Weißt Du eigentlich, dass während wir hier miteinander nett plaudern, Milliarden unserer Mitgeschöpfe Höllenqualen leiden, eingepfercht in enge, dunkle Ställe, ohne je das Tageslicht zu sehen, außer an dem Tag, an dem sie zum Schlachthof gebracht werden, sie bis zum Letzten ausgebeutet werden, ihnen alles weggenommen wird, was sie zu geben haben, weit über ihre natürlichen Grenzen hinweg, krankgezüchtet, für immer mehr Leistung?
Ich denke an die, die krank und entkräftet vor sich hinvegetieren, während Du mir von Deinen kleinen, armseligen Befindlichkeiten erzählst, weil man Dich angeblich schlecht behandelt hat, schief angesehen oder gar die Dinge beim Namen nennt, weil Dir gesagt wird, dass die Ausbeutung, die Misshandlung und das Töten geschieht, weil Du das so haben willst und weil Du Dich deshalb schlecht fühlst und schuld an dem schlecht fühlen sind die, die es Dir sagen und nicht Du, da es doch für Dich geschieht und weil sie Dir die Bilder zeigen, auf denen man sieht, wie es ihnen ergeht, den Opfern Deines Wollens und Du nun gezwungen wirst darüber nachzudenken, wo doch davor alles so einfach war, als Du es nicht gesehen hast und es Dir niemand erzählt hat.
Ich denke an die Sterbenden, während Du mir vorwirfst, dass das doch so nicht geht, dass man die Menschen, die doch alle guten Willens sind und eh fordern, dass sie ein gutes Leben haben und human geschlachtet werden, nun zur Verantwortung zieht, einfach so, wo es doch bis jetzt immer als normal und in Ordnung gegolten hat, wird plötzlich, einfach so und ohne jede Vorwarnung umgekehrt und soll von nun an tierquälerisch sein, wo es doch nur ein bisschen Fleisch ist, das Du ist, wofür ein bisschen sterben doch gerechtfertigt ist.
Ich denke an all die Geschöpfe, denen wir unseren Willen aufzwängen, während Du offenbar von mir erwartest, dass ich es abschwäche, die Vorwürfe, die durch die Tatsachen entstehen und nicht einmal durch mich, dass ich Dir vielleicht sogar noch bescheinige, dass es eh ok ist, was Du tust, weil es doch alle tun und es normal ist, nur deshalb, dass ich Deinem Tun Respekt entgegenbringe, einem Tun, das Millionen unserer nicht-menschlichen und auch menschlichen Mitgeschöpfe durch die Hölle schickt, ohne Skrupel und Tadel.
Du, die Du mit mir hier stehst, Dich von der Sonne wärmen lässt und die Du ins Haus gehen kannst, wenn es regnet, die Du nur auf Deinem WC mehr Platz hast, als diese Geschöpfe in ihrem ganzen Leben, Du erzählst mir was von Feiheitsentzug und Meinungsdiktatur und Werteverlust, wenn ich nichts weiter anspreche, als die Fakten, das Eingesperrtsein, das Getrennt-werden von der Familie, das Sterben im Jugendalter, höchstens. Nicht Deine Opfer, Du sollst mir leid tun. All das denke ich, während ich letztlich doch höflich und freundlich bleibe, weil es sowieso keinen Sinn hat, so lange Du Dich nicht darauf einlässt, ihr Leid und ihre Qualen wirklich zu sehen.
Aber egal ob Du es sehen willst oder nicht, ob Du Dich dabei schlecht fühlst oder angegriffen wähnst oder empört bist, es geschieht und es ist mir völlig gleichgültig, ob Dir das jetzt recht ist oder nicht, weil das Leiden weitergeht, egal wie es Dir damit geht, denn es geschieht andauernd und ich werde nicht aufhören darüber zu reden, die Bilder zu zeigen, weil es kaum zu ertragen ist, Deine Geringschätzung und Abwertung.
Und ja, es geschieht. Ich weiß es und Du mittlerweile auch. Und Du fragst Du allen ernstes, warum ich so ungeduldig bin? Kannst Du tatsächlich nicht nachvollziehen, dass jede Minute mit unnötigen Geplänkel vergeudet, Milliarden zu weiterem Leiden bedeutet? Nenn es extrem oder radikal oder militant oder wie auch immer Du willst, aber es drängt, da es nicht aufhört, so lange es Menschen gibt, die es andauern lassen und deshalb bin ich ungeduldig.
Und selbst, wenn ich Dir all das erzähle, kann ich sicher gehen, dass das einzige, was Du hörst und annimmst, der Vorwurf ist und meine Ungeduld. Oder gehörst Du vielleicht zu den Wenigen, die verstehen und annehmen und ihr Tun ändern. Dann war kein einziges Wort verschwendet. Nur die Ungeduld bleibt, denn es gibt noch so viele, die es nicht annehmen und denen der eigene Genuss über alles geht, für dessen Befriedigung sie im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen.

