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Life is too short for boring stories

Als wäre nichts gewesen. Unbewegt zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite am nächsten Morgen. Als wäre es niemals anders gewesen. Stumm und verlässlich war die Sonne, und die Wolken hatten sich verzogen. Dennoch hatte es etwas verändert. Es hatte seine Selbstverständlichkeit verloren und war Anlass zur Freude, auch wenn es nur ein kleines Lächeln war oder aber auch ungezwungenes ausgelassenes Begrüßen. „Seht nur, die Wolken haben sich verzogen“, hörte man allenthalben. „Und die Sonne scheint“, tönte es von einer anderen Seite. „Es ist eine Begrüßung, die uns berühren sollte, denn es kann auch ganz anders sein, wie wir erlebten“, meinte jemand anderer nachdenklich. Und es war so. Wenn man die Selbstverständlichkeit, die bedingungslose Erwartung abstreift, dann findet man wieder zur Freude über Dinge, die man vielleicht sonst nicht beachtet hätte.

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg, gingen die Hauptstraße entlang, die ich am Abend zuvor bereits inspiziert hatte. Das Bild hatte sich verändert. Der Abend vermittelt eine andere Stimmung als der Morgen. Der Morgen ist, getaucht in den sanften Schein der Sonne, die sich auf den Weg machte, so wie wir, eine Verheißung und ein Angebot. Was er uns wohl bringen wird, dieser Tag? Was sich uns auf unserem Weg zeigen wird? Lassen wir uns doch einfach darauf ein, je für sich, und dennoch im Gemeinsam.

Gemeinsam ergriffen wir dieses Geschenk, das auch dieser neue Tag bedeutet. Der Schlaf hatte uns umschlungen gehalten und wieder freigegeben. Nicht einmal das versteht sich von selbst. Manchmal wird jemand im Schlaf behalten. Der neue Tag wird ihm nicht mehr, und jedes Mal, wenn sich die Umschlingung auflöst und wir dieses Neue als Geschenk dargereicht bekommen, ist es wie ein kleiner neuer Beginn mitten im Leben. Wieviel verschenken wir, wenn wir nichts weiter damit anfangen zu wissen als zu jammern und zu lamentieren? „Es ist doch wieder bloß eine Mogelpackung“, bekomme ich dann gesagt, oder „Was kann denn nur an einem Montag – wahlweise kann auch jeder andere Wochentag eingesetzt werden – gut sein?“ Dabei hat doch der Tag an sich, jeder einzelne davon, ganz gleich wie wir ihn einteilen, das Potential der schönste unseres Lebens zu werden, doch wenn wir allein die Möglichkeit von uns weisen, dann wird er es mit absoluter Sicherheit nicht. Der Tag selbst trägt nur das Potential in sich. Ob wir es ausschöpfen oder nicht, das liegt allein an uns. Niemand ist dafür verantwortlich, außer uns selbst. Aber vielleicht fällt es auch einfach leichter sich einzulassen, wenn sonst nichts fordert und nichts beschwert, wenn man weitab von allen Verpflichtungen. Eine Ausnahmesituation, wenn man aussteigt aus der Alltäglichkeit, doch was hindert daran dieses Erfahren mitzunehmen. Auch wenn es nur ein kleines Stück davon ist, dann haben wir schon viel gewonnen. Ein kleines Glück und ein wenig mehr Zuversicht, inmitten einer Welt, die die Zuversicht verloren hat und an das Glück nicht mehr glaubt, weil sie meint, dass Glück immer groß und übermächtig und atemberaubend sein muß. Doch das ist es nicht. Es kann klein und unscheinbar sein, wie die Blüte, die zwischen Grashalmen durchblitzt und nur gesehen wird, wenn man sich Zeit nimmt und ganz genau hinsieht.

Gemeinsam begannen wir einen neuen Weg, den noch niemand von uns zuvor gegangen war. Und wir traten ihn an, offen und voll Zuversicht, jeder für sich, und allem im Gemeinsam. Der Beginn war vielversprechend. Und als wir die Kirche betraten, aus dem Licht in das Dämmerlicht, zart durchflutet von den Farben der bemalten Fenster, die auch die Sonne zum Leben erweckte, vom Warmen ins Kühle, von der Offenheit in die Behaustheit, unserer Freude und unserer Zuversicht Ausdruck zu verleihen, bei dem Du, das mehr als alles ist. Und da wurde die Freude und Zuversicht nochmals von etwas Größerem umgriffen und verstärkt, mitnehmend und lebend. Einladung und Aufforderung in einem. Ein weiterer Zugang zum Glück.

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