Tierwohl? Klar, aber nur wenn …

Tierwohl? Klar, aber nur wenn ... – Aktivismus

Wir sind für Tierwohl, natürlich. Schließlich sind wir ein hochzivilisiertes Land, das auf seine Tiere schaut, nicht so wie irgendwo anders, wo sie unter schrecklichsten Bedingungen gehalten werden. Vor allem die süßen Hunde in Asien, die sie auch noch essen. Ganz zu schweigen von den putzigen Katzerln. Schämen sollten sie sich, diese ganzen Tierquäler*innen. Dass bei uns jedes Jahr Millionen von Hunden und Katzen für Tierversuche herhalten müssen, das übersehen wir geflissentlich, die genauso in Massentierhaltung gezüchtet, gehalten und ermordet werden, egal, ob sie an dem Versuch überhaupt teilgenommen hatten oder nicht. Abgesehen von den Missbildungen, die noch immer gezüchtet werden dürfen, weil sie so hübsch sind. Aber ansonsten sind wir sehr für Tierwohl.

Nun, dann dürfte es doch kein Problem darstellen, dass wir die Tiere raus aus den Ställen an die frische Luft bringen. Jedes unserer Mitgeschöpfe, die bisher in den Ställen eingepfercht, in Rekordzeit hochgemästet wurden, sollten dann raus dürfen. Das wäre doch der erste richtige Schritt in Richtung Tierwohl. Wirklich authentisch wäre es natürlich erst, wenn wir sie ganz in Ruhe ließen und aufhörten sie zu konsumieren. Aber jede Tierschutzorganisation, die tatsächlich Erfolge für unsere Mitgeschöpfe erzielen möchte, sagt zwar dezidiert, dass das das Ziel ist, aber sie wissen ebenso, dass es faktisch gesellschaftlich nicht durchsetzbar ist. Deshalb wählen sie den reformistischen Weg, den der kleinen Schritte, was natürlich auch vielen nicht gefällt. Was dafür spricht ist, dass man erreichbare Ziele ins Auge fasst und dabei natürlich über die Vorzüge einer völlig leidfreien Lebensweise hinweist. Es ist ein Kompromiss und wie man weiß, sind diese niemals optimal, aber es macht vieles möglich.

Deshalb hat der VGT die Situation der Schweine auf Vollspaltenboden bereits 2019 ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gebracht, die der Mastrinder 2023. Tatsache ist, dass Schweine nach wie vor auf Vollspaltenboden leiden, ohne Stroh, auf hartem Beton. Immerhin betrifft es 70% der Schweine in Österreich, also rund 3.000.000 Tiere, also 6.000.000 pro Jahr, da diese bedauernswerten Geschöpfe nur ein halbes Jahr zu leben haben. Dann kommt die neue Generation. Der harte Beton ist schlecht für ihre Gelenke. Die Ausdünstungen der Exkremente, über denen sie ihr ganzes kurzes Leben verbringen, führen zu Atemwegserkrankungen und Augenentzündungen. Darüber hinaus ist diesen intelligenten Tieren schlicht langweilig, so dass sie anfangen, sich gegenseitig anzuknabbern. 25% der so gehaltenen Tiere überleben diese Tortur nicht einmal bis zur Schlachtreife. Man könnte auch anders sagen, ein Viertel dieser Tiere leidet für den Mülleimer. Nun wurde ein Aus für den Vollspaltenboden in Aussicht gestellt, mit dem Jahr 2040, denn sonst wäre zu große Unsicherheit gewesen. Auf Initiative des Landes Burgenland wurde eine Verfassungsklage dagegen eingebracht und siehe da, der Verfassungsgerichtshof gab den Klagenden recht und befand die Übergangsfrist für zu lange. Nun muss der Vollspaltenboden bis 2025 abgeschafft werden. Die Protagonist*innen, die aus dem Schweineleid Profit schlagen und sich auf eine ruhige, 17 Jahre dauernde Übergangsfrist eingerichtet hatten, schreckten hoch und taten, was sie immer tun, sie zeigten sich erschrocken und malten Horrorszenarien.

Wir wollen natürlich Tierwohl, aber wenn unsere armen Bäuer*innen dazu verpflichtet werden, den Tieren Stroh zu geben, dann wird das so enorm teuer, dass die Menschen nur mehr das Fleisch aus dem Ausland kaufen, wo die Haltungsbedingungen noch viel schlechter sind als bei uns. Allerdings frage mich schon, wie schlechter es noch geht, aber das hat mir noch niemand beantwortet. Aber sie ringen sich zumindest zu der Ansicht durch.

Tierwohl ja, aber erst, wenn die Bedürfnisse der Konsument*innen berücksichtigt werden, die es sich leisten müssen, sich jeden Tag mit billigstem Schweinefleisch vollstopfen und krank essen zu können.

Tierwohl ja, aber erst, wenn die Bedürfnisse der Bäuer*innen Rechnung getragen wird, die ja so wenig wie möglich Arbeit haben sollen und viel verdienen.

Erst dann können wir über Tierwohl reden und wenn dann in Form des sog. Dänischen Systems, das nun als Tierwohlstall angepriesen wird. Dabei handelt es sich aus Sicht der Schweinebranche nicht um einen Vollspaltenboden. Das folgende Bild zeigt die Unterschiede. Wohl dem, der sie findet und meint, das reicht an Tierwohl.

So gesehen kommt das Tierwohl wann? Ja, nie. Dann sind alle andere zufrieden und die Schweine kann ja schließlich keiner fragen. Deshalb mein Apell, wer wirkliches Tierwohl will, hört auf die Tiere zu essen. So einfach ist das. Und unterstützt stattdessen die heimischen Gemüse-, Obst- und Getreidebäuer*innen.

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