Heute genau vor einem Jahr ist es passiert, dass ich mich von Dir verabschieden musste, für immer. Es war völlig überraschend – und doch nicht. Ja, ich weiß, Du warst alt und krank. Nicht unbedingt eine gute Kombination. Im letzten Jahr vor Deinem Weggang hattest Du zwei schwere Operationen überstanden. Jedes Mal ist es Dir danach viel besser gegangen. Nach der ersten war es wie ein Wunder. Eine Kehlkopflähmung hatte dazu geführt, dass Du keine 100 m gehen konntest, ohne Dich auszurasten, doch Du wolltest gehen, Deiner Freude Ausdruck verleihen. Du hast es getan, um dann jedes Mal verzweifelt um Luft zu ringen. Dennoch ließt Du Dich nicht abhalten, nicht von der Freude und schon gar nicht vom Leben.
Nach der Operation konnten wir wieder normal spazieren gehen, also altersentsprechend normal. Dann wurde der Krebs festgestellt, ca. ein halbes Jahr später. Schon wieder musstest Du operiert werden. Es war Glück im Unglück, denn der Tumor war abgekapselt und ließ sich gut entfernen. Wieder hattest Du ein Stück Freiheit wiedergewonnen. Dann kam jener schicksalhafte 15. August 2022. Nichts deutete darauf hin, dass irgendetwas anders sein könnte, als die Tage zuvor. Ja, es war ein heißer Tag und Du hast Dich in eine ruhige, halbwegs kühle Ecke verkrochen, aber auch das war normal. Vernünftig sogar. Ich plante am Abend spazieren zu gehen, wenn es abgekühlt haben würde, doch Du standst nicht auf. Ich zwang Dich nicht, denn ich wusste, Du spürtest, was gut für Dich war und was nicht. Doch plötzlich, mitten in der Nacht, bist Du aufgestanden und hast geröchelt, konntest Dich nicht hinlegen. Wir fuhren mit Dir in die Tierklinik. Da haben sie Dich noch an eine Infusion angehängt. Ich war zuversichtlich, dass ich Dich in ein paar Stunden wieder mit nach Hause nehmen könnte, lebendig. Doch dann hörte Dein Herz auf zu schlagen. Einfach so. Von einem auf den anderen Moment hatte Dich das Leben verlassen. Ruhig und friedlich lagst Du da. Ich werde es nie vergessen. Als ob Du bloß eingeschlafen wärst. Ich legte meine Hand auf Deine Brust, weil ich nicht glauben konnte, was nicht zu leugnen war. Doch da war kein Herzschlag, kein Atem mehr, nur noch Stille, diese absolute Stille des Todes. Weggefahren war ich mit Dir – zurück kehrte ich ohne Dich. Der Bestatter würde Dich holen, hieß es. Dann die Einäscherung. Ich stand völlig neben mir. Es war mir, als wäre ein Teil von mir selbst gegangen. Aber wie auch nicht. Fast zwölf Jahre warst Du da und hast unser Leben bereichert. Friedlich, gelassen und voller Lebensfreude. Es war so wunderbar, Dich um mich zu haben. Du kamst zur Türe, wenn ich nach Hause kam. Es kann keine schönere Begrüßung geben. Jetzt kommst Du nicht mehr, auch wenn ich es noch immer erwarte. Dann muss ich mich selbst daran erinnern, dass das nie mehr passieren wird. Dein Polster liegt noch immer an seinem Platz, dort, wo Du am liebsten lagst. Ich sehe es noch vor mir, wie Du darauf zusteuerst und Dich dann einrolltest. An meiner Seite. Ich spüre noch Dein Fell, wenn ich darüberstrich, Dich kraulte. Es scheint, als wäre es gerade eben jetzt erst gewesen. Jetzt ist dieser Platz leer. Vielleicht gebe ich den Polster irgendwann weg. Niemand braucht ihn mehr. Noch bringe ich es nicht fertig, denn es käme mir so vor, als würde ich Dich gänzlich aus meinem Leben verbannen. Doch Du bist noch genauso präsent wie vor einem Jahr. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals anders werden könnte. Ich bin zutiefst dankbar für all die wunderbaren, gemeinsamen Jahre, auch wenn es so schrecklich weh tut, dass diese nun vorbei sind. Ich habe es von Anfang an gewusst, dass dieser Tag kommen würde. Dennoch habe ich ja gesagt, denn so groß wie der Schmerz jetzt ist, so glücklich war das miteinander. Ich bin froh, auch, über jeden einzelnen dieser Tage, die Du mit Dir erfüllt hast. Jetzt bleibt nur noch diese abgrundtiefe Leere. Dazwischen blitzen die schöne Bilder bereits durch, von Spaziergängen und Abenteuern oder einfach Miteinander sein. Es ist gut, dass Du warst. Deshalb tut es auch so unendlich weh, dass Du nicht mehr bist. Du fehlst!

