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Life is too short for boring stories

In Zeiten wie diesen, nimmt man sich dieselbe für Dinge, die man sonst aus Mangel an jener, unterlässt. Aus Zeitgründen begründeter Zeitmangel für zeitintensive Verrichtungen. Wie z.B. in die Badewanne gehen. Mag man sich jetzt nicht auf eine ökologische Diskussion einlassen, wie den Wasserverbrauch, der natürlich bei meiner Entscheidung, „Lasse ich laufen oder nicht“, gemeint ist natürlich das Wasser in die Wanne, so bleibt nur noch Ersteres, es zu unterlassen. Wenn man aber nun die meiste Zeit zu Hause verbringt, man dann auch noch durchfroren vom Hundespaziergang im Schnee zurückkehrt, dann wird das Nachdenken darüber schon etwas ernsthafter, was sogar so weit gehen mag, dass es eine Handlung zur Folge hat. In dem Fall die Betätigung des Wasserhahnes.

Natürlich könnte ich jetzt die Information nachreichen, dass ich mir just an diesem Tag den Finger, man bedenke, den linken Zeigefinger, was bei einer schreibenden Tätigkeit nicht unbedingt von Vorteil ist, also bei einer tastaturschreibenden Tätigkeit, verstaucht hatte und mit mir eine Migräne aufstand, die mir den ganzen Tag treu und redlich zur Seite stand. Es gibt doch noch Verlässlichkeiten im Leben. In Zeiten wie diesen jedoch, womit wir wieder beim Ausgangspunkt sind, ist es ganz und gar nicht angebracht über Migränen oder verstauchte Finger zu sprechen. „Echt jetzt? Das sind die Sorgen, die Du jetzt hast? Gerade jetzt, da wir eine Pandemie am Hals haben?“, braucht mir niemand zu sagen, denn das weiß ich selbst. Ich lamentiere auch nicht, sondern erzähle es nur der Vollständigkeit halber, damit man sich besser in die Situation hineinversetzen kann, in der ich mich befand, als ich nicht nur beschloss den Wasserhahn zu betätigen, um das Badewasser einzulassen, sondern auch hoffte, dass es meinen Schmerzen ganz besonders mies ergehen möchte. Während sich die Badewanne langsam füllte, entledigte ich mich meiner Kleidung, was mir als durchaus angebracht erschien, denn schließlich kommt das Wasser definitiv besser an die Haut heran, wenn man sich aller Barrieren entledigt.

„Hey, Du gehst in die Badewanne“, ließt Du Dich unvermutet von der Türe her vernehmen. Du scheinst es zu riechen, wenn ich mich meiner Kleider entledige, so wie ein Hund das Leckerli. Dezent schnüffelte ich an den soeben abgeworfenen Textilien, doch sie müffelten nicht. Daran konnte es nicht liegen. Vielleicht hast Du einfach einen siebten Sinn dafür.

„Bitte nicht so laut! Denk an meine Migräne“, entgegnete ich, um ungnädig hinzuzufügen, „Und nein, ich will nur zusehen, wie das Wasser läuft und es sieht sich nackt besser.“

„Soll das heißen, ich soll Dir nicht Gesellschaft leisten?“, fragtest Du, in aller, nur Dir möglichen, naiven Einsicht.

„Genau das soll es heißen“, gab ich unmissverständlich zurück, „In meinem Kopf hämmert es, als wäre ein Dutzend Presslufthämmer am Werk und mein Finger schmerzt. Ich will einfach nur meine Ruhe haben.“ Du schienst es verstanden zu haben, denn Du verschwandst tatsächlich, ohne ein weiteres Wort. Das hätte mich unter normalen Umständen wohl irritiert, aber hier verzichtete ich aufgrund mentaler Einschränkung darauf, denn wenn man Kopfschmerzen hat, dann ist die ganze Welt Kopfschmerz. Das gilt natürlich wahlweise auch für Zahn- oder Ohren- oder Halsschmerzen. Man darf an dieser Stelle kreativ sein und einsetzen was man will. Aber zumindest konnte ich den Wasserhahn wieder schließen und mich vorsichtig in das warme Wasser gleiten lassen, den linken Zeigefinger streng nach oben haltend, auch wenn ich jetzt nicht erklären könnte, warum ein verstauchter Finger nicht nass werden dürfte. Ich tat es trotzdem. Das Wasser umfloss mich angenehm, so dass ich die Augen schloss und die Presslufthämmer in meinem Kopf zwar nicht Pause machten, aber zumindest einen Gang herunterschalteten, als hätten sie ein klein wenig Erbarmen und schenkten mir ein paar Momente der Erleichterung, doch diese hielt nicht lange vor, denn eine Berührung, eine unvermutete, ließ mich hochschrecken.

„Du kannst es wirklich nicht lassen!“, fuhr ich Dich an, denn die Hände auf meinen Schultern, konnten nur Deine sein. Tatsächlich standst Du nackt hinter mir, meine vorherige Anweisung völlig ignorierend.

„Ich komm nur kurz zu Dir hinein und wenn es unangenehm ist, dann gehe ich sofort wieder heraus“, schlugst Du mir vor. Ich beschloss es zu versuchen, so dass Du zu mir ins Wasser glittest, hinter mir. Sobald Du begannst meine Schultern zu massieren, ganz sacht, überlegten sich meine Kopfschmerzen, dass sie sich doch langsam verabschieden könnten und was blieb war nur das angenehme Gefühl Deiner Berührung.

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