Sensationelle Entdeckung, der Homo Rapax

Sensationelle Entdeckung, der Homo Rapax – Alle Geschichten

Lange Zeit dachten die Anthropologen, der Homo Sapiens Sapiens sei die höchstentwickelte Art Mensch. Dies gilt immer noch. Der Mensch hat als aufrechtgehender nackter Affe das größte Gehirn unter den Primaten und kann sich dementsprechend bezeichnen. Was die neueste Entdeckung allerdings so sensationell erscheinen lässt ist der Widerspruch zu jeder bisheriger Lehrmeinung, denn alle Wissenschaftler*innen waren sich einig – was selten genug vorkommt -, dass es in der Evolution immer nur eine Weiter- aber keine Rückentwicklung gibt. Nun wurde, inmitten des Dschungels einer Großstadt der Mensch entdeckt, der sich weit vom Homo Sapiens Sapiens entfernt hat. Kurz überlegten die Herren und Damen aus dem Elfenbeinturm, die zum Einfangen dieser Spezies speziell ausgebildete Fänger engagierten, diesem zumindest ein Sapiens zu lassen, doch das würde nicht der Realität entsprechen. Deshalb erhielt der den stimmigen Namen Homo Rapax, der Mensch Raubtier.

Dass der Mensch als solcher zur Gattung der Tiere, nicht der Pflanzen, der Pilze oder sonstiger gehört, stand schon davor fest. Die bisher vorherrschende Menschengattung, die sich als denkend versteht, war so im Vordergrund, dass der Homo Rapax nicht so auffiel. Dennoch, es gibt ihn. Die bisher untersuchten Exemplare brachten Bemerkenswertes zum Vorschein. Große Fangzähne erhoben sich aus dem Gebiss, also groß im Vergleich zu anderen. Die Mahlzähne waren unterentwickelt oder nicht vorhanden, wobei die Zahnhygiene nicht vorhanden war. Diese Zähne scheinen angetan, das Fleisch aus dem Beutetier, einem großen, mit dicker Haut, wie z.B. einer Maus herauszureißen. Deshalb waren die Jagdfähigkeiten auch erstaunlich ausgebildet. Mit einem Präzisionsgewehr vermochte er einen vor sich stehenden Treiber direkt ins Gesicht zu schießen. Aber auch die kultivierten, ungeschnittenen Nägel waren bereits zu Krallen verknöchert. Das überaus gute Sehvermögen im Dunklen, denn mit ausgestreckten Händen fand er fast anstandslos und ohne gröbere Unfälle bis zum Kühlschrank und wieder zurück auf die Couch vor den Fernseher. Spannend ist auch der radikal verkürzte Darm. Die aus dem Körper des zu fressenden Tieres gerissenen Fleischbrocken werden ungekaut hinuntergeschlungen und in diesem kurzen Darm schnellstens verdaut werden. Deshalb haben sie eine olfaktorische Vorliebe für frisches und altes Fleisch, also Leichenteilen, denn durch diese innere Anordnung können Giftstoffe schnell wieder ausgeschieden werden. Mit ausgesprochener Beharrlichkeit bejagt er das Supermarktregal mit den tierischen Produkten, wobei ihm seine feine Nase hilft. Licht einzuschalten wäre eigentlich gar nicht notwendig, aber es gehören eben nicht alle dieser Gattung an. Nun wird diesen Menschen oft vorgeworfen, sie äßen zu viel Fleisch. Das war legitim, so lange man nicht über diese sapienslose dafür rapaxierte Bescheid wusste. Wir haben also diesen Menschen schrecklich Unrecht getan. Aufgrund der atavistischen Entwicklung hat sich sein Sprachvermögen zurückentwickelt. Bezeichnend für ihn sind Aussagen wie: „Fleisch ist mein Gemüse“ oder „Lecker Steak“ oder „Ich brauche meine Fleisch-Vitamine“ oder, das ist der beliebteste, „Es schmeckt so gut“. Das sind allerdings schon die weiterentwickelten unter ihnen bzw. die weniger atavistischen. Manche können nur „Mjam, mjam, schmatz, schmatz“, begleitet oft von einem demonstrativen Kratzen an den Hoden.

Also, wenn ihr nächstens jemanden trefft, der angesichts eines veganen Hinweises Schaum vorm Mund steht oder er sich gerade noch die Blutspuren vom Gesicht wischt, dann wisst ihr, nein, das ist kein Mensch, der sich nicht wäscht, sondern einer, der aufgrund seiner Gattungszugehörigkeit einfach nicht anders kann, denn er ist ein Homo Rapax. Was natürlich für viele ein gefundenes Fressen ist, denn wenn ihm nächstens wer kommt, er solle doch weniger Fleisch essen, dann kann er sagen, dass er gar nichts dafür kann, denn es liegt einfach in ihm. Viele solche Menschen sind mir bei meiner Aktivist*innentätigkeit schon untergekommen. Seit ich nun um diese Umstände weiß, werde ich sie entsprechend behandeln, denn man kann schließlich nicht aus seiner Haut bzw. seinen körperlichen Vorgaben ausbrechen. Es ist zwar noch nicht ganz geklärt, wie viele es von ihnen gibt, da die Übergänge oft fließend sind, so dass die reine Form nur selten auf freier Wildbahn vorkommt, aber desto mehr Abstufungen. Diese jedoch findet man gehäuft in politischen Ämtern, sonstigen Führungspositionen und bei Meinungsmacher*innen. Sehr gerne frönen sie Hobbies, die ihrer natürlichen Veranlagung entgegenkommt, wie Jäger*innen und Fischer*innen. Gerne ergreifen sie auch Berufe, bei denen Tiere – in welcher Form auch immer -gemeuchelt werden, bis hin zu Wissenschaftler*innen, die Experimente mit Tieren machen. Sie können allerdings nichts dafür.

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