Gerechtigkeit für alle

Gerechtigkeit für alle – Aktivismus

„Ich liebe Tiere nicht. Deshalb habe ich auch keinen Bezug zu ihnen“, höre ich immer wieder. Ich gebe zu, ich liebe auch nicht alle Tiere. Obwohl, wen liebe ich tatsächlich? Es gibt Tiere, denen ich mich näher fühle als anderen. Wohl auch, weil ich mehr über die andere Spezies weiß. Schweinen z.B. fühle ich mich verbunden. Nicht nur, weil sie zu der meistgeschundenen Spezies gehören, sondern weil sie Begegnung annehmen. Ebenso wie Hunde, Katzen und manche andere. Manche von ihnen sind domestiziert und vom Menschen so verzüchtet worden, dass sie auf ihn angewiesen sind. Dann gibt es welche, die mich faszinieren, die ich gerne beobachte, auf freier Wildbahn. Und dann gibt es eine große Gruppe, mit denen ich weder in Begegnung treten kann noch nehmen sie Notiz mit mir. Denen ist der Mensch schlichtweg egal. Das ist der Großteil

Was ich aber ganz bestimmt weiß ist, dass jedes einzelne dieser Lebewesen seinen Platz in der Gesamtheit dessen hat, was wir Natur nennen. Angefangen vom kleinsten Wurm bis hin zum Blauwal. Fällt eine Spezies aus, kommt der Rest ins Ungleichgewicht. Außer der Mensch fehlt, dann kommt nicht nur nichts ins Ungleichgewicht. Im Gegenteil, dann käme wieder das Gleichgewicht, denn überall, wo der Mensch seine Spuren hinterlässt, kommt es zu einem Ungleichgewicht. Artensterben durch Rodungen, Entwässerungen, Versiegelung, Einbringen nichtendemischer Arten und Gifte. Vor allem letztere wirken sich verheerend auf den gesamten Kreislauf aus. Ist dann einmal ein Ungleichgewicht da, d.h. nimmt eine Spezies überhand, dann wird sie beseitigt, durch Jagd, Fallenfang oder Vergiftung. Dabei wird nicht bedacht, dass diese einzelne Aktion gegen eine Art die Schieflage verschlimmert, nicht verbessert. So wurschtelt sich der Mensch dahin und hinterlässt eine Baustelle nach der anderen. Aber wenn man ihn darauf aufmerksam macht, dann soll man sich nichts antun. Das ist dann halt die Natur, die er nicht und nicht in den Griff bekommt. Wenn man nun davon ausgeht, dass man nur schützt, was man liebt, dann hieße der Umkehrschluss, wie sehr müssen viele die Natur hassen, dass sie diese so sehr zerstören.

Aber jene Menschen, die – ihrer Aussage nach – Tiere nicht lieben und damit keinen Bezug zu ihnen haben, ziehen daraus einen bemerkenswerten Schluss: „Weil ich Tiere nicht liebe, ja noch nicht mal mag, ist es mir ziemlich egal, was mit ihnen passiert oder wie sie leben.“ Was daran logisch sein soll, ist mir ein Rätsel, denn es kämen nur wenige auf die Idee, zu erklären, dass es ihnen egal ist, was mit anderen Menschen passiert, denn sie haben keinen Bezug zu ihnen. Und wenn sie sie nicht zu ihren Nachbarn haben, wie sehr erst für Menschen, die sehr weit weg leben? Dann sollte es keine Rolle spielen, ob sie ausgebeutet werden, im Krieg sterben oder verhungern, denn schließlich liebt man sie nicht. Dennoch werden die meisten Menschen diese Unrecht verurteilen, zumindest verbal.

Es geht also nicht um Liebe, die ach so wankelmütige und egozentrische, sondern um Gerechtigkeit. Weil es gerecht ist, sollten wir Tiere schützen, sie nicht besitzen oder ausbeuten, nicht weil wir uns ihnen emotional verbunden fühlen. Deshalb geht das Argument „nicht zu lieben“ völlig am eigentlichen Problem vorbei. Wenn man aber von Gerechtigkeit spricht, dann sollte es evident sein, dass es recht und billig ist, keinem Lebewesen, egal ob menschlich oder nicht-menschlich, den Lebensraum, die Kinder, die Produkte des Körpers, die Freiheit oder das Leben zu nehmen. Jedes Einzelne von ihnen hat das Recht mit Respekt behandelt zu werden. Jede Art der Ausbeutung oder Misshandlung widerspricht diesem Respekt.

Deshalb wird auch keiner verlangen, dass alle Tiere lieben zu müssen, sondern ausschließlich, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt und sie mit Respekt behandelt werden. Damit wird auch klar, dass Tierrechtsaktivist*innen eben nicht die hoch emotionalen Bambistreichler*innen sind, als die sie gerne dargestellt werden, sondern nur einfordern, was man in einer gerechten Welt als selbstverständlich sehen würde, einer Welt, die nicht ideologisch verformt und deformiert ist: Dass jedem Lebewesen zukommt, sein Leben in Freiheit nach seinen Wünschen zu gestalten. Und nicht, weil ich zufällig das eine oder andere Tier liebe, sondern weil es gerecht ist. Egal ob ihr sie liebt oder hasst oder ihnen indifferent gegenübersteht, lasst sie einfach in Ruhe und in Frieden leben, so wie sie es wollen, denn dem Tier ist die menschliche Bedürftigkeit egal. Auch das gilt es zu respektieren.

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