Alberts Bücherlager – Meidlings Kulturbiotop mit der größten Diversität

Foto: Buecherlager - vegane österreichische Autorin aus Österreich

Wenn Du mich fragst, was Alberts Bücherlager ausmacht, denke ich automatisch an meinen ersten Besuch an diesem besonderen Ort vor nunmehr fast neun Jahren. Ein guter Freund hatte mich darauf aufmerksam gemacht und eingeladen, ich solle es mir ansehen. Ich könne dort auch lesen. Das motivierte und verschreckte mich zugleich. Was würde mich erwarten? Wären meine Texte gut genug? Was sind das für Leute, die ich dort treffe?

Die Möglichkeit zu lesen überwog alle Bedenken. Und so fand ich mich eines Abends in der Aichholzgasse. Zwei Mal ging ich an der unscheinbaren Tür vorbei, die sich nicht auf Straßenniveau befand, sondern ein wenig abwärts. Da stand ich also, bis mir endlich bewusst wurde, dass es eben jene Tür war. Stimmen und Melodien drangen an mein Ohr. Das musste es sein. Ich holte noch einmal tief Luft, stieg die wenigen Stufen hinunter und öffnete die Tür.

Das erste, was ich sah, war ein großer Tisch, um den etliche Menschen saßen, die mich musterten. Lächelnd grüßte ich, bevor ich die restlichen Stufen hinabstieg und den Raum genauer betrachtete. Da war eine kleine Schank, eine Brüstung und dahinter weitere Tische. Am Ende des Raumes befand sich eine Bühne, auf der ein Gitarrist spielte. Rundherum standen Regale, vollgestopft mit Büchern – wohl der Grund für den Namen.

Endlich entdeckte ich meinen Freund und atmete auf. Ein Haltepunkt inmitten des Unbekannten. Als der Gitarrist endete, wurde ich ihm vorgestellt.
„Hallo, ich bin der Chris“, sagte er salopp.
Ich fühlte mich willkommen und wagte zu fragen, ob ich einmal lesen dürfe. Die Antwort, die ich erhielt, erschreckte, verblüffte und erfreute mich zugleich.
„Magst gleich jetzt?“, meinte er, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.
Ich war keineswegs darauf vorbereitet, doch seine Zuversicht schenkte mir Zutrauen und ich nahm das Angebot an – vielleicht auch, um gar nicht erst zum Nachdenken zu kommen, mit dem diese kleinen, fiesen Zweifel einhergehen.
Einige Minuten später saß ich auf der Bühne und las. Zurückhaltend und viel zu schnell – meiner Nervosität geschuldet. Als ich endete, musste ich mich zusammennehmen, nicht die Augen zu schließen, um die Reaktion auszublenden, denn ich war überzeugt, sie würde alles andere als gut ausfallen.
Doch das Gegenteil war der Fall. Ein kräftiger Applaus ertönte. Ich war verblüfft. Von mehreren Seiten wurde ich angesprochen, über meine Arbeiten befragt und erhielt Rückmeldungen – durchwegs positiv und vor allem konstruktiv.

Von da an ging ich immer wieder hin, entdeckte das vielfältige Programm dieses Kulturvereins: vom Musicjam über Politlieder bis zu Bildergesprächen und Konzerten. Nach einiger Zeit und etlichen Auftritten beim Jam wurde ich gefragt, ob ich nicht mein eigenes Literaturformat machen möchte.

„Lesen bei Noitz“ wurde es getauft. Über die Jahre – sogar durch die Coronazeit hindurch – durfte ich viele spannende Autor*innen kennenlernen, die mir zeigten, wie vielfältig der Literaturbetrieb abseits des Mainstreams ist. Nach und nach übernahm ich auch Verantwortung für die Schank, als Ersatz für Albert.

Eine Begegnung ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Nach einer Lesung hatte ich einen Text vorgetragen, der mir selbst sehr naheging. Er trug den Titel „Liebe hat viele Facetten“ und erzählte von meinen Erfahrungen mit der Liebe.

Als ich von der Bühne stieg, sah ich eine Frau, die schon öfter auf Besuch war. Sie wirkte traurig. Obwohl ich sie kaum kannte, wagte ich zu fragen, ob mein Text sie traurig gestimmt hätte. Sie verneinte und meinte, mein Text habe sie tief berührt, weil es ihr gewesen sei, als wäre es ihre eigene Geschichte. Dann begann sie zu erzählen – und ich nahm es dankbar an. Denn ich spürte ein tiefes Verstehen, das zwischen uns entstanden war.

Wenn Du mich heute fragst, was Alberts Bücherlager ausmacht, denke ich an die vielen Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen, die mir ihre Geschichten anvertrauten und mir zeigten, wie vielfältig das Leben ist.

Mittlerweile sind etliche Jahre vergangen. Das Programm verändert sich ständig, doch eines bleibt: dass nichts gleich bleibt – außer der Vielfalt. Motivierte Menschen sind zum Organisationsteam hinzugestoßen und bereichern es mit ihren Ideen und ihrem Engagement.

Wenn Du mich also fragst, was Alberts Bücherlager ausmacht, kann ich nur sagen: zwei Dinge.
Die Vielfalt des kulturellen Angebotes. Deshalb nenne ich es auch Meidlings Kulturbiotop mit der größten Diversität. Hier kann jede und jeder Kunst und Kultur genießen – Literatur, Musik, Kabarett, Diskussionen oder bildende Kunst – ohne die Hemmschwelle eines Eintritts, ohne monetäre Schranken. Und das breite Spektrum an Menschen, die das Bücherlager besuchen.

Wenn Du wissen willst, was Alberts Bücherlager ausmacht, kann ich nur sagen: Worte können nur einen Eindruck vermitteln. Am besten machst Du Dir selbst ein Bild.

Die Termine findest Du auf der FB-Seite von Alberts Bücherlager, auf der Seite von Hans Schön und natürlich hier. Ich würde mich freuen, Dich dort begrüßen zu dürfen.

Politlieder Bild | NOVELS4U | Daniela Noitz | vegan | Offizielle Webseite | novels4u.com - Daniela Noitz
📷 Politlieder
Foto: Arbert Termine - vegane österreichische Autorin aus Österreich
📷 Arbert Termine

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