Dies ist der erste Teil einer epischen Serie. Verfolge das Abenteuer weiter!
Ihr Kopf sinkt nieder. Sie schlieĂt die Augen. Zu ihrer letzten Nacht. Sie weiĂ es nicht. Kann sie auch nicht, aber sie fĂŒhlt es. Ihre letzte Nacht in Gefangenschaft. Ihre letzte Nacht vor der Freiheit des Todes. Sie wird hinausgefĂŒhrt werden. Kurz wird sie einen Blick auf die Sonne werfen. Das Gras. Die Weite. Das erste Mal. Das letzte Mal. Dann wird man sie auf den Transporter treiben. Sie wird bereits so erschöpft sein, erschöpft von einem Leben des Leidens und des Schmerzes, in dem sie kaum einen Schritt vor oder zurĂŒck gehen konnte, dass sie diese paar Meter nicht schaffen wird.
Sie wird zusammenbrechen. Dann wird jemand den Strick packen und sie hinaufschleifen. Sie wird sich nicht wehren. Niemals hat sie sich gewehrt. Geschehen lassen. In jedem Moment voll Hoffnung. Trotz allem. Worauf auch immer. Auch wenn sie es nicht benannte. Nicht benennen konnte. Bis zum Schluss wird sie auf einen Ausweg warten. SĂŒĂ wird das Gras duften. Die Sonne wird ihren wunden Körper wĂ€rmen. FĂŒr ein paar Momente. Die Laderampe mit den scharfen Rillen, ĂŒber die sie brutal gezogen wird, wird tiefe Furchen auf ihrem zerschundenen Leib hinterlassen. Sie wird es nicht wahrnehmen, weil ihr ganzer Körper schmerzt. Es wird nicht mehr darauf ankommen. Beim Entladen wird sie es nochmals versuchen, aufzustehen. Wenn es ihr gelingt, wird sie erhobenen Hauptes durch die engen GĂ€nge gehen, hin zu ihrer Hinrichtung, die es eigentlich nicht ist, denn mit einer Hinrichtung ist ein Ritual verbunden. Massensterben im Akkord. Wenn sie GlĂŒck hat, wird der Schuss, der sie betĂ€ubt, sitzen. Viele haben kein GlĂŒck und erleben das Ausbluten bei vollem Bewusstsein. Es wird nach Angst und TrĂ€nen riechen. Schreie dröhnen durch den Raum. Sie werden widerhallen von den WĂ€nden. Es wird kaum auszuhalten sein. Auch wenn es kaum mehr einen Unterschied machen wird. Doch so lange das Leben sich regt, wird es mit aller Unerbittlichkeit darauf drĂ€ngen, zu bleiben. Trotz der AbsurditĂ€t. Wegen der AbsurditĂ€t?
Mit geschlossenen Augen liegt sie, ihrer letzten Nacht entgegendĂ€mmernd. Das Baby, das sie war, steht wieder in der Box. Sie hat so entsetzlich gefroren. Auch wegen der WinterkĂ€lte und des Windes. Mehr noch wegen der Einsamkeit. Ein paar Tage lang hatte sie geschrien. Warum hatten sie sie von ihrer Mutter weggebracht? Sie musste doch ganz in der NĂ€he sein, denn sie hörte ihre Klagelaute, die zwischen all den anderen erkannte. Dennoch durfte sie nicht zu ihr. Sie verstand es nicht. Es gibt daran auch nichts zu verstehen. Momente, die so absurd und grotesk sind, dass sie jenseits aller Möglichkeit liegen sie nachzuvollziehen. Momente der Matrix entsprungen. Doch so real und normal, dass sie die GleichgĂŒltigkeit geradezu provozieren. Eine kleine Box. Davor ein Zaun. Sie stand drauĂen und streckte die Zunge heraus. Schneeflocken landeten darauf. Es war ein bisschen wie saugen. Sie hatte Freude an diesem Spiel. FĂŒr eine kurze Weile. Dann hörte sie wieder die Klagelaute und zog sich in die Box zurĂŒck, rollte sich ein. Ganz klein machte sie sich, als könnte sie der KĂ€lte und der Einsamkeit entkommen. SpĂ€ter, als sie nicht mehr saugen wollte, kam sie zu den anderen Kindern. Wieder in eine Box. Diesmal gröĂer. Als sie dann groĂ genug war, kam sie in eine andere Box, bekam einen Strick um den Hals und stand, immerfort, am selben Fleck. Eines Tages kam einer, der steckte seinen ganzen Arm in ihre Vagina. Es ging vorĂŒber. Dann fĂŒhlte sie zum ersten Mal das Leben in ihr. Ein Baby wuchs in ihren Körper heran. Neun Monate lang war es in ihr. Ein schĂŒtzender Hafen. Der einzige, den sie in ihrem ganzen Leben haben wĂŒrde, unbehelligt und zufrieden, aber auch unbewusst.
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Wenn man sich auch den Text einlĂ€sst, wird man nicht mehr umhinkommen, wahrzunehmen, was wir mit unserer Form der „Nutztierhaltung“ fĂŒr ein unendliches Leid ĂŒber unsere Mitbewohner auf dieser Erde bringen und auch mit welcher Arroganz und GleichgĂŒltigkeit wir unsĂ€gliches Leid nicht nur ĂŒber diese Tiere bringen, sondern es auch noch als „gottgegeben“, „notwendig“, „notgedrungen“, oder wie auch immer, in Kauf nehmen.
Wenn man sich wirklich darauf einlĂ€Ăt, sollte man nach leidfreien Alternativen zu unserer ErnĂ€hrung, fĂŒr unseren GenuĂ suchen und schluĂendlich sich nicht nur alibihaft vegetarisch ernĂ€hren, sondern vegan leben.
Denn nur dann kann man nicht nur den Tieren, sondern auch sich selber wirklich helfen und die eigene Verantwortung fĂŒr unsere Welt ĂŒbernehmen,
Danke fĂŒr diesen Text.
Ich freue mich, dass der Text so angekommen ist. Danke Dir!