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Life is too short for boring stories

Ein Musikant ist er und wollte auch nie etwas anderes sein. Ganz zu Anfang dachte er noch darüber noch. Musiker war ihm zu wenig. Das zentrierte zu sehr auf die Tätigkeit an sich. Troubadour, das war ihm auch durch den Kopf gegangen, aber bei dem Wort stand ihm ständig das Bild eines schmachtenden Jünglings vor Augen, das seiner Angebeteten Ständchen brachte. Das war er ganz bestimmt nicht. Er war ein ganzer Mann. Was man eben so für einen ganzen Mann hält, wenn man gerade mal 18 ist und sich zugesteht, die Welt wartet nur auf mich. Aber ein Musikant, das war in seinen Augen einer, der sein Instrument packt und hinaus geht in die Welt. Jeden Tag an einem anderen Ort. Jeden Abend auf der Bühne, und dazwischen ein paar CDs aufnehmen. Außerdem hatte er sehr bald heraußen, dass die Mädchen ganz von selbst kamen, wenn man ein Instrument beherrschte und auf der Bühne stand. Man musste sich nicht anstrengen. Das passierte ganz von selbst. Frei und ungebunden, immer auf der Suche nach einem Mehr an Leben, das war es was er wollte und was er machte.

„Es mag ja recht sein“, wurde sein Vater nicht müde zu wiederholen, „Aber Du wirst sehen, auf die Dauer ist es nicht das Richtige.“

Aber warum sollte es nicht das Richtige sein, wenn es sich für ihn richtig anfühlte. Schließlich lebte er sein eines Leben so wie es sein sollte – es gab kein anderes, auf das man seine Träume und Wünsche verschieben konnte. Man musste sie verwirklichen oder es bleiben lassen. Es gibt keine zweite Chance für das Leben. Manchmal verdiente er gut, manchmal weniger gut. Es kam und ging. Er gab es aus, wenn er es hatte, und wenn nicht, dann eben nicht. Es kam und ging. Wie die Frauen in seinem Leben. Er würde nie vergessen, als er das erste Mal eines dieser Mädchen mit in sein Zimmer nahm. Es war eine wundervolle Nacht, doch noch besser war, er gab ihr am nächsten Morgen einen Kuss und fuhr davon. Ab in die nächste Stadt, die nächste Bühne, das nächste Mädchen. Dabei konnte er sich zugutehalten, dass er keiner von ihnen etwas vorgemacht hatte. War es denn seine Schuld, dass manche meinten, gerade sie wäre die Auserwählte, die ihn bekehren würde und zur Sesshaftigkeit zwingen könne? Frei wie ein Vogel im Wind, frei und unbelastet. Das war er und er wollte es auch bleiben. Wenn da nur nicht der Duft ihrer Haare war, den er immer noch in der Nase hatte.

 

Jahrelang hatte er es so gehalten. Jahrzehnte mittlerweile.

„Genau so will ich es“, sagte er immer wieder für sich hin, auch wenn die Worte sich inzwischen abgenutzt hatten. Er spürte, dass ihn das Reisen immer mehr anstrengte, dass er ab und an dachte, vielleicht wäre es schön, irgendwo ein Häuschen zu haben. Aber er verdrängte es ganz schnell wieder.

 

Erst als er erwachte, in einen neuen Morgen, ohne zu wissen was für ein Tag es war oder wo er war, als er neben sich sah und das Mädchen von der letzten Nacht immer noch da war, ohne dass er es wollte. Langsam zog er sich an und ging hinaus auf die Straße. Es war ihm, als wäre er ein Leben lang vor etwas davongelaufen, als hätte ihn etwas getrieben, immer weiter und weiter. Aber wohin? Es musste doch auch irgendwo ein Ziel geben, ein Ankommen, auch für ihn? Es war, als hätte er sich selbst verloren, in einem Spiel, das mit der Zeit seiner Kontrolle entglitten war. Einsam und verlassen in einer Stadt, an deren Namen er sich nicht erinnerte. Aber die Show muss weitergehen. Als er zurückkam in sein Zimmer war das Mädchen weg. Keine Nachricht. Es war auch gleichgültig. Er war müde und ausgelaugt, verloren im eigenen Leben, das plötzlich so fremd anmutete.

 

Was dann geschah war Routine. Eingespielt über Jahrzehnte. Er ging auf die Bühne und spielte sein Programm, aber es fühlte sich an, als wäre es nicht er selbst, sondern irgendetwas in ihm, das für ihn agierte. Sollte so sein. Bis ihm eine Brise einen Duft zutrug, den er kannte und nach dem er sich gesehnt hatte. Vielleicht würde es für ihn auch noch ein Ankommen geben, ein Platz zur Ruhe zu kommen. Aber wäre er dann noch ein Musikant?

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