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Life is too short for boring stories

„Das ideale Muttertagsgeschenk“ oder „Schenk zum Muttertag das Besondere“ oder „Keine Idee, was Du zum Muttertag schenken kannst? Dann bist Du hier genau richtig“. Wenn solche oder ähnliche Anzeigen gehäuft erscheinen, dann muss man kein*e Hellseher*in sein, um zu wissen, jetzt steht er wieder mal ins Haus, der Muttertag. Und die Verzweiflung scheint groß zu sein. „Was soll ich meiner Mutter bloß schenken? Weißt Du noch, was ich ihr voriges Jahr geschenkt habe? Verdammt, war der Muttertag nicht eben erst?“, wird da getönt, und es mag so scheinen, als wäre es gerade eben erst gewesen, ist doch nur mal ein Jahr vergangen. Was für eine Mühe. Doch zum Glück gibt es all diese tollen Angebote. Irgendetwas findet sich schon. Man bestellt bequem online, lässt es sich liefern und schon ist die Sache wieder erledigt und man kann sich den wichtigen Dingen des Lebens widmen. Aber soll das der Sinn von Muttertag sein? Worum geht es am Muttertag?

Ich möchte mich gar nicht erst auf die Geschichte dieses Tages einlassen, ob er nun von den Nazis kommt oder nicht. Dazu wurde schon viel geschrieben. Doch auch ohne geschichtliches Hintergrundwissen, fühlen sich die meisten bemüßigt, ihn zu feiern. Deshalb ist es wichtig, ein Geschenk mitzubringen, um der lieben Mama vorzugaukeln, dass man ständig an sie denkt und sie lieb hat. Ginge Liebe tatsächlich über Konsumartikel, würde die Welt vor Liebe übergehen, so viel, wie ständig konsumiert und verschenkt wird. Aber stimmt das bei einem rasch, irgendwie getätigten Onlinekauf oder den an der Tankstelle um halb zehn am Vormittag an eben jenem Tag besorgten Blumen, weil man schlicht vergessen hat, trotz aller, noch so aufdringlichen Werbung? Lässt sich darin auch nur die geringste Wertschätzung erkennen?

Die Wirtschaft liebt diesen Tag. Schließlich muss man vor allem eines an diesem Tag, konsumieren. Aber das heißt nicht viel. Die Wirtschaft liebt auch Valentinstag und Halloween und – für die, die es gerne traditioneller haben – Allerheiligen. Sie hat sich darauf eingestellt, den speziellen Wünschen von Müttern gerecht zu werden und den entsprechenden Umsatz zu lukrieren. Dabei ist es der Wirtschaft letztlich völlig egal, was da drauf steht oder für welchen Zweck gekauft wird, Hauptsache, es wird gekauft. Das ist sinnvoll und nachvollziehbar. Aber ist es auch das, was sich die Mütter wünschen? Natürlich gibt es auch hier solche, die das wollen und noch viel mehr. Sie erwarten sich nichts weiter, als beschenkt zu werden. Dabei gehen sie so weit, auch vom Ehemann ein Muttertagsgeschenk einzufordern. Auch das ist legitim, wenn man sich mit den materiellen Dingen zufrieden gibt, von den lieben Anverwandten auch nichts anderes erwartet, möglicherweise nichts anderes zu erwarten hat. Doch mir ist das zu wenig.

Mutter zu sein ist eines der schönsten Dinge der Welt. Einen Menschen in das Leben zu begleiten, ihn aufwachsen zu sehen und mitzuerleben, wie er sich entwickelt, ihm Vertrauen in eben jenes Leben zu schenken und die Freiheit, es nach eigenem Gutdünken zu gestalten. Es ist wunderschön, aber auch belastend. Niemals verlässt einen die Sorge, denn mit diesem neuen Wesen, ersteht eine Liebe, die man nie für möglich gehalten hat, die es ohne diesen Menschen nicht gäbe. Überwältigend und ehrfurchtsgebietend zugleich. Ganz gleich wie alt das „Kind“ wird, immer wird man sich um sein Wohlergehen sorgen. Das Schwierigste ist wohl, los- und ein eigenes Leben führen zu lassen. Schwer, aber unumgänglich, denn schließlich wünscht man sich als Mutter nichts anderes, als ein erfülltes, geglücktes Leben für die Menschen, die einen zur Mutter machten. Deshalb will ich keine Geschenke, sondern eine lebendige Verbindung, die bleibt, auch wenn die erwachsenen Kinder weit weg, möglicherweise selber Eltern sind. Ich wünsche mir, dass sie wissen, dass ich für sie da bin und vor allem, wo sie willkommen sind, dass sie gerne wieder „nach Hause“ kommen, vielleicht auch am Muttertag, aber auch an jedem anderen Tag. Ich wünsche mir, dass die Beziehung wächst, angepasst an das jeweilige Lebensalter und deren Herausforderungen. Ich wünsche mir, dass wir gerne zusammen sind, nicht, weil Muttertag ist, sondern weil es einfach gut tut. Denn das ist das schönste Geschenk, aber dazu brauche ich keinen Muttertag.

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