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Life is too short for boring stories

„Sybille, bringen Sie mir doch bitte noch einen Kaffee!“, bat Mara Feringer ihre Sekretärin, während sie sich eine weitere Zigarette anzündete, dem blauen Rauch ein paar Sekunden nachsah, um sich dann wieder den Unterlagen zuzuwenden, die sie vor sich auf dem Besprechungstisch in Dana Landwegs Büro ausgebreitet hatte.

„Was stimmt Dich so heiter?“, fragte Dana, als sie es endlich geschafft hatte ein langwieriges Telefonat zu beenden und nun entsprechend erschöpft in ihrem Sessel zurücksank.

„Was mich so heiter stimmt? Was mich so heiter stimmt, fragt sie?“, erwiderte Mara flapsig, „Ja was wohl. Hast Du schon mal die Zahlen gesehen? Allein im letzten Monat haben wir 300 Deiner Boys ausgeliefert, und das auch nur, weil Du sie unbedingt unnötig verknappen musst. Hast Du Dir schon mal die Warteliste angesehen? Wir haben 5.000 Vorbestellungen, und jeden Tag kommen neue dazu. Wenn wir so weiter machen sind wir bald so weit, dass die Kundin ein Jahr warten muss bis sie ihren Boy erhält. Hoffentlich überlegen sie es sich in der Zwischenzeit nicht anders.“

„Du weißt genau, dass das die einzige Möglichkeit ist um den vorgegebenen Qualitätsstandard zu halten. Davon möchte ich keinen Millimeter abweichen. Das wird auch von den Frauen entsprechend goutiert“, erwiderte Dana rundweg, „Wir haben das entsprechend kommuniziert, und die Frauen sagen, sie warten lieber länger auf ihren Boy, wenn er dann auch perfekt ist. Daran halten wir uns. Natürlich darf man nicht vergessen, dass wir all diese Boys ja vorfinanzieren müssen, und unsere finanziellen Mittel sind weiß Gott nicht unbegrenzt, auch wenn Du manchmal so tust als wäre es so.“

„Das weiß ich schon, aber auch Deine Planrechnung liegt völlig daneben, wenn ich daran erinnern darf“, entgegnete Mara entschlossen, die Spitze gegen sie geflissentlich übergehend, „Deine Rechnung war vorsichtig, so wie es sich gehört. So ein Boy kostet uns in der Erzeugung rund € 2.000,–, zumindest die Ersten. Jetzt, da wir in weit größerem Ausmaß produzieren, ist es uns gelungen die Produktionskosten auf € 1.800,– zu senken. Bei Deiner Prognoserechnung setztest Du an, dass sich die Frauen rund eine Stunde für ihren Boy Zeit nehmen würden pro Tag. Was nicht zu hoch gegriffen ist, da die Statistiken dieses Bild widerspiegeln. Dies würde Einnahmen von € 6,– pro Tag bedeuten, wodurch sich der Boy ursprünglich innerhalb eines Jahres amortisiert hätte, noch nicht gerechnet die Updates und zusätzlichen Services. Jetzt werden aber im Schnitt nicht eine Stunde mit ihm verbracht von den Frauen, sondern grandiose drei Stunden, was für uns Einnahmen pro Boy von € 18,– pro Tag bedeutet, womit sich jeder einzelne Boy bereits nach 100 Tagen rechnet. Dabei sind das nur Durchschnittswerte. Ich habe in meinen Statistiken einen Ausreißer, die verbringt sage und schreibe 8 Stunden am Tag mit ihm, gibt also € 48,– pro Tag aus. Dieser hat sich damit in rund 30 Tagen gerechnet, und der Ausreißer nach oben gibt es mehrere. Logischerweise, schließlich heißt Durchschnitt ja Durchschnitt. Natürlich schmerzt es mich ein wenig, dass wir Sandras ausufernden Gebrauch ihres Boys finanzieren, aber bitte, das war Deine Idee, da wurde ich nicht gefragt. Die Frau hat allein im letzten Monat € 1.800,– eingeworfen. Hättest Du da nicht eine Obergrenze einziehen können?“

„Du darfst nicht vergessen, dass wir es nicht zuletzt ihr zu verdanken haben, dass sich der Boy so gut verkauft, denn das haben wir letztlich nur ihrem Buch zuzuschreiben, so dass ich diese Ausgaben als Werbekosten sehe. Bei einer klassischen Werbekampagne hätten wir viel mehr investieren müssen, doch bei ihr, da wirkt das wirklich authentisch und die Leute, oder besser gesagt, die Frauen, nehmen es auch so an“, entgegnete Dana wohlüberlegt, „Doch ich rechne damit, dass dieser Aufwärtstrend nicht ewig anhalten wird.“

„Nun, wir werden sehen“, sagte Mara entschieden, „Denn wer will unter diesen Bedingungen noch einen Mann, ich meine, einen richtigen Mann?“

 

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