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Life is too short for boring stories

war ich eigentlich zunächst mit dem Vorsatz angetreten, nun endgültige alle Belanglosigkeiten aus meinem Leben zu streichen. Dinge ohne Belang, sind all die kleinen Unwichtigkeiten, die alltäglichen Wiederholungen und die ganze Stupidität des Redundanten. Also, nicht aus meinem Leben, sondern aus meinen Mitteilungen. Zumindest aus diesen, denn es bleibt keine andere Wahl als sich ihnen zu stellen. Alltäglichkeiten, kleine Widrigkeiten, manchmal auch Annehmlichkeiten. Ganz egal ob positiv oder negativ, es war zwar da, aber nicht wert darüber zu sprechen. Deshalb wollte ich es fürderhin lassen, denn ich muss achtsam mit meinen Worten umgehen. Wer weiß wie viele mir davon noch zur Verfügung stehen. So brauche ich mir auch keinen Vorwurf machen, wenn sie eines Tages zur Neige gehen. Das dachte ich für mich. Man hat schließlich eine gewisse Verantwortung.

Diese Verantwortung bezieht sich auf die anderen ebenso wie auf einen selbst. Wenn ich nun von all diesen Dingen spreche, dann langweile ich die anderen um mich. Das kann ich nicht zulassen. Denn schließlich will ich auch nicht gelangweilt werden. Und man darf nichts von jemand anderen verlangen, was man selbst nicht einhält. Alle Unterhaltungen würden dadurch einen immensen Mehrwert erhalten, weil nur mehr wichtige Informationen unter die Leute kämen. Das Außergewöhnliche, das Lehrreiche, das Sensationelle und Folgenreiche. Was für eine Aussicht. Small Talk gäbe es nicht mehr. Keine abgedroschenen Phrasen über das Wetter oder das Befinden oder sonstigen Kram. Was für einen Fortschritt würde die Menschheit machen, wenn sie ihre Zeit nicht länger vergeuden würde.

 

Und nachdem meine Erkenntnisse den Grundstein für eine sich immer fort und fort entwickelnde Gesellschaft bilden würden, in geradezu atemberaubendem Tempo, folglich den von mir aufgestellten Kriterien von wesentlich und wichtig entsprachen, teilte ich sie Dir mit, als Du mir begegnetest, an jenem Tag, zum ersten Mal wieder.

 

Geduldig hörtest Du mir zu. Je länger ich darüber sprach – auch wenn ich meinte mich kurz zu halten – desto mehr lächeltest Du mich an. Es verwirrte mich. Warum nur lächeltest Du? Aber war das eine Frage, die ich stellen durfte? Erst als ich innehielt, ergriffst Du das Wort und meine Hände.

 

„Wenn ich Dich jetzt wirklich ernst nähme“, begannst Du, und sahst mir in die Augen, „Dann dürfte ich Dir jetzt nicht sagen, dass es schön ist, dass Du da bist. Ich dürfte Dir nicht sagen, dass ich mich bei Dir wohlfühle. Denn es ist immer so, wenn wir uns begegnen. Eine Banalität. Eine Belanglosigkeit. Aber bei aller Banalität und Belanglosigkeit das Schönste, was ich mir für diesen Moment wünschen könnte, das was mich am meisten weiterbringen, denn Sprache ist mehr als Sachinformation. Wir sprechen uns darin selbst. Unsere Zuversicht und unsere Sorge, unsere Freude und unseren Schmerz, unsere Liebe und unser Leben, denn Leben ist nun mal eine Anhäufung von Belanglosigkeiten, die es aber letztlich ausmachen. Kleine, wunderbare Belanglosigkeiten. Wir sind es.“

 

Und ich musste erkennen, dass Du recht hattest, so dass ich verschämt die Augen niederschlug, denn was ich dachte, das hatte mich so weit von Dir weggebracht. Was Du dachtest und mir auch mitteiltest, hatte mich so nahe zu Dir gebracht. So dass ich Dich Dein Lächeln erwiderte. Und auch Deinen Kuss. Und als Du mich dann batst, dass wir uns sehen sollten, so war es die Freude des bei Dir seins, erweitert um eine Silbe, eine kleine, wichtige Silbe, die mich leicht und beschwingt nach Hause gehen ließ, selbst wenn es weg von Dir war, für diesen Moment. Wir würden uns wiedersehen – das war das Vor vor der Freude, die aus meiner Freude eine Vorfreude machte. Und Du warst es, der sie mir schenkte.

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