ich unterschreiben?“
„Entweder auf der Gemeinde, in jeder Gemeinde in Österreich oder mit Deiner E-Signatur online“, erwiderte Stefan.
„Und wo kann ich nachlesen, was genau gefordert wird?“, wollte ich noch wissen.
„Einfach auf bundesjagdgesetz.at. Dort bekommst Du sämtliche Informationen“, erklärte mir Stefan.
Wenn Du auch dagegen bist, dass Tiere unnötig gequält und grausam getötet werden, dann unterschreib jetzt das Volksbegehren für ein Bundesjagdgesetz.

