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Life is too short for boring stories

Ja, das tue ich, aber anders als ich Dich liebe. Natürlich. Aber auch anders als ich Manner-Schnitten liebe. Es ist schon etwas Seltsames um die Sprache, denn es handelt sich um drei fundamental verschiedene Dinge, und dennoch verwende ich für jedes dasselbe Verb. Aber die Sprache stellt mir leider kein besseres zur Verfügung, deshalb will ich es einmal dahingehend belassen, dass es Abstufungen gibt, auch beim Lieben. Aber ihr brennt jetzt sicher vor Neugierde, warum ich denn Irland liebe – oder ihr denkt Euch, wieder mal so eine, die sich in die Reihen vieler anderer einreiht. Kennen wir schon. Brauchen wir nicht mehr. Doch ich bin mir sicher, Ihr hättet es nicht erraten.

Es ist die Weite des Landes. Überall nichts als Weite, während das Meer rundherum brandet, denn Irland liegt auf einer Insel, wie wir alle wissen. Vorrangiges Merkmal einer Insel ist, dass es sich dabei um ein Stück Land handelt, das im Wasser liegt. wie verloren. Und gleichzeitig Dasein als Insel, ist Irland auch ein Teil Europas. Die Geographen meinen es. Also doch ein Teil des Kontinents. Obwohl man das politisch und wirtschaftlich nicht mehr so sicher weiß, nachdem England, das sich als Insel zwischen Irland und das Festland geschoben hat, bald nicht mehr zu Europa gehören wird. Vielleicht müssen dann auch die Geographen ihre Karten umzeichnen. Man wird sehen. Aber Irland ist damit außen vor, noch dazu, wo die Insel einen Teil Großbritanniens mitträgt, so dass nun folgerichtig ein Teil der Insel mit aus Europa ausgetreten ist, ob dieser Teil das nun wollte oder nicht. All das ändert nichts an der Weite, am Gras und an den Schafen. Stellt man diese ein wenig zur Seite oder arrangiert sich, dann hat man auf jeden Fall den größten Golfplatz der Welt. Ein Land. Ein Golfplatz, und niemand muss sich um den Rasen kümmern. Der wächst ganz von selbst wie er sich gehört, wobei die Schafe ihren Teil dazu beitragen. Man muss nur noch ab und an ein Loch graben. Diese Weite ist es wohl auch, die immer wieder Künstler anlockt, denn man meint, dass hier auch Gedanken Platz haben, vor allem große Gedanken. Deshalb kommen auch die mit den großen Gedanken oder die, die die eigenen dafür halten. Es ist als würde man wieder frei atmen können, durchatmen, den Horizont und den Himmel sehen. Dafür liebe ich Irland, aber das ist noch nicht die Hauptsache.

 

Die Iren sind gute Katholiken. So gut, dass erst im Jahr 1972 die Säkularisierung auch hier so weit überhandnahm, dass man sich gezwungen sah, das letzte Magdalenenheim zu schließen. Dabei handelte es sich um Heime, die – benannt nach der allseits bekannten Sünderin – sich gefallener Mädchen annahmen, also jener, die sich der sündigen Lust hingaben. Die Folge ihrer Sünde war ihre Leibesfrucht, die den Mädchen selbstverständlich weggenommen wurde, weil eine Sünderin natürlich kein Kind erziehen können, vor allem noch so ganz ohne Mann. Stattdessen hatten sie die große Gnade empfangen Buße tun zu dürfen, indem sie für Gottes Lohn hart arbeiten durften. Das stieß aber auf wenig Verständnis. Darüber hinaus verdanken wir den Iren zutiefst katholische Feste wie Weihnachten und Ostern, also eigentlich den Kelten, aber so genau muss man es nicht nehmen. Das hat dem lieben Gott so gut gefallen, dass er sich in Irland einquartierte und ein Cottage mietete. Also wenn das nicht ein Argument dafür ist, dass Irland liebenswert ist, dann weiß ich es nicht. Aber das ist immer noch nicht das Wichtigste.

 

Die Iren hatten keine Zeit für Eroberungsfeldzüge quer durch die Welt, wie es ihre unmittelbaren Nachbarn so glorreich praktizierten, denn sie hatten etwas weitaus Wichtigeres zu tun, sie hatten ein Bier zu brauen. Und wer sollte recht behalten? Die Großreiche sind zerfallen und zurück blieb höchstens noch das „Groß“ im Namen, aber das Bier, das gibt es immer noch, erfreut die Menschen und bringt sie zusammen, statt sie zu entzweien. So hat man Irland immer etwas, an dem man sich festhalten kann. Wenn nun gerade niemand dafür zur Verfügung steht, so bleibt das Guinness Dir treu. Deshalb ist auch der Sport so wichtig auf der Insel, denn egal wer gewinnt oder verliert, hinterher wird gefeiert. Löblicher Weise wird diese angenehme Sitte auch in andere Länder transportiert. Selbstlos und uneigennützig lehren die sich ausschiffenden irischen Einheimischen den Fremden das Feiern sogar gemeinsam mit dem Gegner. Ein hinreichender Grund Irland zu lieben wäre dies allemal, aber immer noch nicht der Wichtigste.

 

Die Iren wissen eines, dass auf dieser Welt noch immer viel zu wenig gesungen und getanzt wird. Dafür muss ein Ausgleich geschaffen werden. So wird wo und wann immer möglich musiziert, am liebsten im Pub, das traditionell eine Musikerecke hat, die nur von dem eingenommen werden darf, der dieser Widmung auch gerecht wird. Man kann sich kaum einen fröhlicheren Ort vorstellen, als ein Irisch Pub, fröhlich, weltoffen und tolerant. Denn hier werden die Wünsche ernst genommen, selbst wenn es sich um ein Spezialrezept des allseits bekannten Irisch Coffee handelt, wie ich ihn zu bestellen pflege. Überall anders würde ich mich auf eine hitzige Diskussion gefasst machen müssen. Nur hier nicht. Wenn ich frage, ob ich einen Irisch Coffee haben könnte, aber bitte ohne Zucker. Natürlich. Und wenn es nichts ausmacht, auch ohne Schlagobers. Klar doch. Ja, und wenn Sie schon so freundlich sind, dann bitte auch ohne Kaffee. Kein Problem, und das kann nur ein Ire sagen. Dafür liebe ich Irland. Und kann es einen besseren Grund geben?

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