Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
Acht Parteien auf einem Stock.
Ein Wasserhahn fĂĽr acht Parteien
fĂĽr 30 Menschen.
Jetzt habe ich einen eigenen Hahn.
In meiner Wohnung.
Wenn ich ihn aufdrehe,
denke ich daran,
dass es nie wieder sein wird,
das Zusammentreffen am Gang
an der Bassena,
kein Austausch und kein Lachen,
keine zufälligen Zusammenkünfte,
wie damals,
als der einzige Wasserhahn am Gang war,
ein Wasserhahn fĂĽr 30 Personen auf einem Stock.
Neuigkeiten wurden verbreitet.
Hochzeiten.
Taufen.
Beerdigungen.
Große Zäsuren.
Aber auch die kleinen Sorgen und Freuden.
Immer fand sich jemand,
mit dem man sie hatte teilen können,
drauĂźen an der Bassena.
Die Kinder liefen zwischen den Beinen hindurch.
Kinderlachen, so rein und klar und durchdringend.
„Werdets ihr wohl a Ruh geben“,
hieĂź es,
„Der Herr Prikopa,
mit dem Stock
wird nochmals stĂĽrzen,
wenn ihr so ungestüm seids.“
Aber dann musste man doch mitlachen.
„Die kleine Wotrawa Franzisk
Die wird nicht mehr“,
wurde geraunt,
„Das ist schon ein Schlag,
für die Eltern.“
Merkt man an,
voller Hochachtung
aber auch froh darĂĽber,
dass es einen nicht selbst trifft.
Irgendwo ziehen die Kinder hin,
wenn sie einmal groĂź sind,
Zimmer und Kuchl-Wohnung,
auĂźer er verdient besser,
dann Zimmer-Kuchl-Kabinett.
Aber all das gibt es nicht mehr,
weil die Hähne in den Wohnungen sind
und man sich nicht mehr begegnet.
NatĂĽrlich ist es angenehm,
kommod, wie man sagt,
der Fortschritt.
Wasser steht immer zur VerfĂĽgung,
nur das Miteinander,
das gibt es nicht mehr.
So viele technische Verbesserungen,
die das Leben erleichtern,
erschweren die Gemeinschaft.
Es ist nicht mehr notwendig,
zusammenzukommen.
Zumeist kennt man seine Nachbarin nicht.
Es lohnt nicht,
Anteil zu nehmen,
auch mal auszuhelfen.
Weil man es nicht weiĂź.
Man klopft nicht einfach an eine fremde TĂĽre.
Man bleibt fĂĽr sich,
allein mit seinem Wasserhahn
und langsam gerät es in Vergessenheit,
weil die Zeitzeugen fehlen,
die noch wussten,
wie es war,
damals,
an der Bassena.
Das Leben literarisch ergrĂĽnden

Ungezähmt. Anleitung zum Widerstand


Der Weg ist das Ziel ist der Weg
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