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Life is too short for boring stories

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, lässt Johannes (14,6) in seinem Evangelium Jesus sagen. Der Weg, den wir gehen, die Wahrheit, die wir verkünden und das Leben, das wir achten sollten. Doch die meisten Christen, egal ob in der Hierarchie oben oder unten, scheren sich nicht darum. Doch was haben die Christen schon mit Jesus zu tun? Aha, den Weg ist er gegangen? Das kann schon sein, aber das ist mir zu mühsam. Sie hören die Botschaft, jeden Sonntag, verlassen die Kirche und machen es ganz anders. Denn was ihren Weg säumt, sind die Verlogenheit und der Tod.

Abraham war es, dem Gott höchstselbst ein Opfer abforderte. Zunächst sah es danach aus, als müsste Abraham seinen Sohn Isaak darbringen. Doch im letzten Moment hatte es sich Gott anders überlegt und ein Widder wurde hingerichtet. Es bleibt zwar nach wie vor die Frage, warum Gott es verlangen sollte ein Lebewesen seiner Schöpfung zu töten, aber es gilt auf jeden Fall als den Hinweis, dass die Menschenopferperiode abgeschafft wurde und nun Tieropfer an deren Stelle treten. Ein Fortschritt, wenn auch ein eher fragwürdiger. Die Hierarchie wird zementiert. Gott fordert, so umschreibt es der Mensch, und der gute Mensch gehorcht, der das Tier in aller Selbstverständlichkeit als einen Gebrauchsgegenstand sieht, dem er das Leben nehmen darf, egal aus welchen Gründen. Denn jemand anderen das Leben zu nehmen, grundlos und bloß zum eigenen Vorteil, kann keine andere Rechtfertigung finden, als das eigenmächtige Überheben über die anderen Geschöpfe. Letztendlich ist der Grundtenor immer das Fortschreiben der hierarchischen Strukturen, bis sie sich so tief verankert haben, dass keine Frage mehr gestellt wird.

Und dann kam einer, der auszog, genau das zu hinterfragen, der nicht den freien Mann in den Vordergrund stellte, sondern Frauen und Männer, ganz gleich welchem sozialen Stand sie angehörten oder welcher Ethnie sie sich zurechneten. Er war und ist einer von ihnen. Er holte sie zu sich und wies niemanden ab. Ganz im Gegenteil, er stand dafür ein, dass es keinen Unterschied in der Wertigkeit gab, wenn er dafür angegriffen wurde. In all seinem Tun hebelte er die angeblich gottgegebene Ordnung aus, stellte sich an die Seite der Armen und Schwachen und Entrechteten. Damit zeigte er die verlogene Scheinheiligkeit auf, die hinter der Fassade von Moral und Wohlanständigkeit verborgen war. Der Vorhang im Tempel zerriss, symbolisch für das Entfernen der Decke, die über die sorgsam gehüteten Geheimnisse einer korrumpierten Gesellschaft, gebreitet war, über Machtmissbrauch, Gewalt und Päderastie. Und er nannte sich Jesus, der Christus. Doch zuletzt vollendete er das, was mit Abraham eröffnet wurde, die Periode der Tieropfer. Denn er selbst war das Lamm, das letzte Lamm, das geschlachtet wurde. In ihm selbst ward die hierarchische Ordnung aufgehoben und sollte für immer vernichtet werden. Es sollte nur mehr das Leben geben, denn er selbst hatte den Tod stellvertretend auf sich genommen und überwunden. Jedes Jahr zu Ostern wird zumindest dieser Teil der Botschaft verkündet. Das Lamm, das für uns geschlachtet wurde, dass wir das Leben finden und die Freiheit. Jedes Jahr aufs Neue wird es erzählt, aber offensichtlich nicht gehört, und wenn es gehört wird, dann wird es nicht verstanden.

Denn die Botschaft vom Leben, ohne Hierarchie und in Freiheit für alle, verschwindet bereits beim Verlassen der Kirche. Amtsträger sind höhergestellt als normale Gläubige, Gläubige höher als Ungläubige, Männer höher als Frauen und Menschen höher als Tiere. Mit aller Selbstverständlichkeit wird das Opfer, das Jesus mit sich selbst brachte, vernichtet, zerstört und ad absurdum geführt. Statt die Hand, die gereicht wird, anzunehmen, die Liebe ins Leben zu führen, die die ganze Schöpfung umfasst, wird munter weiter vergewaltigt, gemordet und misshandelt, auch in seinem Namen. Und dennoch fällt es ihnen leicht, sich wohlwollend selbst auf die Schultern zu klopfen und sich zu belobigen, was für gute Menschen und Christen sie doch sind. Dabei sind sie gerade mal in der Geschichte Abrahams angekommen, wenn nicht gar dahinter zurückgefallen. Menschen, die nicht ins Bild passen, warum auch immer, werden geopfert und vernichtet. Nicht auf einem Altar, aber durch Ausgrenzung und Marginalisierung.

Das Opferlamm, das letzte, das kein weiteres Opfer mehr erfordert, sondern die allumfassende Freiheit zum Leben eröffnet, wurde und wird ignoriert, genau dort, wo sie ständig weiterverbreitet wird. Und so ist das Fest, das das des Lebens sein sollte, eine Orgie aus Blutrausch und Vernichtung, der Zerstörung von Familien, bei der millionenfach den Müttern die Kinder weggenommen werden, geborene wie ungeborene. Und das Schlimmste daran ist, ihr seht es noch nicht einmal. Und während Jesus aus seinem Grab aufersteht, macht ihr euren Körper zu einem Grab, dem eurer Mitgeschöpfe und letztlich auch zu seinem. Das ist das wahre Osterfest.

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