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Life is too short for boring stories

Packt den Koffer,
streicht die Decken glatt,
entstaubt die Kommode,
zerschneidet das letzte Band,
setzt den Hut auf den Kopf,
fasst rechts den Koffer,
links den Türknauf,
erzwingt hinzusehen,
um zu schließen,
noch ein Blick,
stehend in der offenen Tür,
Licht durchflutet den Raum,
Stille in der Rohfassung,
unplugged, unzensiert,
bereit zu gehen,
Staub wirbelt
im letzten Strahl
des Untergehenden,
der Vorhang zur Seite geschoben,
lassen, bleiben lassen,
Wände schlucken das Echo,
die letzte Chance sowieso,
unleugbar verwehrend,
dem Gedenken
und dem Vernehmen
und dem Erleben
und selbst dem Erahnen,
bereit zu schließen.

Rittlings heißt es,
rittlings über dem Grabe,
weht mir die altbekannten Worte,
längst vergessen geglaubt,
Rittlings über dem Grabe geboren,
und
ich sehe mich nicht darin,
ich bin die Gebärende
und das Grab
und selbst die Zange
und es tut was mit mir,
das Gelesene,
die Geschichten,
getragen von Klängen und Melodien,
lässt die Wände bersten,
des Raumes und der Zeit,
weit mehr als Imagination,
nicht einmal Magie,
ist wie die Ruhe inmitten des Orkans,
wie ein Tanz auf dem Drahtseil,
bin der kalte Novemberregen,
und das Bett aus Rosen,
bin das Koks in Deiner Spritze
und das Flugzeug in Deinem Bauch,
bin Deine vertrocknete Zunge
und der ungerührt fließende Fluss,
bin die Träne des leise weinenden Kindes
und der Stern in der dunklen Nacht
und es tut etwas mit mir,
die Worte,
die ich lese,
packt den Koffer,
zerberstende Wände,
es tut etwas mit mir,
die Musik,
die ich höre,
streicht die Decken glatt,
Geschichten,
gesungen und erzählt,
verstanden,
nicht nur im Kopf,
sondern mit mir selbst,
Verstehen sein,
Pegasus zu satteln
von ihm forttragen zu lassen,
und erneut herabzugleiten
mit den Flügeln des Ikarus,
nicht zu nahe an die Sonne,
und wenn ich stürze,
erhebe ich mich neu,
wie Phoenix aus der Asche,
grenzenlos,
fasst rechts den Koffer,
links den Türknauf,
zu schließen, abschließen,
den Raum, mit den Vorhängen
und den glattgestrichenen Decken
und der entstaubten Kommode,
und dem zerschnittenen Band,
unverändert, teilnahmslos,
denn die Musik und die Worte,
sie tun was mit mir.

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